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08.44 Uhr | 22. Juni 2022
TAFEL BÜRSTADT: Vielfältige Herausforderungen durch steigende Kosten und starken Kundenandrang / Bürgermeister rufen zu Unterstützung auf

Paten zur Sicherung der Tafelarbeit gesucht


BUZ 1: Tafelkoordinatorin Ute Weber-Schäfer erläutert Bürstadts Bürgermeisterin Barbara Schader und Groß-Rohrheims Bürgermeister Rainer Bersch die aktuelle Situation der Tafel Bürstadt. Foto: Benjamin Kloos

BÜRSTADT – Es ist ein Hilfeaufruf einer Einrichtung, die dringend benötigt wird und die doch gleichzeitig eigentlich überhaupt nicht existieren dürfte: Denn die Tafel Bürstadt versorgt Menschen, die Unterstützung dringend nötig haben, mit Lebensmitteln, die von Supermärkten, Bäckereien und anderen Lebensmittelgeschäften gerettet werden – eine Aufgabe, die es einem Sozialstaat so nicht geben sollte. Dabei sieht sich die Tafel Bürstadt angesichts der aktuellen Situation vor riesige Herausforderung gestellt, welche die Existenz der Einrichtung Im Bildstock 79 bedrohen. Bürstadts Bürgermeisterin Barbara Schader, der Bürgermeister von Biblis Volker Scheib sowie der Bürgermeister von Groß-Rohrheim, Rainer Bersch, rufen zur Solidarität mit der Tafel auf.

Die Tafel Bürstadt versorgt aktuell 665 Haushalte mit 1.850 Personen aus Bürstadt, Biblis, Groß-Rohrheim und Hofheim – mit steigender Tendenz. Denn statt eines Rückgangs an Kundinnen und Kunden ist das Gegenteil der Fall: In den letzten Wochen haben die Tafelausgabestellen einen starken Zulauf bekommen, denn die gestiegenen Lebenshaltungskosten machen vielen Menschen mit geringen Einkommen das Leben sehr schwer: die Benzinpreise schießen durch die Decke, die Energiekosten steigen merklich. „In vielen Haushalten schmilzt das bisschen an Rücklagen spätestens dann dahin, wenn die Strom- und Gasrechnungen bezahlt werden müssen“, erklärt Dr. Ute Weber-Schäfer, Tafelkoordinatorin beim Diakonischen Werk Bergstraße. Erschreckend ist hierbei: Viele Kunden sind Kinder, aus Bürstadt sind es 110 der insgesamt 252 Personen, welche die Tafel in Anspruch nehmen (müssen), in Biblis 54 der insgesamt 105 Personen. Hinzu kommen 30 Haushalte mit 84 Personen aus der Ukraine.

Auf das Tafelteam waren vielfältige Herausforderungen. Neben der spürbar deutlichen Nachfrage durch Menschen, die in finanzielle Bedrängnis geraten sind und noch kommen und die zu ersten Konsequenzen führt, macht auch die Inflation mit ihren Nebenwirkungen Sorgen. 

Aufgrund der steigenden Nachfrage hat sich das Team schweren Herzens dazu entschlossen, die Ausgabe von bisher einmal wöchentlich auf nun einmal alle zwei Wochen umzustellen. Auch wenn dies ein Einschnitt für jeden Einzelnen ist – denn das Team ist nicht nur Ausgabe, sonder auch Kontakt und Unterstützung –, bedeutet dies gleichzeitig, insgesamt mehr Menschen versorgen zu können. Zumindest mit dem, was vorhanden ist, denn auch an Lebensmittelspenden ist der Bedarf durch den Zuwachs des Kundenstammes gestiegen – hier werden ebenfalls mehr Lebensmittel benötigt. „Wir retten Lebensmittel, die sonst im Müll landen, für bedürftige Menschen. Aber wir bitten bewusst nicht direkt um Lebensmittelspenden. Natürlich sind wir froh und dankbar, wenn Schulen als Unterrichtsprojekt Lebensmittel sammeln und uns zur Verfügung stellen oder wenn jemand beispielsweise Tomaten angepflanzt und zu viel hat. Über weitere Spenden von Lebensmittelhändlern sind wir jedoch sehr froh”, betonte Ute Weber-Schäfer. Denn das Angebot in der Tafel wird nicht im Großhandel eingekauft oder  angeliefert, der Laden ist zwar gut sortiert, aber die frischen Produkte in den Kühlregalen, das Obst und Gemüse, sind Spenden von Supermärkten und Bäckereien. Im eigenen, aus Spendengeldern beschafften Tafel-Transporter, ein Kühlwagen, holen die ehrenamtlichen Fahrer die Waren dort ab und bringen sie zur Tafel. 

