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„Höchste Achtung für den Freund, der Rückgrat hat und Haltung“ 

Beliebter Pfarrer Patrick Fleckenstein verlässt Lampertheim  

Pfarrer Patrick Fleckenstein berichtete in seiner Stellungnahme von Konflikten mit der Leitungsebene im Bistum Mainz seine Lebensführung und Person betreffend, die seit zehn Jahren andauern, von seiner Sicht auf die Kirche im 21. Jahrhundert und seinen Überlegungen für eine mögliche berufliche Zukunft. Foto: Hannelore Nowacki

LAMPERTHEIM –

Pfarrer Patrick Fleckenstein verlässt Lampertheim, jedoch nicht wegen seiner drei Gemeinden. Auch sei er nicht krank, betonte er in seiner Stellungnahme, ebenso wenig befinde er sich in einer Berufungskrise, zu feiern gebe es jedoch nichts. Noch hoffen die Gemeindemitglieder, dass ihr Pfarrer Fleckenstein eines Tages wieder für sie da ist. Dieser Wunsch klang auch in den Worten von Gottlieb Senftner mit, der ihm im Namen der drei Lampertheimer Pfarrgemeinden dankte: „Wir möchten, dass er weiter hier als Pfarrer wirkt, auch wenn es jetzt endgültig geklungen hat“, ließ er die Zuhörer wissen, unter ihnen die evangelischen Amtskollegen der Lukasgemeinde und Bürgermeister Gottfried Störmer. Mit ihrem nicht enden wollenden Applaus bezeugten die Gottesdienstbesucher, die sich von den Plätzen erhoben hatten, ihrem Pfarrer Fleckenstein die besondere Wertschätzung. In den drei katholischen Pfarrgemeinden, die er betreut hat, ist der junge Pfarrer beliebt, gerade wegen seiner offenen Art das Wort Gottes zu verkünden, so war es von Gemeindemitgliedern nach dem Donnerstagabendamt zu hören. Viele Gerüchte waren andererseits im Umlauf, denen Pfarrer Fleckenstein in seiner persönlichen Stellungnahme im Rahmen des Abschiedsgottesdienstes in der St.-Andreas-Kirche entgegentrat. In klaren Worten, direkt, mit milder Deutlichkeit ohne große Schärfe, teilte er mit, was ihn zu diesem Schritt bewogen hat, wer aus der Leitungsebene des Bistums Mainz ihn seit seiner Zeit im Priesterseminar, seit 2007, mit Kritik an seiner Lebensführung und seiner Person faktisch bedrängt. Einerseits wurde ein persönlicher Leidensweg im kirchlichen Rahmen offenbar,  andererseits führte ihn der Lebensweg im Sinne von Berufung vom Diakon zum Priesteramt. Aus „Berufung“ und als „Diener Gottes“ sei er Priester geworden, erklärte er seiner gespannt lauschenden Zuhörerschaft in der übervollen St.-Andreas-Kirche. Auf seine Freunde, Weggefährten und Unterstützer kann Pfarrer Fleckenstein zählen, die er ebenso namentlich nannte wie seine kirchlichen Widersacher und Vorgesetzten im Bistum Mainz. Der Viernheimer Pfarrer Angelo Stipinovich, Leiter von St. Hildegard und St. Michael, führte nach Fleckensteins Stellungnahme auf dessen Bitte die Messe fort, gemeinsam mit Dekan Pfarrer Peter Kern, Pfarrvikar Claus-Peter Stockh und Pfarrer Erhard Schmitt, der bis vor einigen Monaten für die Pfarrgemeinde Mariä Verkündigung zuständig war. Ausdrücklich bedauerte Pfarrer Fleckenstein, dass Pfarrvikar Virginijus Grigutis aus Hüttenfeld verhindert war. Das Ernennungsschreiben an die katholischen Pfarrgemeinden St. Andreas und Herz Jesu Hüttenfeld zur Amtseinführung von Pfarrer Fleckenstein war noch von Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, geschrieben und unterzeichnet, einer seiner Unterstützer, wie Fleckenstein betonte. Dessen Nachfolger Bischof Peter Kohlgraf jedoch habe sein Schreiben an ihn, das Fleckenstein als Hilferuf und Gesprächsangebot verstanden wissen wollte, zunächst nicht beantwortet. Ein späteres Gespräch bezeichnete Fleckenstein als „ernüchternd“, der Bischof habe die Vorwürfe vom Hörensagen wiederholt und das Gespräch nach 20 Minuten beendet. Pfarrer Fleckenstein meint: „Berufung braucht ein Klima, in dem Entfaltung und Entwicklung möglich ist – Klerikalismus ist die Wurzel für viele Übel in der Kirche in unserer Zeit“. Im Bistum Mainz sieht Pfarrer Fleckenstein keine Zukunft für sich, „eine Konsequenz für den Umgang mit mir seit gut zehn Jahren“. Ein priesterliches Wirken in Opposition zur Bistumsleitung würde ihn zerbrechen, erklärte Pfarrer Fleckenstein. „Ob meine Zukunft in Deutschland liegt, weiß ich nicht“. Er denke daran, sein Lehramtsstudium abzuschließen. In seine Danksagungen schloss Pfarrer Fleckenstein die Haupt- und ehrenamtlichen Teammitglieder seiner Gemeinden ein, die Stadt Lampertheim mit Bürgermeister Störmer ebenso wie seine Amtsbrüder und auch die Kritiker. In seiner persönlichen Bemerkung vor dem Schlusssegen sagte Pfarrer Stipinovich über seinen Mitbruder Fleckenstein: „Ich habe die höchste Achtung vor dem Freund, der Rückgrat hat und Haltung – wir können alle ein Stück davon lernen“. Unbändiger Applaus folgte. Musikalisch begleitete das Ephata-Chorensemble unter der Leitung von Maria Karb den Gottesdienst. Friedenskerzen wurden zu guter Letzt reihum entzündet und die Hände zum Friedensgruß gereicht. Lieder, Gebete und Lesungen waren auf die besondere Thematik des Abends abgestimmt. Eine fast endlos lange Warteschlange hatte sich am Kirchentor gebildet, Menschen aller Altersgruppen, die sich persönlich von Pfarrer Fleckenstein verabschieden wollten, der den freien Himmel über sich hatte und der Kälte im priesterlichen Ornat standhielt. Hannelore Nowacki

In der katholischen Pfarrkirche St. Andreas verabschiedete sich der 33-jährige Pfarrer Patrick Fleckenstein im Gottesdienst von seinen Gemeinden in Lampertheim, an seiner Seite Pfarrer Angelo Stipinovich aus Viernheim, Dekan Pfarrer Peter Kern aus Bürstadt, Pfarrvikar Claus-Peter Stockh und Pfarrer Erhard Schmitt. Foto: Hannelore Nowacki

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