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10.30 Uhr | 21. Oktober 2021

Quo vadis, Mariä Verkündigung?

RUNDER TISCH: Was passiert mit dem Areal der Kirchengemeinde? / Lösungssuche steht noch ganz am Anfang

Das sichtlich in die Jahre gekommene Jugendheim und das ehemalige Pfarrhaus könnten dem Neubau eines Alten- und Pflegeheimes weichen. Foto: Nadine Schütz

LAMPERTHEIM – Die Gerüchteküche brodelt und um zwei Dinge vorweg zu nehmen: Nein, das Gebäude des Alten- und Pflegeheimes Mariä Verkündigung wird nicht abgerissen. Und ja, das Kirchendach wird saniert werden. Was aber passiert mit dem Rest?

„Wir möchten die Sache be-frieden – Frieden darauf legen“, so Pfarrer Christian Rauch, der daher zusammen mit dem Pfarrgemeinderatsvorstand zu einem Runden Tisch am Dienstagabend in das Jugendheim Mariä Verkündigung geladen hatte. Eingeladen waren die Vertreter der Gruppen, die das Jugendheim nutzen sowie die Anwohner. Doch entgegen aller Gewohnheiten bei solchen Terminen, wurden die Teilnehmer nicht mit harten Fakten versorgt, sondern waren eingeladen, sich bei der Ideenfindung und Lösungssuche zu beteiligen. „Jetzt ist alles noch beweglich, Zielvorgaben und Eckpunkte sind ausgestaltbar“, erläuterte hierzu Andrea Krüger, bestellte Vermögensverwalterin im Ehrenamt.

Rauch kündigte an, dass die Interkation mit den Betroffenen auch in Zukunft gefördert werde: „Wir möchten, dieses große Projekt in Transparenz begleiten, damit möglichst viele mitgenommen werden, auf einen gemeinsamen Weg.“ Auch die Gemeinderatssitzungen seien öffentlich.

Der Aufbruch ist notwendig. Das Gebäude des Alten- und Pflegeheims, dessen Eigentümerin die Caritas ist, ist aufgrund der hohen Brandschutzanforderungen nicht mehr als solches nutzbar. Die Substanz ist aber gut erhalten, sodass das Gebäude bestehen bleiben wird. In welcher Form die Nutzung erfolgt, dazu werden jetzt Ideen und Vorschläge gesammelt. Die Einrichtung der Caritas Beratungsstelle soll in diesem barrierefreien Gebäude etabliert werden, betreutes Wohnen ist im Gespräch und auch die Nutzung durch die Gemeinde für den Firmunterricht, für Kaffeetafeln und zur Begegnung ist denkbar. Rauch schwärmte von der Aussicht im obersten Stockwerk: „Ich schiele auf eine Nutzung des obersten Stockwerkes als Coctailbar und Lounge.“

Pfarrer Christian Rauch (4. v. l.) erläuterte den aktuellen Stand um das Areal Mariä Verkündigung. Alles ist noch offen – Ideen werden gesucht. Foto: Nadine Schütz

Da die Caritas den Betrieb des Alten- und Pflegeheims aber fortführen und modernisieren möchte, steht zur Debatte, einen dreistöckigen Neubau zu errichten und dafür sowohl das Jugendheim als auch das alte Pfarrhaus aufzugeben. Finanziell gesehen eine annehmbare Lösung, da sich diese beiden Immobilien nicht selbst tragen. „Mariä Verkündigung hat keine Schulden,“ so Krüger, „aber auch keinen Puffer.“ Also kann eine Sanierung und Instandhaltung dieser Gebäude ausgeschlossen werden.

Ebenso schlecht steht es um die bauliche Substanz der auf dem Grundstück bestehenden Kindertagesstätte. Eine Veränderung wäre auch hier denkbar, zumal sich die Zeiten gewandelt und die Anforderungen an die Kinderbetreuung verändert haben. Hierzu möchte man Gespräche mit der Stadtverwaltung vertiefen und hegt den Wunsch nach einer Erweiterung auf fünf Gruppen und die U3-Betreuung.

Das Wohngebäude in der Jakobstraße 55 (rückseitig zum Jugendheim) befindet sich wiederum in gutem Zustand und trägt sich durch die Mieteinnahmen selbst.

Bleibt noch das große Thema des Kirchengebäudes. Dessen Dach ist nun seit fast einem Jahr akut einsturzgefährdet, der Zugang gesperrt. Die gute Nachricht: Die Generalsanierung ist in Auftrag gegeben. Das Bistum Mainz wird für die Kosten in Höhe von rund 40.000 Euro in Vorlage treten. Ein zweiter Schritt der Gemeinde vor Ort wird sein, Geld zu generieren, um es zurückzahlen zu können.

Wie geht es weiter, wenn das Gebäude wieder instand gesetzt ist? Das Bistum erklärte, dass dies in der Breite der Gemeinde entschieden werden solle. „Es ist keine schöne Perspektive,“ so Rauch, „aber alle Hauptamtlichen in der Gemeinde sprechen sich für eine Niederlegung der Kirche als sakralem Ort aus.“ Man werde sich in Lampertheim keine zwei Kirchen mehr leisten können. Das Gebäude jedoch soll erhalten bleiben. „Eine Kirche soll auch dienen. Wenn eine Kirche nicht dient, dient sie zu nichts“, waren Rauchs Worte im Gespräch über die weitere Nutzung, zum Beispiel als Konzertkirche oder als Raum für die Gemeindegruppen. Auch hier sind Ideen herzlich Willkommen.

Ein schier unlösbares Problem stellt die Umstrukturierung – gerade aber deren Prozess – für die Gemeindegruppen dar. Wohin mit dem Bastelmaterial und dem Geschirr der Frauengemeinschaft? Mit den Noten des Chores Ephata? Dem Equipment der Band Kristall und des Kirchenmusikvereins? Und vor allem: Wohin mit den Leuten? Wo wird sich getroffen, gebastelt, geprobt und unterrichtet? „Wir haben Unterrichts-Verträge zu erfüllen,“ gibt Birgit Steube, Vorsitzende des Kirchenmusikvereins, zu bedenken.

Jetzt werden kreative Lösungen gebraucht. Pfarrer Rauch brachte es mit einem ausdrucksstarken Bild auf den Punkt: „Wir müssen uns auf eine Wanderung begeben. Auf die Suche nach einem neuen Zuhause.“ Was wäre da sinnvoller, als sich im gesamten Umfeld auf die Suche nach Lösungen zu machen? „Man denkt in alle Richtungen“, so Krüger. „Wir wünschen uns das Bunte und Vielfältige. Das ist Mariä Verkündigung!“ Nadine Schütz

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