Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » „Namenssteine“ als Zeichen der Gefahren des Antisemitismus
08.44 Uhr | 13. Oktober 2021

„Namenssteine“ als Zeichen der Gefahren des Antisemitismus

VERWEHTE SPUREN: Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus vom 26. Oktober bis 9. November

In den Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus rücken in Lampertheim besonders auch die Stolpersteine als Zeichen gegen das Vergessen und die Gefahren des Antisemitismus in den Vordergrund. Archivfoto: Benjamin Kloos

LAMPERTHEIM – „Verwehte Spuren – Jüdisches Leben in Lampertheim” lautet der Titel einer besonderen Veranstaltungsreihe in Lampertheim: Im Rahmen der Bildungs- und Aktionswoche zum Thema Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne Frank Zentrums beteiligt sich Lampertheim vom 26. Oktober bis 9. November erstmals so konzentriert an dieser Reihe. In einem Pressegespräch erläuterten der Erste Stadtrat Marius Schmidt und Silke Reis von der Stadtverwaltung die einzelnen Programmpunkte sowie die Hintergründe.

In Lampertheim bestand die jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts zurück, erstmals wurden im Jahr 1615 Juden in der Stadt erwähnt. An Einrichtungen waren neben der Synagoge auch ein rituelles Bad und eine Religionsschule vorhanden. Seit 2007 werden in Lampertheim Stolpersteine an Erinnerung an die jüdischen – aber auch christlichen Opfer wie Pater Delp – des Nationalsozialismus verlegt. Darüber hinaus wird seit langem der Opfer der Reichspogromnacht gedacht. Nun sollen Schüler, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen mithilfe der anstehenden Veranstaltungen für das Thema sensibilisiert werden.

Der Erste Stadtrat Marius Schmidt betonte mit Blick auf die anstehenden Bildungs- und Aktionswochen: „Das Thema Antisemitismus hat leider erschreckende Aktualität. Auch in Deutschland  mussten wir zuletzt erfahren, wie aktutell das Thema ist, als beispielsweise Gil Ofarim in einem Hotel in Leipzig seinen Davidstern ablegen musste. Dies widerspricht dem Prinzip der Religionsfreiheit.” Gerade in Deutschland habe solches Verhalten bereits einmal zu einer Katastrophe und dem Mord an sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens in Europa geführt. „Wehret den Anfängen”, appelliert Marius Schmidt. „Die Stadtverwaltung Lampertheim hat seit Jahren eine klare Haltung, die in der Gedenkstunde zur Reichspogromnacht und der Verlegung der Stolpersteine Ausdruck findet.”

Vorträge und Führungen

Den Auftakt der Reihe bildet am 26, Oktober um 18 Uhr ein Vortrag mit dem Thema „Die Geschichte des KZ in Osthofen und Lampertheimer Häftlinge” im Sitzungssaal des Alten Rathauses. Fabian Mayer, Mitarbeiter der Gedenkstätte in Osthofen, stellt die allgemeine Arbeit der Gedenkstätte vor und widmet sich in seinem Vortrag den jüdischen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und im bereits 1933 eingerichteten KZ Osthofen eingewiesen wurden, Der Eintritt ist frei, bei allen Veranstaltungen gilt die 3G-Regel.

„Eine Führung über den Lampertheimer Judenfriedhof” steht am 29. Oktober um 17 Uhr auf dem Programm. Auf dem Weg zum Jüdischen Friedhof, dessen Geschichte im Mittelpunkt stehen wird, erhalten die Teilnehmer auch Informationen zum Stadtpark und dem alten Friedhof. Referent ist Stadtarchivar Hubert Simon, Treffpunkt bei kostenloser Teilnahme ist am Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges an der Martin-Kärcher-Straße. 

Donja Banai, Bildungsreferentin der Bildungsstätte Anne Frank Zentrum, wird am 3. November um 18 Uhr im Rahmen eines Zoom-Meetings über „Antisemitismus heute – Definition, Erscheinungsform und Handlungsmöglichkeiten” sprechen. 

Die Stolpersteine stehen am 6. November besonders im Fokus: „Entlang der Stolpersteine – ein Spaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens in Lampertheim” führt vom Standort der ehemaligen Synagoge entlang der bisher in Lampertheim verlegten Stolpersteine zum noch bestehenden jüdischen Friedhof.  Beginn ist um 15 Uhr am Standort der ehemaligen Synagoge an der Rückseite des Parkhauses zwischen Römer- und Wilhelmstraße, Referent ist Andreas Größler.

Besondere Ausstellung

Ein Höhepunkt der Veranstaltungsreihe gegen Antisemitismus ist die Ausstellung „Namenssteine – Die Stolpersteine in Lampertheim”, die ab dem 6. November im Schillercafé zu sehen sein wird. Sie gibt einen Überblick, an welche Menschen bisher mit Stolpersteinen in Lampertheim erinnert wird und gibt einen Einblick in das Leben dieser Menschen. „Hier wird klar, dass Antisemitismus kein abstraktes Konstrukt ist, sondern damals wie heute Menschen betrifft, die Nachbarn und Freunde sind, Menschen, die man mag. Die absolut klare Mehrheit in Deutschland steht gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Gewalt, Hass und Hetzte. Wir wollen mit der Ausstellung und unseren Vorträgen zeigen, wo Antisemitismus beginnt und wie man ihm begegnen kann”, betonte Marius Schmidt.

Genau dies wird auch beim Abschluss der Veranstaltungsreihe am 9. November um 18 Uhr deutlich, wenn am Standort der ehemaligen Synagoge an der Rückseite des Parkhauses zwischen Römer- und Wilhelmstraße der Opfer der Reichspogromnacht gedacht wird – die gesamte Bevölkerung ist hierzu eingeladen.

Auch die Schulen stehen im Kampf gegen den Antisemitismus weiter im Fokus: Das LGL, welches seit Jahren die Gedenkstunde anlässlich der Reichspogromnacht inhaltlich begleitet, wird mit zwei Kursen die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Osthofen besuchen und an einer Führung zum Thema „Wie konnte das geschehen?“ teilnehmen. Zudem wird Rita Althausen, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, einen Vortag in der Schule halten. Benjamin Kloos

Beitrag teilen Facebook Twitter

Schreiben Sie einen Kommentar

1 + 8 =
7 + 1 =
3 + 8 =