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12.10 Uhr | 22. September 2022
PRAXISERFAHRUNG: Alexander Bauer auf Nachtschicht bei der Lampertheimer Polizei

Feierabend um halb sieben Uhr morgens

Alexander Bauer (links) nutzte die Nachtschicht, um sich mit den Polizisten über die Personalsituation, Technik und Ausstattung und die aktuellen Herausforderungen zu informieren. Foto: oh

KREIS BERGSTRASSE – Im Eingangsbereich der Polizeistation in Lampertheim-Viernheim geht es wuselig zu. Die Tagschicht geht, die Nachtschicht kommt. Zum Wachwechsel begrüßen Stationsleiter Matthias Seltenreich und sein Stellvertreter Nico Dinopoulos an diesem Abend den Landtagsabgeordneten Alexander Bauer (CDU), der einen „Praxistag“ bei „seiner Polizei“ absolvieren möchte. Bauer ist seit 2008 im Hessischen Landtag und dort für die Bereiche Polizei und innere Sicherheit zuständig. Mit einem Dank für die „Mitfahrgelegenheit“ bekräftigt der Landespolitiker, dass er mit der Teilnahme an einer 12-Stunden Nachtschicht seine Anerkennung für die erfolgreiche Kriminalitätsbekämpfung der Polizei ausdrücken, die konkreten Arbeitsbedingungen der Beamtinnen und Beamten kennenlernen und die Belastungen im Nacht- und Schichtbetrieb einmal am eigenen Leibe miterleben wolle.

Der diensthabende Schichtleiter erklärt dem Gast noch den Funktisch für die Einsatzleitung und überreicht eine passende Schutzweste, die Bauer fortan die ganze Schicht hindurch tragen wird. Mehrere Polizeistreifen sind in der Nacht im Einsatzgebiet in Lampertheim, Viernheim, Biblis, Bürstadt und Groß-Rohrheim unterwegs. Im Einsatzfahrzeug der Polizeioberkommissare Verkühlen und Burkhard sitzt Alexander Bauer gut angeschnallt auf der Rückbank. Die beiden erfahrenen Polizeibeamten lassen sich fortan bereitwillig über ihre Schultern schauen und geben profunde Einblicke in ihren Beruf.

Dann kommt für das Team das erste Ziel: Eine Aufenthaltsermittlung in Nordheim. Der Auftrag wird gelassen abgearbeitet. Ergebnis: Die gesuchte Person ist unter der zu überprüfenden Adresse nicht mehr anzutreffen und wird nun von Amts wegen abgemeldet. Deutlich lebhafter wurde es beim anschließenden Einsatzruf anlässlich einer gemeldeten häuslichen Gewalttat. Da der Täter mit einem Messer gesichtet wurde, unterstützen in dieser Situation alle verfügbaren Kräfte die für Lorsch zuständigen Kollegen aus Heppenheim. Am Ende wird der merklich aufgebrachte und uneinsichtige Ehemann von den besonnen agierenden Polizeikräften in Gewahrsam genommen. Dann endlich Zeit für einen starken Kaffee in der Station. Die Tasse ist nicht mal halb leer, als ein weiterer Einsatz reinkommt: Einbruchsalarm in einem Gebäude in Biblis. Sofort wird eine Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn eingeleitet. Spätestens jetzt erfährt Alexander Bauer, dass Polizeibeamte für solche Anlässe ein spezielles Fahrtraining absolvieren. Da die Lage am Einsatzort zunächst unklar war, wird das Objekt mit Unterstützung einer zweiten Streife gesichert und ein Polizeihund angefordert.

Für Alexander Bauer war das: „Adrenalin pur um Mitternacht.“ Vorläufiges Ergebnis nach der Durchsuchung mit dem Spezialisten auf vier Pfoten: Die Täter sind nicht mehr im Gebäude. Es blieb wohl beim Einbruchversuch. Schließlich verabredeten sich zwei Streifenbesatzungen zur Durchführung einer gemeinsamen Kontrollaktion zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität zur Nachtzeit (BEN). Dazu errichteten die Beamten routiniert eine mit Blinklichtern und Warnpylonen gut abgesicherte Fahrbahnverengung auf der hessischen Seite der Rheinbrücke, Hier wurden anschließend zahlreiche aus Richtung Worms kommende Fahrzeuge kontrolliert.

Im Gespräch zwischendurch will Bauer in Erfahrung bringen, wie die vom Landtag beschlossenen Maßnahmen zur materiellen und personellen Unterstützung in der polizeilichen Praxis ankommen. Mit der modernen Ausstattung zeigen sich Bauers Gesprächspartner zufrieden. Dass man jetzt über Bodycams verfüge, sei ebenfalls erfreulich. Kritische Rückmeldungen von der Basis erhält der Landtagsabgeordnete zu Fragen der Beförderungsmöglichkeiten, der Besoldung, zur Anpassung der Polizeizulagen und zur besseren Planbarkeit der Dienste. Die Arbeitsbelastung sei hoch, erfährt Bauer, denn immer wieder müssten Kolleginnen und Kollegen aus den regulären Dienstgruppen für Sonderlagen – wie etwa dem Großeinsatz zur Räumung des Dannenröder Forst oder bei Fußballspielen mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko – den hohen Einsatz von Sicherheits- und Polizeikräften sicherstellen.

Bauer versprach alle Anregungen weiterzugeben. Feierabend hatte er dann mit Schichtende um halb sieben Uhr morgens. Im Rückblick auf den „Praxistag bei der Polizei“ schreibt Bauer in seiner Pressemitteilung: „Ich habe großen Respekt vor diesem anspruchsvollen Beruf und ich bin dankbar für die gute Arbeit unserer hessischen Polizei.“ zg

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Geschrieben in Kreis Bergstraße

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