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09.37 Uhr | 3. März 2022
AMERICAN FOOTBALL: Redskins starten mit zwei zusätzlichen Teams, neuen Sponsoren und einer Dreiländermeisterschaft ins Sportjahr 2022

„Im Football zählen Taten. Leeres Gerede hat hier nichts zu suchen.“

Mittlerweile in der Oberliga etabliert, das „Flagship“ der Bürstadt Redskins, die erst 2018 wieder gegründeten Seniors. Foto: oh

BÜRSTADT – Seit mehr als einem Jahrzehnt stehen die Zelte der Redskins nun in Bürstadt. In dieser Zeit gab es Höhen, aber auch viele Tiefen. So wurde die Herrenmannschaft nach dreijähriger Abstinenz erst im Jahr 2018 wieder neu gegründet. Aus der eigenen Jugend heraus, wie uns die Verantwortlichen wissen lassen. Und nun, 2022 erkennt man eine prosperierende Abteilung American Football und Cheerleading beim TV Bürstadt.

Wir haben uns mit Abteilungsleiterin Anna Messina und Kommunikationschef Harry Frommeld zum bevorstehenden Start in eine Season unterhalten, in der die Redskins mehr Teams vermelden, als in den vergangenen 25 Jahren (Anm.: damals waren sie noch in Mannheim zu Hause).

Redaktion: Zwei neue Football-Teams allein in diesem Jahr. Werden die Redskins damit zur größten Abteilung in Bürstadt’s bedeutendstem Sportverein?

Messina: Zur größten sicherlich nicht. Unsere Turner haben um die 600 Mitglieder. Jedoch ist American Football und Cheerleading bereits seit drei Jahren die aktivste Abteilung hier im TV. Wenn wir am 11. März für zwei Tage zum Trainingscamp in die Sporthochschule nach Saarbrücken starten, werden etwa 130 aktive Sportlerinnen und Sportler in den Bussen sitzen. Das entspricht 70% unserer Aktiven.

Redaktion: Nun gibt es seit diesem Jahr ein viertes und sogar ein fünftes Footballteam. In der Chronik ist zu lesen, die Redskins haben in 12 Jahren mehr Titel nach Bürstadt geholt, als jede andere Sportgemeinschaft. Wie lautet das Erfolgsrezept?

Messina: Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen – leider auch in unseren Sportarten – legen wir den Fokus jederzeit auf die Jugendarbeit. Unsere U13 Flaggies haben tatsächlich in den vergangenen drei Jahren zwei Oberligameisterschaften und eine Vizemeisterschaft geholt, unsere jungen Wilden aus der U16 sind als Meister aus der Jugendoberliga Mitte (Anm.: Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland) aus der vergangenen Season hervorgegangen und die Senior-Cheers sind noch immer amtierende Vize-Europameister. Unsere Sportarten liegen insgesamt im Trend und so erreichen uns fast wöchentlich Eltern, deren Kids gerne zu uns kommen wollen. Gute Kommunikation und ansprechende Veranstaltungen unterstützen dies. Also ist es nur konsequent, nun den nächsten Schritt zu machen und den Jugendspielern mit einer neuen U19 die Brücke zu den Seniors zu bauen, welche sich in ihrer ersten Oberligaseason erstaunlich gut präsentiert haben. Darüber hinaus haben die Eltern unserer jungen Cheers und Footballer derart viel Initiative entwickelt, dass wir sehr gerne ihrer Bitte entsprochen haben, ein Eltern-Funteam zu gründen, die Redskins Flag Allstars.

Redaktion: Also ist auch weiterhin starkes Wachstum zu erwarten?

Messina: Wir setzen uns nur erreichbare Ziele. Sicherlich hätten wir noch weiter wachsen können. Doch benötigen zusätzliche Teams auch mehr Organisation, Übungsgelände, Betreuung und Coaches. Also werden wir nun erst einmal konsolidieren und den Trainerstab in den Bereichen Ausdauer und Fitness erweitern.

