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16.50 Uhr | 14. September 2020

„Wird man im Notfall im Stich gelassen?“

WARNSIGNALE: Besorgte Bürger suchten das Gespräch mit dem TIP / Apps werden nur als Ergänzung angesehen

Am Donnerstag fand der bundesweite Alarmtag statt – dass in Lampertheim keine Sirene zu hören war, hat mehrere TIP-Leser beunruhigt. Foto: www.pixabay.com

LAMPERTHEIM – „Stell Dir vor, es ist bundesweiter Alarm und in Lampertheim bekommt niemand etwas davon mit” – so oder so ähnlich erging es vielen Bürgerinnen und Bürger, die am vergangenen Donnerstag vergebens auf ein akustisches Signal des angekündigten Probealarms warteten und sich im Nachgang an den Warntag an den TIP wendeten. 

„Der Warntag war in erster Linie ein Probetag, der wichtig war, um den Ernstfall zu testen und die Menschen zu sensibilisieren, welches Signal einen Alarm beginnt, welches ihn beendet und was die einzelnen Signale zu bedeuten haben. Es sollte für alle Menschen eine Schulung sein, damit sie die Signale deuten und entsprechend reagieren können. Dabei kann auch immer etwas schiefgehen, was auch vielerorts und auch bei den WarnApps der Fall war. Es ist dennoch beunruhigend, wenn wir nicht einmal daran teilnehmen”, so beispielsweise eine besorgte Bürgerin – auch, weil es in Lampertheim selbst offenbar keine funktionsfähigen Sirenen mehr gibt.

Ein positiver Aspekt des Warntages wäre gewesen, dass man diesen in einem entspannten Moment erlebt hätte und nicht erst dann, wenn wirklich etwas passiert ist und man nicht weiß, wie man handeln soll. „Es ist wichtig, dass Überlegungen, was man tun sollte, im Notsituationen kein Thema mehr sind. Überall waren Sirenen zu hören, nur nicht in Lampertheim – lediglich in Hofheim. Wenn es keine Sirenen gibt, warum hat man keine andere Möglichkeit gesucht, die Menschen zu informieren? Es hätte beispielsweise die Möglichkeit gegeben, mithilfe der Polizei und Feuerwehr mit Sirenen und Lautsprechern auf den Alarm aufmerksam zu machen – eventuell zumindest auch mit Glockengeläut? Aber es ist nichts passiert! Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Passiert im Ernstfall auch nichts? Wird man in Lampertheim im Notfall im Stich gelassen? Die Idee des Probetages ist seit zwei Jahren bekannt – genug Zeit also, um sich eine Alternative einfallen zu lassen und entsprechende Maßnahmen vorbereiten. Aber offenbar gibt es kein Konzept“, stellten die Leser im Gespräch klar.

Gleichzeitig zeigten sie sich von den nicht existierenden Sirenen mehr als irritiert: „Wie kann es sein, dass Sirenen abgebaut werden und die Bevölkerung nicht darüber Bescheid weiß? Es ist erschreckend, dass seit vielen Jahren so nah an der BASF und vor allem auch dem Atomkraftwerk kein Warnsignal für die Bevölkerung vorhanden ist – gerade beispielsweise angesichts der Detonation vor wenigen Jahren bei der BASF Ludwigshafen, die bis Lampertheim zu hören war. Wir hatten offenbar bisher einfach Glück, das nichts passiert ist. Auch das Kernkraftwerk wird zwar abgebaut, aber es ist immer noch vor Ort – Lampertheim liegt dabei in einem Ernstfall in der Todeszone, die Bürgerinnen und Bürger könnten aber noch nicht einmal über ein akustisches Signal informiert werden, falls es hier einen Alarm geben würde. Solange in Biblis radioaktives Material lagert, hätten die Sirenen in dieser Region nicht abgebaut werden dürfen!”, so die einhellige Meinung.

„WarnApps nur als Ergänzung sinnvoll”

Auch die WarnApps haben an diesem Tag nicht den gewünschten Erfolg der Information mit sich gebracht – allerdings können diese aus Sicht der besorgten Bürgerinnen und Bürger lediglich keine Ergänzung und keineswegs der vollwertige Ersatz für eine Alarmierung sein: „Es kann sein, das Akkus nicht geladen sind, das Handys aus ist oder auch die mobilen Dienste nicht aktiviert sind – zudem hat nicht jeder ein Smartphone. Außerdem gibt es verschiedene Warnsysteme, und schon beim Probealarm waren die Netze völlig überlastet. Und auch das Netz kann ausfallen, wir hatten ebenfalls schon mehrfach Stürme, bei denen Masten umgefallen sind und keine Stromversorgung mehr bestand. Daher können WarnApps nur eine Ergänzung zu den akustischen Warnsignalen sein. Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie den Umgang mit entsprechenden Sirenen lernen.” 

Offene Fragen

Die TIP-Leser sind angesichts zahlreicher ungeklärter Fragen beunruhigt: Warum wurde nicht kommuniziert, dass es bei einem Notfall keine akustischen Signale mehr in Lampertheim gibt? Gibt es ein Notfallkonzept für Lampertheim? Warum wurde es dann jetzt, wo der bundesweite Alarmtag die entsprechende Grundlage bot, nicht erprobt? Eine Frage bewegt viele Bürger ebenfalls: Wer ist verantwortlich, wer hat die Entscheidung getroffen, die Alarmanlagen abzubauen oder nicht mehr zu warten? Und warum wurden die Bürger nicht informiert? „Wir können von Glück sagen, dass in den letzten Jahren nichts passiert ist. Es ist unverantwortlich von den Verantwortlichen”, warn sich alle, die mit dem TIP sprachen, einig – ebenso wie in einem weiteren Punkt: „In einem Jahr, beim nächsten bundesweiten Probetag, muss es einfach besser funktionieren!” Benjamin Kloos

 

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