Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » „Freundlichkeit gegenüber der Menschheit“ als ein Hauptgebot
08.54 Uhr | 9. April 2021

„Freundlichkeit gegenüber der Menschheit“ als ein Hauptgebot

ISLAM GEGEN RASSISMUS: Internationale Wochen gegen Rassismus in Lampertheim:  Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde bot digitalen Vortrag 

Miteinander statt gegeneinander: Die Lampertheimer Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde bekennt sich klar gegen Rassismus und spricht sich für die Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen aus. Foto: www.pixabay.com

LAMPERTHEIM – Was sagt der Islam zum Rassismus und friedlichen Zusammenleben? Ein spannendes Thema, zu dem die Lampertheimer Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde im theologischen Vortrag „Islam gegen Rassismus“ ihres Imam Murtaza Mannan Stellung nahm. Der in Deutschland geborene Theologe hat in Riedstadt am Institut für islamische Theologie studiert und ist im Umkreis bis nach Bensheim als Seelsorger tätig; er ist verheiratet und hat eine Tochter. Was sagt Allah im Koran? Mit dieser Frage leitete der Imam seinen umfangreichen Vortrag ein. „Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden“. Das erste Hauptgebot des „Heiligen Korans“ sei die Liebe und Gehorsam gegenüber dem allmächtigen Schöpfer, das zweite Hauptgebot laute: „Freundlichkeit gegenüber der Menschheit“. Mannan bedauerte, dass die Spaltung auf verschiedenen Ebenen immer breiter werde, doch nicht jeder sei täglich gleichermaßen von Rassismus betroffen. Allah habe jedoch ein Zeichen gesetzt, dass die Menschen wie eine Familie seien. Allah lehre die Menschen, dass die Vielfalt der gesellschaftlichen Entwicklung dienen solle. Imam Mannan mahnt: „Diskriminierungen können tiefe Wunden hinterlassen“. Im virtuellen Raum hatten sich am frühen Mittwochabend neunzehn Teilnehmer versammelt, die den Vortrag sahen und weitere Informationen aus Sicht des Islam erhielten, wie ihn die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland lebt. Eingeladen hatte die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde Lampertheim im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die vom 15. bis 28. März in Deutschland und anderen Ländern stattgefunden hatten. Zugeschaltet hatten sich auch Bürgermeister Gottfried Störmer und Erster Stadtrat Marius Schmidt, die die gute Zusammenarbeit mit der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde hervorhoben. Störmer bedankte sich für die Einladung in dieser besonders schwierigen Zeit der Pandemie und wies darauf hin, dass auch das Lampertheimer Bündnis für Demokratie das Thema Rassismus aufgegriffen habe. Für ihn als Christ und als Mensch sei es nichts Neues, denn die gleiche Botschaft finde sich bei uns im Grundgesetz, im Rechtssystem und im Glauben. Ein gemeinsames friedliches Zusammenleben sieht Störmer als Ziel, denn alle Menschen seien gleich. Rassismus beschrieb Störmer als Herausstellen verschiedener, vermeintlicher Merkmale, die zur Abgrenzung herangezogen würden und eine Überordnung oder Unterordnung rechtfertigen sollen. Aber woher rührt es, dass man Unterschiede herausstellen möchte? Angst könnte es sein, dass einem etwas durch einen anderen genommen werden könnte, vermutet Störmer. „Wir können friedlich miteinander leben“, ist Störmer überzeugt. Dazu dienten auch diese Gespräche. Erster Stadtrat Marius Schmidt, Initiator und Sprecher des vor zwei Jahren gegründeten Demokratie-Bündnisses, dankte für die schönen Worte des Imams und betonte die Gemeinsamkeit: „Lampertheimer sind wir eigentlich alle und wir können uns auch digital verbunden fühlen“. Im nächsten Jahr wolle das Bündnis die Internationalen Wochen gegen Rassismus breiter aufstellen und in den Veranstaltungskalender aufnehmen. Nachdem die Landesregierung im letzten  Jahr die Hessische Gemeindeordnung geändert hat, könne in Kommunen ohne Ausländerbeirat eine Integrationskommission eingerichtet werden. Das ist in Lampertheim geplant, einige Bewerber für die Mitarbeit gebe es bereits. „Wir wollen sie von Betroffenen zu Beteiligten machen“, sagte Schmidt. Das Motto: „Miteinander leben, gemeinsam Lampertheimer sein“. Außerdem werde an einem Netzwerk gegen Diskriminierung gearbeitet, das von der Landesregierung gefördert werde. Für Lampertheim gelte „bei uns hat Rassismus keinen Platz“. Zur Einstimmung auf das Thema rezitierte Mohsin Naveed zu Beginn eine Koran-Sure in arabischer Sprache, die anschließend ins Deutsche übersetzt wurde. „Allah ist langmütig und warmherzig“ heißt es darin. Der Vorsitzende der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde, Iftikhar Shaikh, stellte die Geschichte der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde vor, die sich als islamische Reformgemeinde versteht, mit Grundsätzen wie die Trennung von Religion und Staat, die Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, die absolute Gerechtigkeit und die Gleichwertigkeit von Frau und Mann. Gefordert wird die „Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie der Menschenrechte“. Der „Verheißene Messias Mirza Ghulam Ahmad“ (1835-1908) hat die Gemeinde 1889 in Indien gegründet, die ihren heutigen Hauptsitz in London unter der Leitung des 5. Kalifen Mirza Masroor Ahmad hat und in über 200 Ländern vertreten ist. In Deutschland hat die Gemeinde mit 60.000 Mitgliedern und über 70 Moscheen seit 2013 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Im Vorgespräch mit dem TIP teilte Shaikh mit, dass die Lampertheimer Gemeinde mit Mitgliedern von Groß-Rohrheim bis Lampertheim  innerhalb der letzten zwei Jahre von 120 auf 170 Mitglieder angewachsen sei. Hannelore Nowacki 

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen