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15.41 Uhr | 25. November 2021

„Warum die Coronaschutz-Impfung jetzt so wichtig ist“

CORONA: Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz hatte Experten und Betroffene zur aktuellen Lage eingeladen

Jeder zehnte Corona-Erkrankte leidet unter Long-Covid mit Symptomen wie Erschöpfung, Atemnot und Schwindel – daher ist das Impfen als Schutz für die Menschen selbst wie auch für die Allgemeinheit von größter Bedeutung. Foto: www.pixabay.com

HEPPENHEIM – Das Thema Corona sorgt in diesen Tagen wieder für größte Aufmerksamkeit, stellte die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz zu Beginn der Pressekonferenz am Dienstag fest, zu der sie die Medien der Region, Experten aus dem Bereich Gesundheit und Betroffene eingeladen hatte. Im Saal Bergstraße im neuen Landratsamt war für alle genügend Platz, durch die geöffneten Fenster strömte die frische Luft in den Raum. In der Einladung war die Problematik beschrieben: „Die SARS-Cov-2-Infektionszahlen steigen aktuell dramatisch an, gleichzeitig sind immer mehr Intensiv-Betten mit Covid-Patienten gefüllt. Warum die Coronaschutz-Impfung und das ‚Boostern‘ jetzt wichtig sind“. Aus ihrer eigenen Erfahrung berichtete die Erste Kreisbeigeordnete, dass verunsicherte Menschen zu ihr gekommen waren, um sich beraten zu lassen. „Das hat mich zutiefst beeindruckt“, erzählte sie, „und ich habe gemerkt, es gibt noch ganz viele Menschen, die wir fürs Impfen erreichen können“. Zwei Zahlen rückte Stolz in den Blick: Jeder zehnte Corona-Erkrankte leide unter Long-Covid mit Symptomen wie Erschöpfung, Atemnot und Schwindel – aber extrem selten seien schwere Nebenwirkungen bei Geimpften, bei jedem 5.000sten. Dr. Christoph Peter, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin beim Kreiskrankenhaus Bergstraße, berichtete, dass die Mitarbeiter im ärztlichen und Pflegebereich in der Versorgung von Covid-Patienten im psychischen und physischen Grenzbereich arbeiten. Die Zimmer seien speziell isoliert, die körperliche Belastung durch Arbeit mit Vollschutz groß, man sei nassgeschwitzt. Das Kreiskrankenhaus arbeite zweigleisig mit dem  Primärversorgungsauftrag für die Region und der Versorgung der Covid-Kranken mit einem Drittel der Intensivkapazität. Üblicherweise sei eine Intensiv-Auslastung von 80 Prozent aus wirtschaftlichen Gründen gut, jedoch mit über 90 Prozent im aktuellen Jahresdurchschnitt im Grenzbereich. Seit Sommer gebe es viele junge Patienten auch im intensivmedizinischen Bereich, 30 Jahre die Jüngsten, in der Vorgeschichte gesund, die drei bis vier Wochen auf der Intensivstation blieben. Fast alle seien nicht geimpft. Im typischen Verlauf sehe er den großen Einbruch eine Woche nach Symptombeginn mit Luftnot, Patienten fühlten sich dabei oft noch gut. Zwei geimpfte Patienten beschreibt Peter als Sonderfall nach Implantation und Tumorerkrankung. Peter mahnt: „Eine echte Therapieoptimierung haben wir nicht“. Die Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung sei selten und gut behandelbar. Bei 92 Millionen Impfungen seien 1.243 Verdachtsfälle an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet worden, teilte Chefarzt Peter mit. Seine Meinung: „Impfen ist keine Privatsache mehr“. Aber er spricht sich dagegen aus, Leute zu stigmatisieren, einen Bruch in der Gesellschaft wolle er nicht, vielmehr sei jeder, der sich jetzt noch impfen lässt ein Gewinn. Mit Eva Keitemeier und Friederike Kirchner waren zwei Heppenheimer Apothekerinnen eingeladen, die aus Gesprächen mit Kunden berichteten und sich aus fachlicher Sicht für die Corona-Impfung und das Boostern aussprachen, ganz gleich mit  welchem der beiden angebotenen mRNA-Impfstoffe. Aus Sicht des Gesundheitsamtes erklärte Dr. Barbara Unger-Goldinger, dass die Krankenhausaufenthalte mit der Höhe der Inzidenz korrelieren und dass auch ein Vierzigjähriger ohne Vorerkrankungen versterben kann. Die meisten Corona-Patienten im Krankenhaus seien ungeimpft. Ihr Appell: „Lassen Sie sich impfen, wir sehen den Effekt“. Der Lampertheimer Internist Dr. Karl-Wilhelm Klingler wies auf die wichtige 6-Monate-Regel für die 3. oder Auffrischungsimpfung hin. Für eine berufsbezogene Impfpflicht im Gesundheits- und Kinderbetreuungsbereich als sinnvoll sprachen sich Peter, Klingler und Stolz aus. Auf eine allgemeine Impfpflicht wollte sich die Erste Kreisbeigeordnete Stolz nicht festlegen, jetzt sei allerdings der Zeitpunkt darüber zu reden. 

Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz hatte Experten aus dem Gesundheitswesen und Betroffene zum Pressegespräch über die Wichtigkeit der Corona-Schutzimpfung eingeladen. Foto: Hannelore Nowacki

Persönliche Erfahrungen mit der Krankheit

Der Lampertheimer Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin Dr. Karl-Wilhelm Klingler berichtete über seine eigene Corona-Infektion, die er sich in der ersten Welle im April letzten Jahres bei seiner ärztlichen Tätigkeit zugezogen hatte, wohl bei einer Leichenschau im Altenheim. Damals noch ohne Impfmöglichkeit. Als Berufskrankheit sei dies mittlerweile anerkannt. „Es hat mich einfach erwischt“, ordnet Klingler seine Erkrankung ein, die mit hohem Fieber über 39 Grad zehn Tage lang einherging, müde und schlapp habe er sich gefühlt. Eine Röntgenaufnahme habe dann gezeigt: Die halbe Lunge war betroffen. Daraufhin im Kreiskrankenhaus sieben Tage auf der Intensivstation, mit Maske beatmet. Acht Kilo Muskulatur und 12 Kilo an Gewicht habe er verloren, doch nach sechs Wochen Reha zuhause sei er wieder komplett hergestellt. Zum Impfen rät Klingler, weil die Krankheit viel schwerer sei als die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung wie Autoimmunreaktionen oder Herzmuskelentzündung. Silke Renz, als ehrenamtliche Kreisbeigeordnete in den Kreisausschuss gewählt und Stadtverordnete in Bürstadt, war auch bei der ersten Corona-Welle am 21. März 2020 ohne Impfmöglichkeit betroffen, hatte eine Lungenentzündung mit Atemnot, Husten, Geruchs- und Geschmacksverlust. Anders als Klingler ist sie nicht glücklich genesen, sondern leidet an Long-Covid mit Symptomen wie intervallweiser  Erschöpfung und weiter bestehendem Verlust des Geruchs- und Geschmacks. „Ich fühle mich zeitweise wie eine leere Hülle“, beschreibt sie ihre Welt nach der Corona-Erkrankung. Schmecken könne sie nur salzig, süß, bitter und sauer, da aber der Geruchssinn maßgeblich für den Geschmack ist, habe ihre Lebensqualität unter dem Verlust gelitten. Ein Glas Wein genießen, essen gehen, das mache keinen Spaß mehr. Auch im Urlaub das Meerwasser an der Nordsee oder einen Frittenstand riechen – das sei ihr nicht möglich. Bis nach Köln sei sie bei Spezialisten gewesen, die ihr nicht hatten helfen können. „Man fühlt sich wie nicht am Leben teilnehmend“, sagt sie und gibt zu bedenken: „Nur die Impfung hilft gegen schweren Verlauf und dass man Long-Covid bekommt“. Stolz dankte beiden Betroffenen für die Offenheit, mit der sie über ihre Erkrankung reden. Hannelore Nowacki

 

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