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08.46 Uhr | 19. Oktober 2019

Kalle & Mônners: Reformationstag

Hochdeutsche Version der Kolumne in der KW 42

Kalle: Guten Tag Manfred, alles klar bei dir?

Manfred: Guten Tag dir, Kalle, danke – ein klein wenig besser, und ich müsste schreien…

Kalle: Aber du bist doch gerade zurück aus dem Urlaub – da müsste es dir doch besser gehen?

Manfred: Schon, das war auch klasse – bloss bin ich grad so in Gedanken wegen des Reformationstages nächste Woche!

Kalle: Das musst du mir näher erklären.

Manfred: Nun, als ich auf dem Schiff war, traf ich viele andere Leute, die einen ganz anderen Dialekt gesprochen haben als meine Frau und ich. Und da dachte ich mir, dass es schon ein großer Zufall war, dass der Luther in Eisleben zur Welt kam.

Kalle: Was hat das denn mit uns zu tun?

Manfred: Nun, viele der anderen Gäste meinten, dass sie Hochdeutsch sprächen, und dass das besser sei als unser Lampertheimerisch. Das hat mich ein wenig geärgert.

Kalle: Und?

Manfred: Schau, in der ganzen Welt wird am 31. Oktober der Reformationstag gefeiert. An dem Tag im Jahr des Herrn 1517 nagelte Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Und dann bekam er Ärger deswegen und verschwand auf die Wartburg und – das musst du dir mal vorstellen, in grad mal zwölf Wochen! – übersetzte das Neue Testament der Bibel, vom Griechischen und Lateinischen und Hebräischen ins Deutsche. Dann brauchte er nochmal zwölf Jahre, um das Alte Testament zu übersetzen. 1534 war es dann fertig.

Kalle: Aber jetzt weiß ich immer noch nicht, warum das für den Lampertheimer Dialekt eine Bedeutung haben soll? Oder willst du nur mit deinem Wissen angeben?

Manfred: Mensch, dass die jungen Hüpfer wie du immer so ungeduldig sind.

Also¨der Luther sprach kein Hochdeutsch. Das gab es damals noch gar nicht. Jeder sprach so wie die anderen in seiner Gegend. Und da dachte ich mir eben, was die Leute sagen würden, wenn der Luther ein Lampertheimer gewesen wäre, und seine Thesen an die Tür der Vorgängerin der Andreaskirche genagelt hätte – die jetzige Kirche ist nämlich von 1770/71

Kalle: Ab heute nenne ich dich nur noch den Wikipedia von Lampertheim. Und weiter?

Manfred: Wäre der Martin ein Lampertheimer gewesen, hätte er auch abhauen müssen, vielleicht in die Burg Stein am Rhein bei Hofheim. Und er hätte die Bibel auch übersetzt, aber eben in seinem Lampertheimer Dialekt, und später hätten die ganzen Leute unsere Sprache übernommen und die Kinder in der Schule hätten lesen und schreiben gelernt auf Lampertheimerisch gelernt und die ganze Republik spräche jetzt Lampertheimerisch.

Kalle: Ich werf mich weg. Das ist ja ein Grund mehr, das Lampertheimer Wörterbuch von Manfred Rupp neu aufzulegen, wie wir es vorhaben!

Manfred: Sag ich ja.

Kalle: Mensch, trotzdem haben wir Glück gehabt.

Manfred: Wie meinst du das?

Kalle: Nun, stell dir mal vor, der Luther wäre in der Schönau auf die Welt gekommen?

Manfred: Nein, dass kann ich mir nicht vorstellen. Schrecklich.

Kalle: Siehst du, alles hat sein Gutes. Also dann, ich muss weiter. Einen schönen tag noch, Wicki! Gut, dass wir uns gesehen haben!

Manfred: Gleichfalls, und gut dass wir miteinander geredet haben! Und bestell einen herzliche Gruß an die Lampertheimer Pfarrerinnen und Pfarrer – vielleicht gibt’s mal wieder einen Gottesdienst auf Platt (grinst).

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Geschrieben in Kalle und Monners

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