Redaktion: Der hessische Verband für American Football und Cheerleading hat in den letzten Tagen vermeldet, dass die für Ende April vorgesehene Dreiländermeisterschaft (Anm.: Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz von Hanau weg an die Bergstraße verlegt wird und die Bürstadt Redskins Gastgeber sein werden.

Frommeld: Ja. Die Halle in Hanau wurde kurzfristig zum Impfzentrum umgebaut, Alternativen waren nicht sofort greifbar und somit stand die Meisterschaft 2022 kurz vor dem Aus. Was für die qualifizierten Cheerleader-Teams im weiten Umkreis einen GAU bedeutet hätte. Denn durch Corona sind bereits in den vergangenen zwei Jahren fast alle Ländervergleiche ausgefallen. Wir haben uns deshalb vor drei Wochen mit unserem Landrat Christian Engelhardt in Verbindung gesetzt. Mit Hilfe seines Teams sind wir in Bensheim fündig geworden, haben – gemeinsam mit dem Verband – unmittelbar Gespräche mit der dortigen Verwaltung geführt und freuen uns sehr darüber, die Cheerleadermeisterschaften am 30.4. in der Weststadthalle als Gastgeber mit gestalten zu dürfen.

Redaktion: Dieser Vergleich zwischen den besten Cheerleaderteams dreier Bundesländer ist keine kleine Veranstaltung.

Frommeld: Ganz und gar nicht. Wir rechnen für diesen Tag mit mehr als 300 Cheers in 25 Teams und mit bis zu 1tsd. Zuschauern in Bensheim. Dabei dürfen wir ja nicht außer Acht lassen, dass dieser Ländervergleich ein Qualifikationsturnier für die Deutsche Meisterschaft ist und somit essentieller Bestandteil des bundesweiten Wettkampfgeschehens.

Redaktion: Wir erinnern uns noch gut an eine Zeit, in der die Redskins für den TV Bürstadt ein reiner Kostenfaktor waren und sich wirtschaftlich alleine nicht hätten tragen können. Mittlerweile werden die Redskins vom Präsidenten des Bundesverbandes als „sehr klug und perspektivisch agierender Vorzeigeverein“ bezeichnet.

Frommeld: In der Tat. 2018 waren die Redskins wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Der TV hat die Abteilung damals bemerkenswert bezuschusst und dafür sind wir bis heute dankbar. Als wir Ende 2018 die Verantwortung übernommen haben waren wir also genötigt, einschneidende Veränderungen vorzunehmen, welche nicht immer auf Verständnis gestoßen sind. Zwischenzeitlich sind wir nicht nur wirtschaftlich gesund, sondern für unseren Mutterverein der vielleicht bedeutendste Aktivposten. Wir bringen die meisten Zuschauer auf den Platz, führen erfolgreiche Spieltage und Events durch, transportieren den Namen des TV und der Stadt weit über das Ortsschild hinaus. Doch das machen nicht alleine die Heads der Redskins. Es sind die Mitglieder, welche den Erfolg ausmachen. Deren Zusammenhalt und der Wunsch, an etwas Großem teilzunehmen. Klar, dass dieser Effekt nicht zuletzt zu neuen Kooperationen, auch auf Sponsorenebene führt.

Redaktion: Also geht es den Redskins Heute besser denn je?

Messina: Wir wissen nicht, wie gut es unseren Vorfahren damals in Mannheim ging. Was wir allerdings mit Sicherheit sagen können ist, dass wir unseren Kindern und erwachsenen Aktiven Heute beste Ausstattung, gute Coaches sowie ein hervorragendes Umfeld zur Verfügung stellen können, in dem sie ihre Sportarten sorglos betreiben.

Frommeld: Das war unser Ziel und wird es auch bleiben. Lassen wir die Sportler ihren Sport machen und kümmern uns um gute Bedingungen. Dabei erinnern wir uns jederzeit an die Worte, welche ein ehemaliger Headcoach vor Jahren zu mir gesagt hat: „Im Football zählen Taten. Leeres Gerede hat hier nichts zu suchen.“

 

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Geschrieben in Sport

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