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08.57 Uhr | 10. Juni 2021

„Jeder soll am gesellschaftlichen Leben teilhaben“

AKTIONSPLAN INKLUSION: Aufruf an die Bevölkerung zur Mitarbeit in Arbeitsgruppen / Trampolin für Rollstuhlfahrer im Stadtpark

Petra Brandt im Schwebezustand auf dem neuen Rollstuhltrampolin, der auch ohne Rollstuhl Spaß macht. Am Treffen im Stadtpark zum Aktionsplan Inklusion nahmen Erster Stadtrat Marius Schmidt (von links), Günther Baus, Jochen Halbauer (im Rollstuhl) und Andreas Dexler (nicht im Bild) teil. Foto: Hannelore Nowacki

LAMPERTHEIM – Im Stadtpark können sich jetzt auch Rollstuhlfahrer auf dem Trampolin vergnügen – eine neue Errungenschaft im Sinne der inklusiven Stadtgesellschaft und der UN-Behindertenrechtskonvention.  Trampolinspringen macht Spaß, man fühlt sich leicht und kann für Sekunden in der Luft schweben, die Umwelt erscheint in wechselnden Perspektiven. Rollstuhlfahrer genießen dieses schwungvolle Gefühl ebenso, weiß die noch amtierende Vorsitzende des Lampertheimer Behindertenbeirats Petra Brandt aus Erfahrung – sie hat schon einen Bekannten im Rollstuhl dorthin begleitet. Und weil dieses Rollstuhltrampolin sich kaum von anderen Trampolinen im Park unterscheidet, kann es jeder nutzen wie das kleine Mädchen, das schnell mal drüber hüpfte. Auch Petra Brandt federte in die Höhe, anfangs noch gemeinsam mit Marius Schmidt. Aus dem gleichen Fördertopf wird im Herbst ein  Rollstuhlkarussell im Stadtpark seinen Platz finden. Bei schönstem Sommerwetter war das neue Rollstuhltrampolin am Dienstagnachmittag Treffpunkt für einen Pressetermin mit dem Ersten Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt, Andreas Dexler von der Stabsstelle Soziales bei der Stadtverwaltung, Petra Brandt und Jochen Halbauer vom Behindertenbeirat sowie Günther Baus, Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe, um den aktuellen Stand des „Aktionsplans Inklusion“ für die Stadt Lampertheim vorzustellen. Mit der digitalen Armuts- und Sozialkonferenz am 11. März als Auftaktveranstaltung nahm der Aktionsplan Inklusion Fahrt auf. Die Teilnehmer aus Organisationen und Bereichen des sozialen und politischen Lebens einigten sich auf fünf Handlungsfelder, an denen ab 25. September je nach persönlichem Interesse in Arbeitsgruppen am Ziel einer Stadt für alle gearbeitet wird. Die Arbeitsgruppen können bis dahin schon Sprecher ernennen, erste Fragestellungen bearbeiten und Arbeitsergebnisse präsentieren. Erster Stadtrat Schmidt ruft die Bevölkerung zum Mitmachen auf, um das Projekt auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Wissenschaftlich begleitet werde das Projekt von Professor Albrecht Rohrmann von der Universität Siegen, der auch der Steuerungsgruppe angehört, teilte Schmidt mit. Ab sofort bis zum 21. Juni kann man sich bei Andreas Dexler melden. Die fünf Handlungsfelder sind Arbeit und Beschäftigung; Bildung und lebenslanges Lernen, Wohnen, Mobilität und Barrierefreiheit; Sport, Kultur und Freizeit. Das Projekt Aktionsplan Inklusion geht auf eine Initiative von Behindertenbeirat und Andreas Dexler zurück. Schmidt erinnerte daran, dass Günther Baus bereits 2017 einen Versuch in dieser Richtung unternommen hatte, dieser Ball werde jetzt wieder aufgenommen. Baus erklärte, dass die Kita Schwalbennest damals noch ein „integrativer“ Kindergarten war, mittlerweile sei die Kita Schwalbennest nach dem weitergefassten Konzept ein „inklusiver“ Kindergarten und die Mitarbeiter entsprechend geschult. Integrativ sei eher nach innen gerichtet, inklusiv mit Außenwirkung. Auf die Zusammenarbeit freue er sich. Brandt wies darauf hin, dass  Inklusion heißt „ganz normal aktiv am Alltagsleben teilhaben zu wollen, zu können und zu müssen“. Ohne schief angesehen zu werden. „Ja, wir können alles “, sagt sie entschlossen, „wir sind nicht auf den Kopf gefallen“. Nur können die einen zum Beispiel nicht hören, die anderen nicht gehen. „Inklusion hat für alle Menschen einen Vorteil“, betonte Dexler. Und Halbauer findet: „Jeder soll am gesellschaftlichen Leben teilhaben“. Dass viele Menschen sich erst noch daran gewöhnen müssen scheint klar zu sein, Baus sieht das Potenzial der Sensibilisierung. In der inklusiven Stadtgesellschaft lässt es sich für alle einfacher leben, das legen auch die ausgewählten Handlungsfelder nahe, bei denen die Bevölkerung zur Mitarbeit aufgerufen ist. Weitere Akteure sollen angesprochen werden, insbesondere Bildungseinrichtungen, Mitarbeiter aus der Verwaltung und Parlamentarier.  Hannelore Nowacki

Info

Aufruf an die Bevölkerung zur Mitarbeit nach Interesse an den vorgeschlagenen Themenfeldern mit der Bitte sich bis zum 21. Juni bei Andreas Dexler, Stabstelle Soziales bei der Stadtverwaltung zu melden (Telefon 06206/935 472 oder andreas.dexler@lampertheim.de. Am 25. September findet der Auftaktworkshop im Präsenzformat statt. 

 

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