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09.49 Uhr | 13. Februar 2020

Hannoveraner Karl-Heinz Kahle, der ein echter Lampertheimer wurde 

Lebendige Erinnerungen von Autor Werner Grünewald an jüngst verstorbenen fast 99-Jährigen

TVL-Handballer um 1956 vor dem Ehrenmal auf dem ehemaligen ,Turnplatz‘, Blücherstraße: Vorn kniend, v.l.: Richard Lösch, Friedel Winkler, Wolfgang Fetsch, Manfred Köcher Stehend, v.l.: Ludwig Messmer – Abteilungsleiter Handball, Friedel (Friedrich) Geyer, Thomas Werner, Wolfgang Koch, Walter Hohlweg, Günter Fetsch, Fritz Keller, Udo Borchert und Karl-Heinz Kahle – Handballtrainer. Foto: oh

LAMPERTHEIM – Werner Grünewald, Autor von ,Kindheitserinnerungen, Lampertheim 1941-1952‘, entnahm – in Erinnerung an den am 6. Februar 2020 verstorbenen, fast 99-jährigen Karl- Heinz Kahle – aus seinem neuen Buch ,Lückenfüller‘ den folgenden Artikel. 

Hannoveraner Karl-Heinz Kahle, der ein echter Lampertheimer wurde 

Als es den unkomplizierten, positiv eingestellten, immer freundlichen und offenen Hannoveraner Karl-Heinz Kahle nach Lampertheim verschlug, gab es bei den TVL- Handballern und danach bei den TVL-Leichtathleten Aussicht auf eine optimale sportliche Betreuung. Karl-Heinz heiratete die Tochter des Schreibwarenhändlers Röhrig, Ecke Kaiser-/ Friedrichstraße, wo er tatkräftig in dem Geschäft mithalf. Frische, neue Ideen, die er zum Beispiel in TVL-Jahreshauptversammlungen vorbrachte, wurden von den damals verknöcherten, alten Turnbrüdern des Vorstandes gleich verworfen. Wir Sportler dagegen, nahmen seine kompetenten Belehrungen mit Begeisterung auf. Leichtathletik hatte er bereits vor dem 2. Weltkrieg praktiziert. Und wie wir ahnen konnten, mit sicherlich guten Leistungen, da er, selbst als 35-, 36-jähriger, mit dem TVL erfolgreich an Wettkämpfen teilnahm – 6,40 m weit sprang und die Kugel ordentlich hinausdonnerte. Ein Mann, nicht nur mit umfassender Kenntnis und Erfahrung in Handball und Leichtathletik. Er konnte gut erklären, uns begeistern, und, was wichtig war, uns fachmännisch korrigieren. Diesen Menschen mit seinen freundlich blitzenden Augen erlebten wir nie ärgerlich oder mit schlechter Laune. Unter seiner Anleitung erbrachten wir Bestleistungen. 

Als weitere Talente offenbarten sich Kahles‘ Unterhaltungskunst und Anekdoten. Hier die tollste von allen – aus Vorkriegszeiten: Großartiges Sportfest im Berliner Olympia- Stadion, haufenweise Zuschauer und Spitzensportler, hier Weitspringen, da Hochspringen, dort Kugelstoßen, andere drehten Stadionrunden, und im Innenraum gleichzeitig Speerwerfen. Alles lief gleichzeitig ab. Auf einmal ein Schrei! Ein Kampfrichter brach, mit einem fehlgeworfenen Speer in der Brust, blutüberströmt zusammen. Ratlos und erregt stand man um den am Boden Liegenden herum, diskutierte, was zu unternehmen sei. Nicht so Karl-Heinz Kahle, der dazukam. Ohne viel zu überlegen – laut Karl-Heinz – stellte er dem Verletzten seinen Fuß auf die Brust, und zog ihm den Speer heraus! Wie die Geschichte weiterging, ist mir entfallen. zg

 

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