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11.47 Uhr | 16. Mai 2022
ÖPNV: Verkehrsplaner Dennis Ulas über aktuelle Entwicklungen und Planungen

Umfangreiches Maßnahmenpaket für den Kreis Bergstraße

KREIS BERGSTRASSE – Auf dem letzten Treffen des Netzwerk bergstraße.mobil referierte Verkehrsplaner Dennis Ulas vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) über aktuelle Entwicklungen und Planungen zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis Bergstraße. Großes Lob gab es von den Teilnehmenden für den großen Umfang und die Qualität der in Umsetzung befindlichen Maßnahmen. An weiteren Ideen und Optimierungsvorschlägen mangelte es gleichwohl nicht.

In einem umfassenden Rundumschlag über das gesamte Kreisgebiet wurden in der von Peter Castellanos (bergstraße.mobil) moderierten Sitzung viele planerische Maßnahmen erörtert, mit denen der ÖPNV im Kreis Bergstraße weiterentwickelt werden soll. Grundlage hierfür bildet überwiegend der im November 2020 durch den Kreistag beschlossene Nahverkehrsplan.

Alle Maßnahmen unter finanzierungsvorbehalt

Doch bevor das Maßnahmenpaket mit den jeweiligen Sachständen präsentiert wurde, stellte Ulas klar: „Alle Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt!“. Ob also z.B. eine Buslinie häufiger fährt oder ein neues Ruftaxi eingerichtet wird, hängt immer davon ab, ob die Finanzierung durch den oder die jeweils betroffenen Kostenträger gesichert wird. Je nach Verbindung ist entweder allein der Kreis, eine Kommune, Kreis und Kommune zusammen oder der Kreis Bergstraße und ein Nachbar-Aufgabenträger beteiligt. Mit Blick auf die Zukunft hängt die Umsetzung vieler Maßnahmen außerdem am Umfang der ÖPNV-Fördermittel des Landes Hessen, über die der Kreis einen Großteil seines laufenden ÖPNV-Betriebs finanziert. Denn die geplanten Angebotsausweitungen kosten einiges.

Allein die nicht zurückgestellten Maßnahmen des sogenannten „Vordringlichen Bedarfs“ – also den kurzfristig geplanten Maßnahmen – schlagen mit rund 350.000 Euro pro Jahr zusätzlich zu den heutigen Kosten zu buche. Fünf dieser Maßnahmen wurden schon umgesetzt. Dazu gehört z.B. die Anbindung aller Wald-Michelbacher Ortsteile (im Rahmen des Projekts „Michelbus“), die Erweiterung der Buslinie 675 Bensheim – Gronau in die Abendstunden oder die am 25. April in Betrieb gegangene Verlängerung der Linie MO2 bis Lautertal (wir haben berichtet).

Vorerst keine neue Buslinie von Lampertheim nach Heppenheim

Im Weschnitztal soll ab Sommer 2022 eine neue, täglich bediente Buslinie Mörlenbach, Zotzenbach, Rimbach und Fahrenbach erschließen sowie in Lörzenbach an die Linie 667 nach Heppenheim anbinden. Ab September soll außerdem die ÖPNV-Lücke zwischen Lorsch und Hüttenfeld mittels einer Rufbus-Verbindung geschlossen werden. Diese soll in Hüttenfeld einen Anschluss an die Buslinie 644 nach Viernheim herstellen. Die Umsetzung der im südlichen Ried langersehnten Direktverbindung von Lampertheim über Hüttenfeld nach Heppenheim musste erneut verschoben werden. Hier habe sich der VRN zusammen mit dem Kreis bis zuletzt leider erfolglos um eine kurzfristigere Umsetzung im Sinne der Fahrgäste bemüht. Als neuer Umsetzungstermin ist hier nun Dezember 2025 avisiert.

Von den mittel- bis langfristig priorisierten Maßnahmen, könnte ggf. schon ab kommendem Dezember die Verlängerung der Linie 667 zum Kreiskrankenhaus in Heppenheim umgesetzt werden. Derzeit endet die aus Grasellenbach und Fürth kommende Buslinie am Heppenheimer Bahnhof, wo es gelegentlich zu Verspätungen und Anschlussverlusten zwischen Bus und Bahn kommt. „Wir wollen uns daher die Fahrzeiten und Anschlüsse der Linie 667 nochmal genauer ansehen. Im Zuge dessen und der ebenfalls geplanten Optimierung der Heppenheimer Stadtbuslinien könnte die Durchbindung vielleicht schon früher realisiert werden, als ursprünglich geplant“, lässt Ulas auf die Änderungen blicken, die von den Betroffenen in der Runde erfreut zur Kenntnis genommen wurden.

