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„… und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus“

Verzaubert von märchenhafter Atmosphäre mit Erzählerin Regina Haas-Sauer und Harfenistin Mariella Pieters

Erzählerin Regina Haas-Sauer kam in dunkler Nach aus dem Odenwald angereist, an ihrer Seite Harfenistin Mariella Pieters, die mit Harfenklängen die zauberhafte Stimmung verstärkte. Foto: Hannelore Nowacki

BÜRSTADT – Laternen leuchteten zur rechten und linken Seite des Saals im Pfarrzentrum St. Michael, das milde Kerzenlicht strahlte die Engel an, die von unterschiedlicher Gestalt und Größe waren. Diese märchenhafte Atmosphäre verzauberte das Publikum, das im fast voll besetzten Raum den Worten von Erzählerin Regina Haas-Sauer lauschte. Ganz still war es geworden, als sie nach der Begrüßung durch Annerose Bechtloff das bekannte Gedicht „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff sprach. Die Zeile „… und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus“ hatte sie zum Motto des Abends gewählt. Sanft spielte Harfenistin Mariella Pieters ihr Instrument, leicht schwebende Harfenklänge umarmten die Gedanken, immer wieder, wenn die Erzählungen eine besinnliche Pause benötigten. „Es war einmal …“, so nahm auch das erste Märchen seinen Lauf, das die Brüder Grimm aus Hessen dem jungen Mädchen gewidmet hatten, das Bedürftigen, die ihm begegneten alles gab, auch das letzte Hemd. Als die Sterne vom Himmel fielen und sie mit Talern beschenkten war sie reich für ihr ganzes Leben. Ein Märchen, so schön erzählt, wie auch die folgenden, die Erzählerin Haas-Sauer auf ihrer Weltreise durch die unterschiedlichen Kulturen ihrem Publikum nahebrachte. Aus der Ukraine war das Märchen vom „Heilwasser“, das eine alte Pilgerin einer bitterlich weinenden jungen Frau am Wegesrand schenkte, ein Zaubertrank, der den großen, wiederkehrenden Ehestreit auf wundersame Weise schlichten konnte – eine hintergründige Geschichte zum Schmunzeln, aber auch von Weisheit getragen. Wenngleich ein moderner Beziehungsstreit anders moderiert wird, wie auch die Erzählerin anklingen ließ. Statt dem Gatten laufend Widerworte zu geben, sollte die junge Frau nach Anweisung der Alten einen Schluck im Mund behalten, jedoch nicht verschlucken. Weiter ging die Reise nach Indien, wo der reiche Maharadscha und die Maharani eine schöne Tochter hatten, Sharita, die von Geburt an eine goldene Kette um den Hals trug. Niemals sollte sie diese ablegen, nie sollte jemand anderes die Kette tragen, dann würde Sharita sterben. Nach spannenden Wirrungen konnte die junge Prinzessin endlich das Leben mit ihrem geliebten Prinzen und dem mittlerweile geborenen Sohn genießen. In lebensbedrohliche Schwierigkeiten hatte sie sich gebracht, weil sie die neidische Erstfrau des Prinzen fälschlicherweise für eine Freundin gehalten hatte. Imaginäre Bilder entstanden beim Erzählen dieser lebendigen Weisheitsgeschichten, Schwankmärchen und Zaubermärchen aus dem Orient, China, Indien und Japan. In der Pause war die Stille gewichen, bei Kaffee und Plätzchen entwickelten sich schnell angeregte Gespräche unter den etwa 120 Frauen. Eine versuchsweise Zählung ergab dagegen nur vier männliche Zuhörer. Das mag Zufall sein, doch auch Annerose Bechtloff, die diese Veranstaltung seit über zehn Jahren einmal im Jahr gemeinsam mit Edelgard Ofenloch und Rita Bauer organisiert und für die Dekoration sorgt, bestätigt dieses überwiegende weibliche Interesse. Schon am Vortag habe ihre Gruppe den Saal dekoriert, die Engel und Laternen haben sie von zuhause mitgebracht. Hannelore Nowacki

 

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