Paten gesucht

Daneben werden auch Geldspenden dringend benötigt, denn nicht nur für die Tafelkundinnen und –kunden, auch für die Tafeln selber schießen die Energie- und Benzinpreise durch die Decke. „Die Abholung der Lebensmittel mit dem Kühlauto ist zu einem Kostentreiber geworden, der uns Sorgen bereitet“, erklärt Ute Weber-Schäfer. Ebenso werden auch wir in diesem Jahr deutlich höhere Energiekosten stemmen müssen, ergänzt sie.  Die letzten beiden Jahre haben die Kassen der Tafeln ohnehin sehr belastet, da viele Spenden aufgrund fehlender Feste und Feierlichkeiten wegen der Corona-Pandemie ausfielen sowie aufgrund anderer Ereignisse wie der Flutkatastrophe an der Ahr ausblieben. „Umso erfreulicher ist es, dass wir vier Mietpaten gefunden haben, welche die Mietkosten für uns übernehmen, darunter die Stadt Bürstadt.” Dieses Konzept soll nun ausgebaut werden, denn: Die jährliche Finanzierung der Tafel basiert unter anderem auf einem hohen Anteil der Spenden, der jedoch nicht regelmäßig ist. Um hier die nötige Regelmäßigkeit und damit auch die finanzielle Sicherheit des Angebots zu gewährleisten, werden auch in anderen Bereichen Paten gesucht. Die Kommunen gehen neben der Miete auch hier mit gutem Beispiel voran. So hat sich der Bibliser Bürgermeister Scheib bereit erklärt, dass die Gemeinde die Patenschaft für eine Biomülltonne übernimmt. Die Abfallkosten sind sehr hoch, da immer wieder viele Lebensmittel nicht mehr für die Ausgabe geeignet und entsorgt werden müssen, der ZAKB sieht aber keine Möglichkeit zum Entgegenkommen bei den Abfallgebühren. „Wir können leider nicht alles retten”, so Ute Weber-Schäfer. Daher könnten in diesem Bereich weitere Paten ein Tätgikeitsfeld finden, ebenso wie bei den Tankgutscheinen. Hier zeigen die Gespräche, welche das Tafelteam mit ortsansässigen Unternehmen führen will und bereits führt erste Erfolge: GS Wärmesysteme stellt dauerhaft monatlich 200 Euro für das Tanken zur Verfügung. „Jede Kleinigkeit hilft, um Kosten zu senken, etwa 10 Euro, die regelmäßig überwiesen werden oder natürlich höhere Beträge”, so Bürgermeisterin Barbara Schader. „Es ist eine extreme Situation, die wir haben. Auch die Tafel benötigt Unterstützung, gerade im Bereich der Energie. Wir werben um Unterstützung und Verständnis und müssen uns alle gemeinsam den Herausforderungen stellen. Denn wir sind eine Solidargemeinschaft, in der Nächstenliebe praktiziert wird. Die Tafel ist eine notwendige Einrichtung, aber es ist schlimm, dass es diese geben muss.”

Hilferuf: Die Tafel Bürstadt benötigt dringend Unterstützung und ruft zu einem Patenprojekt auf. Ebenso sind Helfer und Lebensmittelspenden dringend nötig, damit die Tüten der Tafelkunden nicht leer bleiben. Foto: Stefanie Eichler

Groß-Rohrheims Bürgermeister Rainer Bersch sicherte ebenfalls Unterstützung zu – so wolle er mit den anderen Bürgermeistern das Gespräch mit den Energieversorgern suchen, um hier eine mögliche Einsparung an Kosten zu erreichen. 

Teil des Teams werden

Doch nicht nur Lebensmittel- und Geldspenden sind für die Aufrechterhaltung der Tafelarbeit notwendig – nichts ginge ohne ein engagiertes Team. Dieses freut sich über weitere Mitstreiterinnen und -streiter, sowohl dienstags und freitags entweder vormittags beim Sortieren oder nachmittags bei der Ausgabe als auch bei den Fahrerteams. Hier sind auch Einsätze in den Abendstunden möglich. Generell gilt, dass  besonders Springer, die kurzfristig einsetzbar sind, gesucht werden, aber auch alle anderen, die sich für bedürftige Mitmenschen einsetzen möchten, herzlich willkommen sind – damit es den „kleinen Supermarkt der christlichen Nächstenliebe”, wie Ute Weber-Schäfer die Tafel nennt, auch hoffentlich in zehn Jahren noch geben kann.

Wer sich persönlich engagieren oder die Tafel mit einer Spende oder Patenschaft unterstützen möchte, kann sich mit der Tafel Bürstadt, An Bildstock 79, gerne in Verbindung setzen – entweder telefonisch unter 06206/95 13 36 4 oder per E-Mail an tafel.buerstadt@dw-b.de – idealerweise zu den Öffnungszeiten dienstags und freitags von 14 bis 16.30 Uhr. Kontakt für Händler, Geschäfte oder Sachspenden ist bei Uwe Hartmann unter 0175 – 803154 möglich. Benjamin Kloos

Spendenaufruf 

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Tafelausgabestellen des Diakonischen Werkes Bergstraße dabei, in dieser schwierigen Zeit möglichst vielen Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen sind, zu helfen: Spendenkonto: Diakonisches Werk Bergstraße, IBAN   DE75 5095 0068 0001 0900 42, BIC   HELADEF1BEN, Stichwort: Tafeln 

 

 

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