Weitere mittelfristige Maßnahmen sind etwa Nachtfahrten in Wochenendnächten (u.a. auf den Linien 644, 646, 667, 669 und 684, vsl. ab 2024 bzw. 2025) und die Ausweitung der Buslinie 666 Fürth – Lindenfels – Seidenbuch – Gadernheim mit Weiterführung bis Brandau (ggf. ab Dezember 2026). Der Lückenschluss zwischen Affolterbach und Beerfelden (Odenwaldkreis) per Rufbus oder die Verlängerung der Mannheimer Buslinien aus Schönau und Sandhofen bis Lampertheim ist derzeit noch nicht mit einem Umsetzungstermin versehen.

Darüber hinaus arbeiten Kreis und VRN derzeit daran, Ruftaxis etwas nutzerfreundlicher – also Bestellung auch über App sowie einheitliche Rufnummer in allen Kommunen – zu machen und an der Ausstattung von Haltestellen mit Echtzeit-Informationen über Monitore. Bei letzterem und beim barrierefreien Haltestellenausbau seien die Kommunen die maßgeblichen Akteure, die das Umsetzungstempo bestimmen.

Noch Potenziale bei Freizeitverkehr und Michelbus vorhanden

„Insgesamt blicken wir hier auf ein Maßnahmenpaket, das die Bevölkerung im gesamten Kreis Bergstraße zu einem Umstieg auf den ÖPNV animieren kann. Zur Einläutung einer echten Verkehrswende muss aber wie so oft noch an wichtigen Details gearbeitet werden“, zieht Peter Castellanos für bergstraße.mobil ein überwiegend positives Zwischenfazit zur Eröffnung der Diskussionsrunde.

In dieser äußerten die Teilnehmenden konkrete Ideen und Vorschläge. Z.B. wie man mehr Freizeitverkehre in den ÖPNV bekommen und die örtliche Parksituation entlasten könnte. So wäre eine bisher nur rudimentär im Nahverkehrsplan berücksichtigte Ringlinie von Bensheim über das Fürstenlager und weiter über Balkhausen, Felsberg/Kuralpe, Beedenkirchen, Felsenmeer, Reichenbach und über die B47 zurück nach Bensheim denkbar. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Ausweitung der Fahrradmitnahme auf vorhandenen Buslinien mittels Hecklastträgern, wie sie z.B. bereits an Sommerwochenenden auf der Linie 665 von Bensheim nach Erbach zum Einsatz kommen. Die geplante Gästekarte für Übernachtungsgäste mit integrierter ÖPNV-Nutzung könnte eine zusätzliche Nachfrage für solche Angebote bringen.

Beim Michelbus sieht ein Teilnehmer „noch nicht ausgeschöpfte Potenziale des ansonsten attraktiven Konzeptes“. So wurde eine Ausweitung auf Teile der Gemeinde Grasellenbach, z.B. Ober-Scharbach/Hammelbach und Bedienung des Grasellenbacher Teils der Siedlung Tromm sowie eine Ausweitung der digital buchbaren Haltestellen angeregt. Ein weiteres Thema waren die seit Februar 2021 nach Worms durchgebundenen Fahrten der Linie 642, die – wie Ulas deutlich machte – noch nicht gut genug angenommen werden. Nach Auffassung einiger Teilnehmer überrasche das wenig; schließlich werde der Wormser Einkaufspark als wichtiges Ziel nicht bedient und der überflüssige Umweg über Hofheim – von dort fahren zwei Bahnlinien nach Worms – koste für Nordheimer und Wattenheimer viel Zeit, die die Verbindung nicht konkurrenzfähig zum Pkw mache. Als Schnellbus für Nordheim und Wattenheim könne diese Linie für neue Kunden dagegen interessant sein.

Der nur kurz angerissene Schienenpersonennahverkehr im Kreis Bergstraße und das Thema kundenorientierte Tarifstrukturen – hier insbesondere RMV-VRN-Übergangstarif – werden als Themenschwerpunkte für die kommenden Netzwerktreffen mitgenommen. „Wir werden hier erneut den Kontakt zum VRN suchen, um den konstruktiven Dialog fortzusetzen“, gibt Castellanos abschließend für bergstraße.mobil bekannt.

Die Präsentation zum Vortrag von Herrn Ulas ist unter www.bergstrassemobil.de/nwt abrufbar. zg

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Geschrieben in Kreis Bergstraße

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