Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » Probleme nicht groß werden lassen – frühzeitig Beratung suchen
06.12 Uhr | 14. Juli 2022
BERATUNGSSTELLE: Erziehungsberatung und Ehe-, Familien- und Lebensberatung kostenlos

Probleme nicht groß werden lassen – frühzeitig Beratung suchen

Sie nahmen zum Jahresbericht 2021 Stellung (von links): EB-Fachkraft Ursula Laumann-Jeschonneck, Jugendamtsleiter Kai Kuhnert, Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz, Leiter der Beratungsstelle Frank Occhionero und EFL-Fachkraft Jochen Schanz. Foto: Hannelore Nowacki

LAMPERTHEIM – Auch die Beratungsstelle in der Blücherstraße 26 in Lampertheim sah sich in der Zeit der Coronapandemie mit Lockdown und Kontaktbeschränkungen vor neue Herausforderungen gestellt. Flexible Angebote wie die Videoberatung wurden entwickelt, um die Ratsuchenden trotz aller Beschränkungen unterstützen zu können, auch in Kombination mit telefonischer Beratung und persönlicher Begegnung sofern möglich. Das hat sogar sehr gut geklappt, wie der Leiter der Beratungsstelle Frank Occhionero bei der Vorstellung des Jahresberichts 2021 der Presse mitteilte, ganz neue Perspektiven haben sich fast unerwartet eröffnet. „Wir haben viel dazu gelernt und können dieses kombinierte Angebot auch ergänzend ohne Pandemielage nutzen“. Als vorteilhaft habe sich gezeigt, dass manche Beratungen im Videoformat strukturierter ablaufen und entfernt wohnende getrennte Elternteile einbezogen werden können. Die Beratungsstelle für Menschen aus Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim mit der Außenstelle in Viernheim sei mit ihrem Angebot breit aufgestellt, die Teilnahme immer auf freiwilliger Basis. Wichtig zu wissen: Vertraulichkeit und Schweigepflicht sind gewährleistet. Und weil sich im Haus auch eine Arztpraxis befindet, sei nicht erkennbar, wer wohin gehe, meinte der Leiter der Beratungsstelle mit Blick auf eventuelle Befürchtungen gesehen zu werden. Als Schwerpunkte im Pandemiejahr 2021 nannte Occhionero die hohen Belastungen der Familien und die vermehrt sozial-emotional auffälligen Kinder. Auch die häusliche Gewalt hatte zugenommen, weshalb die Berater sich in diesem Bereich weiterqualifizierten. Mehr Beratungen als im Vorjahr habe es gegeben, auch zukünftig gehen die Berater von erhöhten Belastungen der Ratsuchenden aus. Die Beratungsstelle ist eine Kooperation des Kreises Bergstraße mit dem Diakonischen Werk Bergstraße: Der Kreis ist für die Beratung von Eltern, Kindern und Jugendlichen zuständig, die Diakonie für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Gebührenfrei ist sowohl die Erziehungsberatung als auch die aus Kirchenmitteln finanzierte Ehe- und Lebensberatung, der jedoch Spenden willkommen sind. 

In beiden Bereichen fanden die Erstgespräche fast immer innerhalb eines Monats nach Kontaktaufnahme statt. Neun Beraterinnen und Berater,  eine Teamassistentin im Sekretariat und eine Honorar-Mitarbeiterin sind in der Beratungsstelle tätig. Ihnen sprach die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz ihren besonderen Dank für die erbrachte Leistung aus. Kinder und Jugendliche möchte sie ermutigen, Probleme frühzeitig anzugehen, je früher, desto besser. Wer sich nicht sicher sei, könne einfach bei der Beratungsstelle nachfragen, ob man hier richtig sei. Probleme seien etwas ganz Normales, die sich oft schon nach einem Gespräch in der Beratungsstelle lösten, wie manche Eltern feststellten, die in Erziehungsfragen Rat suchten. Präventiv könne viel erreicht werden, bevor verfahrene Familienstrukturen entstehen, betonte Stolz. Jugendamtsleiter Kai Kuhnert wies darauf hin, dass nach Bedarf auch an andere Stellen weitervermittelt werde. Jochen Schanz, Fachkraft für Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL), ergänzte, dass sich nicht selten aus einer Erziehungsberatung eine Paarberatung entwickle. Ursula Laumann-Jeschonneck, Fachkraft für Erziehungsberatung (EB), berichtete aus ihrer Beratungserfahrung im Coronajahr 2021, dass Eltern oft im Umgang mit ihren Kindern im Teenageralter verunsichert seien, ob sie zum Beispiel pünktliches Aufstehen verlangen können, um zur Schule zu gehen, denn es gebe Kinder und Jugendliche, die den Wechsel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht nicht verkraftet haben. Ja, Eltern dürfen konsequent sein, sagt die Fachfrau und weiß: „Eine besorgte Mutter ist eine gute Mutter“. Kinder haben auf die Beschränkungen in der Coronazeit häufig mit vermehrten Ängsten reagiert, berichtet die EB-Fachkraft, vieles habe sich geändert, der Druck auf die Familien sei groß auch durch wirtschaftliche Probleme, schwierig sei, wenn die Oma bei der Kinderbetreuung ausfalle und zu Beginn der Coronazeit geborene Kinder hätten keine Krabbelgruppe kennengelernt. In die Erziehungsberatung kamen 645 Ratsuchende (Vorjahr 580), in 61 Prozent der Fälle waren die Beratungen nach sechs Monaten beendet. In 29 Kitas und in zwei Gymnasien (Lessing-Gymnasium Lampertheim und Alexander-von-Humboldt-Schule in Viernheim) werden die Fachkräfte beraten. In der Ehe-, Familien- und Lebensberatung fanden 58 Ehe- und Paarberatungen (Vorjahr 48), 36 Lebensberatungen (27) und 8 Familienberatungen (4) statt. Häufig reichten vier Gespräche (74 Prozent), manchmal waren bis zu zehn Gespräche (23 Prozent) notwendig. In der Erziehungsberatung sei die Zahl der tatsächlich kontaktierten Personen im Schnitt zwei bis drei Mal so hoch, da Familienmitglieder eingebunden sind. Anmeldungen in der Beratungsstelle oder telefonisch (06206/91 04 11) während der Öffnungszeiten des Sekretariats montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr sowie freitags  von 9 bis 12 Uhr. Hannelore Nowacki

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen