Sie sind hier: Home » Bürstadt und Stadtteile » Es muss nicht immer Plastik sein – Tipps wie es anders geht
15.30 Uhr | 12. September 2019

Es muss nicht immer Plastik sein – Tipps wie es anders geht

Schulprojekt an der Erich-Kästner-Schule „Kunststoffverpackung – nein danke?!“ / Nein zur Plastiktüte in der Post

Papiertüten der Umwelt zuliebe und regionale Produkte kaufen – dafür plädiert der NABU-Vorsitzende Michael Held. Foto: Hannelore Nowacki

BÜRSTADT –  Plastik ist beim Einkaufen allgegenwärtig und es gibt Zahlen, die nachdenklich machen. Eine Plastikflasche braucht etwa 450 Jahre um zu verfallen und jährlich kommen 135.000 Meeressäuger und eine Million Vögel durch Plastik um, das sie fressen oder sich darin verfangen. Allein am Grund der Nordsee liegen vermutlich 600.000 Kubikmeter Plastikmüll. Zahlen, die Michael Held bei seinem Vortrag in der Erich-Kästner-Schule (EKS) zum Thema „Kunststoffverpackungen vermeiden – warum und wie“ nannte und anhand von Bildern eindrucksvoll dokumentierte. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes Bürstadt (NABU) war eingeladen, weil die katholische Religionsklasse von Iris Held gerade ein Thema von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung bearbeitet –  wie die Umwelt vor Plastikmüll geschützt werden kann und um Ideen zu sammeln, wie man Kunststoffverpackungen schon beim Einkauf vermeiden könnte. In dieser ersten Schulstunde am Montagmorgen blieben die Computerbildschirme im Fachraum dunkel, denn die 24 dreizehnjährigen Jugendlichen aus drei achten Klassen hatten bereits in den beiden Unterrichtsstunden der vergangenen Woche intensiv im Internet recherchiert und die Ergebnisse zusammengetragen. Einige Aufgaben für den Schülerwettbewerb zur politischen Bildung mit dem Thema „Kunststoffverpackung – nein danke?!“ hatten sie schon bearbeitet, was ihnen in der Diskussion mit dem Referenten inhaltlich zugutekam.  In den nächsten Tagen werden die Schüler eine Wandzeitung und einen Projektbericht erstellen, beides wird Religionslehrerin Iris Held für den Schülerwettbewerb nach Berlin schicken. Und damit alle Schüler der Erich-Kästner-Schule etwas von diesen Erkenntnissen lernen können, wird es in der Schule eine Ausstellung geben. Die erste Aufgabe war, einen Wocheneinkauf der eigenen Familie zu untersuchen und die Eltern zu befragen, welche Rolle die Verpackung bei der Kaufentscheidung gespielt habe. Wie Michael Held waren sie den Fragen nachgegangen, warum so viele Produkte in Kunststoffverpackungen angeboten werden, wie sie entsorgt oder wiederverwertet werden und warum und wie sie vermieden werden sollten. Viele scheinbar gute Argumente sprechen für Kunststoffverpackungen, wie Hygiene, längere Haltbarkeit des Inhalts, Transport und Portionierung, billiges Material und leichter Transport. Was tun? Michael Held nannte einige Tipps zur Plastikvermeidung. Obst und Gemüse ohne Verpackung kaufen – in den Geschäften häufig möglich. Als Beispiel hatte Michael Held bei  Edeka in Bürstadt Kartoffeltüten aus Papier fotografiert, die einen weiteren Vorteil haben – die Kartoffeln sind auf einem Bürstädter Acker gewachsen, sind also ein regionales Produkt ohne weiten Transportweg. Auch die Bürstädter Pilze gibt es dort auch ohne Plastikverpackung. Weitere Bilder aus einem Discounter zeigten nebeneinander verpackte und nicht verpackte Paprika und Zucchini. Alternativen gibt es schon: Zum Transport Stofftaschen nehmen, Lebensmittel und Getränke in Glas kaufen und zum Beispiel statt Fruchtjoghurt im Becher frisches Obst essen sowie eigene Gefäße an der Wurst- und Käsetheke sind einige der schnell umsetzbaren Tipps. Auf jeden Fall aber Plastiktüten mehrfach wiederverwenden. Auf Plastikgeschirr und -Kaffeebecher kann man leichter verzichten, wie es Vereine und Kirchengemeinden schon vormachen. Wenn man Leitungswasser trinkt, müsse man nicht mehr schleppen, Kohlensäure könne man zusetzen. Michael und Iris Held finden außerdem, dass das Bürstädter Wasser prima schmeckt. Als Spezialfall wies Michael Held auf Mikroplastik in Kosmetikprodukten wie Duschgels und Peelings hin, die Fischen und Muscheln in Flüssen und Meeren schaden. Am Ende kommen die Kunststoffverpackungen in den Gelben Sack zur Wiederverwertung. Beim Verbrennen, das sieht Michael Held kritisch, entstehe das klimaschädliche CO2. Die Empfehlung: Sich des Themas bewusst zu sein, nach Lösungen suchen, um den Plastikmüll zu verringern. Dies bei der Kaufentscheidung berücksichtigen und am besten eine Einkaufsliste mitnehmen, um Impulskäufe zu vermeiden. Wer es eilig hat und „schnell mal was einkauft“ übersieht manches.  Zu bedenken gab Michael Held, dass für Kunststoffverpackungen Erdöl verwendet wird, eine wertvolle und endliche Ressource. Hannelore Nowacki

Info: Plastik lässt sich auch im Bereich der (Werbe)-Post sparen: Jeden Samstag ärgern sich zahlreiche Bürger über die eingeschweißten Werbeprospekte, die häufig ungelesen in den Müll wandern. Viele Menschen machen sich dabei sogar die Mühe, die Prospekte aus der Plastikhülle zu entnehmen und gesondert zu entsorgen. Der Verein „Letzte Werbung” hat die gesamte Prospektflut, aber insbesondere auch die Plastikpost der Deutschen Post im Blick. Denn wöchentlich landen mehr als 20 Millionen „Einkauf aktuell” in den Briefkästen in Deutschland – im Jahr sind das insgesamt nahezu eine Milliarde Plastiktüten, die in den Müll wandern. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Verschmutzung der Meere sowie der politischen Diskussion um die Abschaffung von Plastiktüten ein Unding. Wer dieser Plastikflut Einhalt gebieten und künftig kein „Einkauf aktuell” mehr in seinem Briefkasten haben möchte, kann die unerwünschte Zustellung im Internet unter der Adresse www.plastikpost.de kündigen.

Der Plastikmüll in der Umwelt bleibt über viele hundert Jahre erhalten, daher kam es Michael Held bei seinem Vortrag darauf an, die Schüler für das Thema zu sensibilisieren.  Foto: Hannelore Nowacki

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen