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11.40 Uhr | 27. Mai 2016
Laut Studie ist die Nibelungenstadt einer der deutschen „hot spots“ was die Folgen des Klimawandels angeht / Stadtrat verabschiedet Konzept

Worms muss Sturzfluten und tropische Hitze befürchten

Der Wormser Stadtrat verabschiedet am Mittwoch auf seiner Sitzung das Konzept zur lokalen Anpassung des Klimawandels. Foto: Gernot Kirch

Der Wormser Stadtrat verabschiedet am Mittwoch auf seiner Sitzung das Konzept zur lokalen Anpassung des Klimawandels. Foto: Gernot Kirch

WORMS  – Der Deutsche Wetterdienst hat im Auftrag der Stadt Worms eine Untersuchung über die Auswirkungen des Klimawandels in der Nibelungenstadt durchgeführt. Das niederschmetternde Ergebnis des Gutachtens ist, dass Worms zu den „hot spots“, also den am stärksten betroffenen Regionen in Deutschland gehört. Nach den Prognosedaten für die nahe Zukunft, was die Jahre von 2021 – 2050 betrifft, sowie die ferne Zeitachse, von 2071 bis 2100, wird es einen dramatischen Temperaturanstieg mit Starkwetterereignissen wie Stürmen, Hoch- sowie Niedrigwasser und Hitzeperioden mit Trockenheit geben.

Tropische Hitze

Die jährliche Durchschnittstemperatur soll laut des Deutschen Wetterdienstes von 11 Grad im Jahr 1961 auf 15 Grad im Jahr 2100 ansteigen. Es wird in dieser Zeitspanne zu einer Verdoppelung der Sommertage (mehr als 25 Grad) von rund 50 im Jahr 1961 auf rund 90 im Jahr 2100 kommen. Die heißen Tage (über 30 Grad) nehmen von zehn im Jahr 1961 auf rund 45 im Jahr 2100 zu. Eine nächtliche Abkühlung wird es kaum mehr geben. Im Gegenzug soll das Thermometer an fast keinem Tage mehr unter Null Grad sinken.

Starkregenereignisse

Was den Niederschlag angeht ist die Prognose nicht ganz so einheitlich, aber es wird mit einer Zunahme um rund 15 Prozent in den kommenden 80 Jahren gerechnet. Relativ eindeutig scheint hingegen der bundes- und landesweite Trend zu sein, dass es zu einer Zunahme der Starkregenereignsissen mit hohen Wassermengen innerhalb einer kurzen Zeitspanne kommt. Dies kann im Extremfall zu Hochwasser an Rhein und Pfrimm und zu Sturzfluten im Stadtgebiet führen, sodass die anfallende Wassermasse von der Kanalisation nur mehr begrenzt aufgenommen werden kann. Besonders Stadteile in einer Tallage müssen zudem befürchten, dass das abfließende Regenwasser nicht mehr vollständig vom Boden aufgenommen werden kann, sondern teilweise in den Ortskern strömt.

Stadt trifft Maßnahmen

Möglichkeiten, den Klimawandel zu beeinflussen, hat Worms nur in ganz, ganz geringem Maße. Selbst Deutschland kann an diesem globalen Phänomen nur begrenzt etwas ändern. Eine Zahl mag dies verdeutlichen. So ist Deutschland für ganze zwei Prozent des weltweiten CO-2 Ausstosses verantwortlich. Selbst wenn zwischen München dun Hamburg alle Verbrennungsmotoren abgeschaltet würden, hätte dies auf die Erde umgerechnet kaum ein Wirkung. Den Verantwortlichen bleibt also in erster Linie, sich um die Auswirkungen zu kümmern und diese für die Bevölkerung abzufedern und erträglich zu machen. Dazu hat die Stadtverwaltung jetzt ein lokales Klimaanpassungskonzept entwickelt, das am Mittwoch einstimmig im Stadtrat verabschiedet wurde. Die Stadt Worms ist mit diesem Konzept einer der Vorreiter in Deutschland. Worms setzt als Stadt hier Maßstäbe. Viele andere Kommunen sind an den Ergebnissen der Nibelungenstadt interessiert, so Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek.

Europäischer Rahmen

Ein wegweisender Schritt, hin zu dem Klimaschutzkonzept war bereits der Beitritt von Worms im Jahr 2014 zum internationalen „mayors adapt.“ Hans -Joachim Kosubek wies auch daraufhin, dass die Probleme des Klimawandels nur im europäischen oder gar globalem Rahmen gelöst werden könnten.

Vier Arbeitsgruppen

Das Konzept sieht 48 Einzelmaßnahmen vor. In vier Arbeitsgruppen, die sich jeweils zu zwei Workshops trafen, wurden die Möglichkeiten des Handels erarbeitet. Jede der vier Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit einem Thema. Die einzelnen Aufgabenfelder der Arbeitsgruppen betrafen Wasserereignisse, die Landnutzung, die Stadtplanung und die Gesundheit, wobei man sich hier mit den Auswirkungen der Hitze beschäftigte. In den Arbeitsgruppen wirkten Verbände, externe Behörden, Sachverständige, Wohlfahrtseinrichtungen, Schulen, Industrie, Landwirtschaft, Umweltverbände und Kammern mit.

48 Einzelmaßnahmen

Mit der Umsetzung der 48 Einzelnahmen soll nach dem positiven Votum des Stadtrates möglichst zügig begonnen werden. Für 13 dieser Maßnahmen bedarf es einen gesonderten Beschluss des Stadtrates, mit den übrigen 35 werde aber sofort begonnen, so Oberbürgermeister Michel Kissel.
Die Maßnahmen beinhalten einige relativ einfach umzusetzbare Dinge wie ein Hitze-Frühwarnsystem, flexible Arbeitszeiten bei hohen Temperaturen, die Bepflanzung von Ackerrandstreifen oder den Erhalt von Biotopen. Es sollen zukünftige aber auch sturmfeste Bäume gepflanzt werden oder es sollen bauliche Maßnahmen zur Bewältigung von urbanen Sturzfluten zur Realisierung kommen. Hier wies Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek daraufhin, dass es im Rahmen der Konzepterarbeitung eine 3D-Simulation hinsichtlich der Auswirkungen von Starkregenereignissen auf die Stadtteile und die City gebe. Diese wolle man nun mit den Bürgern diskutieren.

Die gesamte Studie wird am 7. Juli 2016 der Presse und der Öffentlichkeit in einer gesonderten Veranstaltung präsentiert.

„Klima-Manager“

Ein konkrete Auswirkung steht schon fest, mit einer Förderung von bis zu 90 Prozent durch Bundesmittel soll eine Stelle in der Verwaltung geschaffen werden. Der zukünftige „Klimamanager“ wird sich ausschließlich mit der erfolgreichen Realisierung des Konzeptes in Worms beschäftigen. Man braucht einen „Kümmerer“, so OB Kissel, damit die Maßnahmen angepackt werden. Gernot Kirch

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Geschrieben in Worms

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