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14.19 Uhr | 22. November 2020

Gedenksteineinweihung muss verschoben werden

GESANGVEREIN CÄCILIA/SÄNGERROSE: Gedenken gerade auch an ehemalige Jüdische Vereinsmitglieder wichtig

Im Herbst hatte der Gesangsverein Cäcilia/Sängerrose seinen Gedenkstein auf dem alten Stadtfriedhof restauriert – die Einweihung musste nun verschoben werden. Foto: oh

LAMPERTHEIM – Im November wird traditionell am Volkstrauertag und am Totensonntag der Kriegsopfer und Verstorbenen gedacht. Der Gesangsverein Cäcilia/Sängerrose hatte im Herbst seinen Gedenkstein, einen Gletscherstein aus den Dolomiten, auf dem alten Stadtfriedhof restauriert und mit einer neuen Beschriftung versehen, welche die erfolgreiche Zusammenführung beider Gesangvereine unterstreichen sollte. Geplant war am Totensonntag eine feierliche Einweihung, verbunden mit einem ökonomischen Gottesdienst und gesanglicher Begleitung durch den Männerchor. Die Coronarpandemie machte alle Planungen zunichte. Auf eine lange Tradition blickt das Gedenken an verstorbene Vereinsmitglieder bei dem Gesangsverein zurück. Schon weit vor dem 2.Weltkrieg gab es einen Gedenkstein, nach dem Ende der Hitlerdiktatur erinnerte man sich auch besonders an die vielen jüdischen Vereinsmitglieder, welche dem Naziterror zum Opfer gefallen waren. Traditionell waren im Gesangverein Cäcilia besonders viele jüdische Mitbürger Mitglied. Der Verein stellte immer die jeweilige konfessionelle Zugehörigkeit der Sänger in den Hintergrund und betonte den weltlichen Charakter. Nach 1933 mussten trotzdem alle jüdischen Mitglieder zwangsweise den Verein verlassen. In der Folge sollte die Cäcilia als Hort der Unbotmäßigkeit aufgelöst werden. Nun waren im Verein natürlich auch überzeugte Nazis, wie sich ein Veteran des Vereins aus der Überlieferung erinnert. Die zogen ihre Uniform an und zogen protestierend in das Gemeindeamt und erreichten die Aufhebung des Auflösungsbeschlusses. Nach dem Krieg, zum 100-jährigen Bestehens des Vereins, wollte man auch den ehemaligen jüdischen Vereinsmitgliedern mit einem Zeichen gedenken. Auf dem jüdischen Friedhof wurde an einer Grabsteingruppe eine Gedenktafel angebracht, um die Verbundenheit des Vereins mit seinen ehemaligen Mitgliedern zu dokumentieren. Die feierliche Einweihung nahm in Anwesenheit von dem damaligen Bürgermeister Hans Pfeiffer ein Rabbiner aus Mannheim vor. Der Männerchor begleitete musikalisch unter der Leitung von Valentin Seib den feierlichen Akt. zg

 

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