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Wenn der kleine Kaktus sticht

Lesen mit Herz – Lyrikgruppe sprach „Durch die Blume“

„Lesen mit Herz“ endete fröhlich mit dem Stück der Comedian Harmonists „Mein kleiner grüner Kaktus“, das in gesprochener Form vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Im Bild (von links): Rita Lausecker, Renate Gayer, Monika Barmann, Johanna Tausch, Helmut Kaupe, verdeckt Christa Kilian, Gabi Winkler und Siegfried Gebhardt. Foto: Hannelore Nowacki


BÜRSTADT – „Durch die Blume“ oder etwas unverblümt sagen, macht den entscheidenden Unterschied. Gebräuchlich ist die Redensart schon seit dem 16. Jahrhundert, dieses und vieles mehr erfuhr das Publikum bei der Lyrikreise am Dienstagabend quer durch die Literatur aus den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten, von Heine und Goethe über Storm und Löns zu Tischbein und Moop Mama. Vor allem die sprachliche Dichte der Gedichte und gesprochenen Liedtexte führte beim Zuhören in weite Sphären der Lebenskunst, der tiefen Gefühle und Weisheit. Nachdenklichkeit und Humor, Witz und Wehmut kamen ausgewogen in den 45 Gedichtvorträgen der Lyrikgruppe „Lesen mit Herz“ zur Geltung. Für ihren dritten Auftritt wählte die Gruppe (Monika Barmann, Renate Gayer, Christa Kilian, Rita Lausecker, Johanna Tausch, Gabi Winkler, Siegfried Gebhardt und Dr. Helmut Kaupe) das Motto „Durch die Blume“, eigentlich passend zum blühenden Sommer. Der aber brachte Regen und Schafskälte, so dass die Besucher diese Veranstaltung nicht unter freiem Himmel an der Hochzeitsschaukel in der „alla hopp!“-Anlage erlebten, sondern ein paar Schritte weiter im Briebelsaal des Alten- und Pflegeheims St. Elisabeth. Sonnenblumen spendeten hier dekorativ das Leuchten und ein Herzballon ließ sich sanft im leichten Windzug eines offenen Fensters treiben. Moderator Kaupe zeigte ebenfalls Herz, was den äußeren Teil angeht, war es wieder das niedliche, flauschige Herz am Revers als Erkennungszeichen. Die aufgestellten 80 Stühle reichten nicht aus für die sehr zahlreich herbeiströmenden Lyrikfreunde, schnell wurden weitere Sitzgelegenheiten herbeigeschafft. Heimleiter Günter Schwering hatte die Versorgung mit Getränken übernommen, die im Gegensatz zum kostenfreien Eintritt zu bezahlen waren, das Gratis-Gebäck wiederum war eine Spende der Bäckerei Gebhardt. Ein dickes, großes Sparschwein, am Ausgang günstig platziert, wie Moderator Kaupe mit einem lyrischen Augenzwinkern anmerkte, dankte für jede Spende an die Lyrikgruppe. Gregor Winkler hatte die Tontechnik im Griff. Das Programm war das Ergebnis der jüngsten Bemühungen und wie Kaupe erklärte, hatten die Gruppenmitglieder nach Gedichten und Texten gesucht, die das Motto „Durch die Blume“ besonders treffend zum Ausdruck bringen. In zwei Stunden mit einer Pause überreichte die Lyrikgruppe dem Publikum einen bunten Lyrikstrauß, nicht immer gereimt, aber leidenschaftlich vorgetragen. Monika Barmann las auch eigene Werke vor. Zu zweit gesprochen, gewinne manches Gedicht an Ausstrahlung, erklärte Kaupe, deshalb traten die Mitglieder zuweilen im Doppel auf. Songtexte wurden nicht gesungen, sondern erreichten durch das gesprochene Wort eindringliche Wirkung, vielmehr erscheinen diese Texte ohne Gesang und Musik sogar tiefgründiger. Eine Erfahrung, die Gabi Winkler immer wieder von neuem sucht. Dem Publikum präsentierte sie mit Monika Barmann „Du darfst mir nie mehr rote Rosen schenken“, ein Hit von Zarah Leander. Was gar nicht sehr bekannt ist, Wilhelm Busch hat nicht nur lustige Reime wie „Max und Moritz“ in die Welt gesetzt, sondern auch die Blumen im Blick gehabt wie bei den lustigen Versen „Sie war ein Blümlein“. Herzhaftes Lachen war bei einigen Gedichtvorträgen unvermeidlich, wie beispielsweise bei den „Drei Bären“ von Heinz Erhard, die Kaupe munter Vers für Vers durch den Wald begleitete – ein Bromär, der auf einen Himbär stieß, der vom grünen Stachelbär berichtete. Am Ende hatte der eine dem anderen Bären einen Bären aufgebunden. Mit Applaus waren die aufmerksamen Zuhörer sehr großzügig, beeindruckt von der temporeichen Lyrikreise, die Moderator Kaupe stimmungsvoll und stimmlich in besinnlich-heitere Ruheoasen führte, mit erfrischenden Kommentaren und unaufdringlicher Information. Ringelnatz sei dafür verantwortlich, dass der Kaktus als Blume durchgeht, ließ Kaupe wissen. Dessen Gedicht „An meinen Kaktus“ schmückte den ersten Teil, am Schluss zeigte sich, dass „Mein kleiner grüner Kaktus“, von den Comedian Harmonists einst gesungen, auch gesprochen erheiternde Wirkung hat. Die Lyrikgruppe erhob sich von den Stühlen und machte mit dem kleinen grünen Kaktus, der sticht und sticht, dem Publikum großen Spaß. Gabi Winkler berichtete im Gespräch mit dem TIP, dass sich die Gruppenmitglieder allein auf die Suche nach Gedichten und Texten machen, diese dann in Sitzungen vortragen und gemeinsam entscheiden, welche Werke ins Programm kommen, in welcher Reihenfolge und wer sie liest. Da jede andere Schwerpunkte setze, ergebe sich ein vielfältiges Programm. Die nächste Lesung findet im Herbst statt. Hannelore Nowacki

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