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10.54 Uhr | 8. Juni 2021

Gegen jegliche Form sexualisierter Gewalt im Sport

SPORTJUGEND HESSEN: Präventionsprojekt zum Kindeswohl entwickelt sich zum Erfolgsmodell

HESSEN – Mit dem bundesweit einmaligen Projekt “Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen in Sportkreisen und Vereinen“ soll eine Kultur des Hinschauens entwickelt werden. Das sensible Thema der Kindeswohlgefährdung soll noch mehr ins Bewusstsein ihrer Mitglieder rücken. Die Sportjugend Hessen leistet hier Starthilfe und unterstützt dabei, individuelle Schutzkonzepte auf den Weg zu entwickeln, Schulungen und Seminare geben zusätzlichen Input. Das Modellprojekt startete 2019 und wird vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport gefördert. Jetzt sind alle Projektplätze vergeben.

„Das Thema Kindeswohl soll eine gewisse Normalität bekommen“, wünscht sich Heiko Heger, einer der Projektberater und Kindeswohlexperte der Sportjugend Hessen seit vielen Jahren. „Der Sport ist nun mal keine Insel der Glückseligen“, so Heger, „auch nicht bei uns in Hessen. In vielen Vereinen gibt es zunächst ein ungutes Gefühl bei dem Thema sexualisierter Gewalt. Viele denken: ‚Bei uns doch nicht!‘ Dann braucht es im Verein eine Person, die das Thema anfassen mag und zunächst den Vorstand überzeugt. Denn Kindeswohlgefährdung geht uns alle an.“ 

Kindeswohl geht alle an – der Sport ist keine Insel der Glückseligen, auch nicht in Hessen

Diese Aufgabe hat zum Beispiel Thomas Rosa in seinem Heimatverein TG Camberg im Landkreis Limburg-Weilburg übernommen. Hier gibt es sogar die Besonderheit, dass sich mit Maria Stillger eine zweite Ansprechpartnerin engagiert. Der Verein hat 2.000 Mitglieder, fast jedes dritte Mitglied ist unter 18 Jahren. „Ich fand es wichtig etwas Konkretes zu tun, denn das Thema schlummert in den Menschen, erst recht nach den Skandalen bei den Kirchen oder nach den Untersuchungen im Leistungssportbereich. Das Thema hat jetzt bei uns im Verein mehr Aufmerksamkeit.“

Die beiden Kindeswohlbeauftragten haben zwei Online-Schulungen für die Übungsleiter*innen der TG Camberg organisiert, die sehr gut besucht waren. „Auch war es erfreulich, dass die Teilnehmenden sehr leicht für das Thema zu sensibilisieren waren“, so Stillger und Rose. „Wir sehen uns als Vermittler, und es fühlt sich gut an, für den Fall, dass es zu unangenehmen Fragen oder gar Verdachtsmomenten kommt, die professionelle Begleitung seitens der Sportjugend Hessen im Rücken zu haben.“ Die Beiden versuchen für das Kinderschutzthema auch Partner in ihrer Stadt zu gewinnen, und sobald es die Coronaauflagen zulassen, planen sie, einen Elternabend in Präsenz zu veranstalten.

Hinsehen, Handeln und nicht verharmlosen

Bei dem Projekt geht es vor allem darum, genauer zu beobachten, Kindern auch mal besser zuzu-hören, ihre Gefühle besser zu verstehen. Aber auch darum den Mut zu haben, zu handeln, wenn etwas verdächtig erscheint. „Doch es muss auch möglich sein, authentisch zu bleiben und nicht Angst vor jeder Berührung zu haben“, erklärt die bei der Sportjugend Hessen zuständige Referentin Ann-Kristin Pieper. „Z. B. wenn ein Kind Trost braucht. Man kann ja das Kind fragen, ob es in den Arm genommen werden möchte.“ Den Vereinen rät sie: „Stellt klare Verhaltensregeln und Leitlinien auf, die allen geläufig sind und zu denen sich alle bekennen müssen: Vorstand, Eltern, Sportler und Trainer. Das gibt Sicherheit und Vertrauen, und die Kinder werden selbstbewusster, wenn sie wissen, dass ihre Anliegen respektiert werden.“ 

Die Sportjugend Hessen unterstützt mit Handlungsleitfäden, Mustervorlagen für ein Kindeswohl-konzept und empfiehlt die Ansprechpartner*innen im Verein bekannt zu machen, ihre Kontaktdaten auszuhängen und sie auf der Vereinswebsite vorzustellen.

„Wir entwickeln das Thema Kindeswohl immer weiter“, erzählt Projektberater Heiko Heger, „denn es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Auch Beleidigungen und Mobbing in der Gruppe können eine große seelische Belastung sein und in Zeiten von Smartphones schnell ausarten.“ 

Die Begleitung und Beratung für die Vereine und Sportkreise dauert durchschnittlich ein Jahr. „Es kommt immer darauf an, wie weit die Vereine schon sind. Wie geben quasi Erste Hilfe und dann sollen die Vereine eine Basis haben, um alleine weitermachen.“

Mehr zum Thema sowie den aktualisierten Verhaltenskodex finden Sie unter www.kindeswohl-im-sport.de zg

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