Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » „Weltoffenheit und Tradition“ 
14.34 Uhr | 6. Mai 2019

„Weltoffenheit und Tradition“ 

Landrat Christian Engelhardt lobte „Heimatkundlichen Sprachunterricht“

Mundartliche Andenken erhielt Landrat Christian Engelhardt vom Team der Lômbadder Babbler. Im Bild (von links) Karl-Heinz „Kalle“ Horstfeld, Landrat Engelhardt, Kerstin Zecher und Nadine Schütz. Foto: Hannelore Nowacki

LAMPERTHEIM – Mundart ist zwar mit der Heimat verbunden, aber nicht jedes Lampertheimer Kind spricht Lômbadder Platt. Doch seit dem zweiten Schuljahr 2018/19 gibt es an der Schillerschule ein ganz besonderes zusätzliches Lernangebot: Kinder lernen in der AG „Heimatkundlicher Sprachunterricht“ ihre Heimat und zugleich die Mundart genauer kennen. Alle zwei Wochen, immer am Freitagnachmittag, treffen sich dreizehn Kinder mit Karl-Heinz „Kalle“ Horstfeld und Nadine Schütz von den Lômbadder Babblern  in der Schule zu einer 45-minütigen Unterrichtseinheit, zum ersten Mal Anfang Februar, im Ganzen acht Mal bis zu den Sommerferien. Am vergangenen Freitag hatte Landrat Engelhardt die Presse eingeladen, die AG mit ihm in Aktion zu erleben und sich vor Ort ein Bild von dem Angebot zu machen. Der Landrat selbst trug zur ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Unterrichtsstunde bei. Kalle Horstfeld erklärte den Kindern, dass der Landrat direkt von den Bürgern gewählt wurde und im Frühjahr 2021 die nächste Wahl ansteht, was der Landrat bestätigte. Die Kinder, im Halbkreis sitzend, waren aufmerksam und wussten auf Engelhardts Fragen zum Kreis Bergstraße viele richtige Antworten, nannten die Städte und Sehenswürdigkeiten wie das Felsenmeer. Oft heißen die Städte in Mundart ganz anders als auf der Landkarte geschrieben steht, das machte Landrat Engelhardt am Beispiel von Hepprum für Heppenheim, Bäschdad für Bürstadt und Biwwels für Biblis deutlich. Raten war bei der Fläche des Kreises Bergstraße angesagt. Im Dialog fand Engelhardt heraus, wer gerne Spargel isst und wer die Spargelkönigin gesehen hat. „Seid ihr alle in Lampertheim geboren?“ Nein, einige Kinder schüttelten den Kopf, darunter ein Junge aus Sri Lanka. Und wer hat zuhause Lampertheimer Platt gehört? Zwei Kinder meldeten sich. Anna spricht hochdeutsch, aber sie kann auch Mundart. Ein Vorteil bei der Geschichte, die Nadine Schütz in schönster sanft klingender Lampertheimer Mundart aus dem Buch „De Lambada Struwwlpejda“ mit „luschdische Gschischde un ulgische Bilda“  vorlas. Walter Sauer hatte die Strubelpeter-Geschichte einst „uff Lambadarisch umgedischt“. Sofort melden, wenn ein Wort unklar ist, riet Nadine Schütz den Kindern. Doch die hörten so gebannt zu, dass sie erst beim zweiten Vorlesen nachfragten. „Jetzt kimmt de Benseniggl“  war zu hören. Ja, der Nikolaus kommt. Aber das ist schon Spezialwissen, das nur wenige wie Anna haben. Landrat Engelhardt dankte Schulleiterin Annette Wunder-Schönung, dass sie diesen Unterricht ermöglich habe. „Der Lampertheimer ist ein besonders schöner Dialekt und hängt mit vielen Bräuchen zusammen“, meinte Engelhardt, der sich als gebürtiger Schwabe offenkundig weiß wovon er spricht.  Genial finde er, dass Kinder in der Grundschule nach Hochdeutsch auch Dialekt lernen, noch bevor das Englische kommt. „Weltoffenheit und die eigene Tradition gehören zusammen“, ist Engelhardt überzeugt. Beim lustigen Ratespiel wusste Engelhardt die meisten Begriffe wie Hinkel zu deuten, aber was ist Zugemies? Diese Brotzeit ist nicht Allgemeingut, im Gegensatz zu Latwerge, dem berühmten Pflaumenmus der Landfrauen. Hier hatte Landrat Engelhardt mitgerührt. Kalle Horstfeld war begeistert und bescheinigte Engelhardt „gut gelungen“. Zum Schluss wurde wie jedes Mal gemeinsam das Lampertheimer Spargellied gesungen, von Nadine Schütz an der Gitarre begleitet. Als Andenken an diese Stunde erhielt Landrat Engelhardt vom Team der Lômbadder Babbler die Mundart bebildert und gerahmt.   Dieser Heimatkundliche Sprachunterricht hat eine Vorgeschichte  von der Idee bis zur Umsetzung, von der Kalle Horstfeld berichtete. Landrat Engelhardt habe ein offenes Ohr gehabt und nach der Besprechung beim Schulamt des Kreises Bergstraße im September seien Projekt und Konzept positiv beurteilt worden. Mit der Schulleitung der Schillerschule sei dann der Beginn des Sprachkurses im Februar vereinbart worden.  Kalle Horstfeld, auch Initiator der Lômbadder Babbler, wollte ursprünglich nur die Lampertheimer Mundart korrekt schreiben, schnell entwickelte sich ein ständiges Team und eine gut besuchte Veranstaltungsreihe mit Beiträgen aus dem Kreis der Teilnehmer sowie eine Kolumne im TIP. Hannelore Nowacki

Landrat Christian Engelhardt (Mitte) hatte die Presse zum „Heimatkundlichen Sprachunterricht“ in der Schillerschule mit Karl-Heinz Horstfeld (vorne) und Nadine Schütz von den Lômbadder Babblern eingeladen, begleitet wurde er von Daniela Vogel (rechts) vom Schulamt. Der Lampertheimer Dialekt macht den Kindern Spaß und im Idealfall, den sich Horstfeld wünscht, geben sie ihre Kenntnisse zuhause weiter. Foto: Hannelore Nowacki

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen