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Unter Bürstadts Scholle…


Riedrode, ein Knopf, ein Adler und 18,29 Kilometer Schienen / Gastbeitrag von Dieter Heumann

Die Erde rund um Bürstadt gibt immer wieder besondere Fundstücke frei – so wie diesen Uniformknopf bei Riedrode. Foto: Dieter Heumann



RIEDRODE – Mit einem Blick in die Bürstädter Chronik finden wir einen Eintrag, der das Verkehrswesen in und um Bürstadt in den Fokus rückt. Mit Datum 15. Mai 1939 hielt zum ersten Mal ein Zug am neu erbauten Bahnhof in Riedrode. Als offene Pfeilerhalle in den Jahren 1938/39 erbaut, wurde sie vor 78 Jahren ihrem Zweck übergeben, wohl sehr zur Freude der Riedroder Einwohner über diese neue Verkehrsanbindung.
Die 18,29 Kilometer lange Nebenstrecke Bensheim-Hofheim wurde von der Hessischen-Ludwigsbahn-Gesellschaft, abgekürzt HLB, erbaut und am 1. November 1869 in Betrieb genommen und besaß allein zwischen Bürstadt und Lorsch sieben beschrankte Bahnübergänge.
Für die Modellbahnfreunde sei erwähnt, dass die Bensheimer Eisenbahnfreunde die Teilstrecke Bensheim-Riedrode originalgetreu anhand alter Plänen, Fotos und Beschreibungen nachgebaut haben und Besucher gerne willkommen heißen.
Da ich zu der Generation gehöre, die in der Jugendzeit Dampflokomotiven täglich noch live erlebte und in der Nähe des Bahndammes aufwuchs, brauche ich nur die Augen zu schließen und schon sind die Bilder von schwarzen Rauchfahnen, die typische Geräuschkulisse und vor allem dieser unvergleichliche Geruch nach Kohle, Dampf und Öl in allen Sinnen wieder zugegen. Und als Maschinenbau-Ingenieur habe ich natürlich heute noch ein Faible für die Technik dieses Lokomotiv-Typs – eben Maschinenbau pur! Außerdem gehört zu all den aufgeführten Details noch eines: Die Uniform der Bahnbediensteten. Und was machte eine gute Uniform aus? Die auffallenden Knöpfe, meist mit Bezug zu der Berufsgattung. 
Und hier tat sich mal wieder die Bürstädter Scholle auf und gab ein solches Relikt aus alter Zeit frei. Wie auf dem Foto zu sehen ist, handelt es sich um einen Uniformknopf mit den Initialen der HLB und der Kontur einer Lokomotive aus der Anfangszeit des Lokomotivbaus und stellt wohl den „Adler“ dar, Deutschlands erste kommerzielle Dampflok, die am 7. Dezember 1835 ihren Betrieb aufnahm. 
Gebaut wurde der „Adler“ im Auftrag der königlich privilegierten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft von der britischen Firma Robert Stephenson & Co. in Newcastle upon Tyne. Nach fast zweimonatiger Reise kam die Lokomotive Ende Oktober in Franken an – zerlegt in 100 Einzelteile, verpackt in 19 Kisten von 177 Zentnern Gewicht. 
Ja, es passt alles zusammen. Wie es sich gehört, wurde der Uniformknopf natürlich in der Nähe der Gleisführung oben genannten Bahn gefunden. Ein sogenannter „Altweg“, der einst direkt auf den Bürstädter Menhir – den Sackstein – zulief und der ja selbst in Gleisnähe steht, war Fundort des Knopfes.
Der Knopf hat einen Durchmesser von 24 Millimeter. Rückseitig des Knopfes -mit erhaltener Öse- ist „Extra Fein“ eingeprägt. Es ist davon auszugehen, dass der Knopf einmal mit einer Vergoldung oder Versilberung die Uniform schmückte. Mal sehen, was Bürstadts Scholle noch zu bieten hat! Dieter Heumann

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Geschrieben in Bürstadt und Stadtteile, Lokal, Riedrode am 15. Mai 2018

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