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19.04 Uhr | 9. Juni 2021

Einsam und vergessen? 

„SPD-FRAKTION IM GESPRÄCH”: Ehrenamtliche Seniorenbegleitung ab 1. Januar als Weiterentwicklung der aufsuchenden Sozialarbeit

In der „Fraktion-im-Gespräch“-Veranstaltung der SPD berichtete Caritas-Seniorenberaterin Silvia Rhiem nach der Einleitung durch den SPD-Fraktionsvorsitzenden Jens Klingler (hinten) über ihre Arbeit. Marius Schmidt (vorne), Vorsitzender der SPD Bergstraße und Erster Stadtrat, erklärte die Weiterentwicklung der aufsuchenden Sozialarbeit. Gesucht sind ab sofort die zukünftigen ehrenamtlichen Seniorenbegleiter. Foto: Hannelore Nowacki

LAMPERTHEIM – Was ist mit der betagten Nachbarin von nebenan los, die so dünn erscheint und immer die gleiche Kleidung trägt? Wer früh morgens zur Arbeit das Haus verlässt und spät heimkommt, bemerkt solche Veränderungen vielleicht nicht. Aber in der Coronazeit mit Homeoffice begegnet man der älteren Nachbarin häufiger, nimmt wahr, wo es hakt. Ein trauriges Kapitel nennt die Caritas-Seniorenberaterin Silvia Rhiem solche desolaten Lebensumstände, von denen sie in der Coronakrise vermehrt erfahren hatte. Was kann man machen? Nachbarn fragten bei ihr nach. Neben professioneller Unterstützung  könne eine ehrenamtliche Seniorenbegleitung den alten Menschen helfen, eine Idee der Lampertheimer SPD, die sich bereits in der Phase der Umsetzung befindet und am Montagabend vorgestellt wurde. In Zusammenarbeit mit der hauptamtlichen Seniorenberatung soll das Hilfsnetz enger geknüpft und ausgebaut werden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Klingler begrüßte am Montagabend im großen Saal der Zehntscheune die Fraktions- und SPD-Mitglieder sowie die Presse zur ersten Präsenzveranstaltung der Fraktion seit Herbst. Immer noch gibt es die strenge Maskenpflicht in der gesamten Zehnscheune, von der die Referentin Silvia Rhiem und Marius Schmidt, Vorsitzender der SPD Bergstraße und Erster Stadtrat auch bei ihren Redebeiträgen nicht befreit waren. Das noch neue Format der Öffentlichkeitsarbeit „Die Fraktion im Gespräch“ findet immer vor der eigentlichen, aber nicht öffentlichen Fraktionssitzung statt, und befasst sich mit bestimmten Themen. Zum ersten Mal wurde der Öffentlichkeit die ehrenamtliche Seniorenbegleitung vorgestellt, die sich in Zusammenarbeit der Stadt Lampertheim mit der Seniorenberatung der Caritas Lampertheim im Aufbau befindet. Als Fachfrau war die Caritas-Seniorenberaterin Silvia Rhiem eingeladen, die als Nachfolgerin von Marianne Lange seit anderthalb Jahren das Gesicht der Seniorenberatung ist, eine halbe Stelle, deren Finanzierung sich die Stadt Lampertheim und Caritas seit jeher teilen. Im Vortrag über ihre Tätigkeit machte sie deutlich, dass der Beratungsbedarf der Senioren in Lampertheim hoch ist, aber ganz unterschiedlich, ob mobil in der Altersgruppe 60plus oder betagt, einsam, krank und kaum mobil. Auch für sie hat sich in der Coronazeit einiges geändert – persönliche Kontakte gingen zurück, Telefonkontakte nahmen zu. 400 Beratungen hat die Seniorenberaterin telefonisch durchgeführt. Viele Fälle seien sehr komplex, erklärte Rhiem. 350 Klienten suchten bei ihr Rat. Doch habe der Caritas-Verband den Beschäftigten die freie Entscheidung überlassen, ob sie telefonisch oder persönlich beraten wollten. Zu vielen Hausbesuchen sei sie unterwegs, weniger Senioren suchten die Beratungsstelle im ersten Stock in der Neuen Schulstraße 16 auf. Einsamkeit sei ein Problem und in Coronazeiten trauten sich manche Ältere nicht einzukaufen, nur auf ihrem Balkon gingen manche an die frische Luft. An dieser Stelle kam Erich Thomas zu großem Lob, der mit dem SPD-Einkaufsservice vielen Menschen geholfen hat: „Sie sind großartig“, rief ihm Silvia Rhiem zu, er habe ihr eine große Last genommen. Hilfe sei auch vom Seniorenbeirat gekommen. Gut wären Fahrdienste durch Ehrenamtliche, meinte Rhiem. Auch Fragen nach Alternativen zur Heimunterbringung seien Themen, die Senioren bewegten. Nach einer Idee der Stadt Lampertheim könnten die Integrationslotsen als Sprachmittler bei Anfragen von Migranten helfen. Die gegenseitige Vernetzung sei wichtig. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt erläuterte in seinem Beitrag den Plan zur Weiterentwicklung der aufsuchenden Sozialarbeit durch ehrenamtliche Seniorenbegleitung in Zusammenarbeit mit der Caritas, eine Ergänzung zum Tätigkeitsfeld von Stephanie Rapp. „Anschluss an die Gesellschaft zu finden“, darum gehe es, „eine niederschwellige Begleitung“. Am 1. Januar 2022 soll diese ehrenamtliche Seniorenberatung an den Start gehen, kündigte Schmidt an. Bis dahin soll ein Pool von Ehrenamtlichen aufgebaut werden, daher sein Aufruf an alle die mithelfen wollen: „Melden Sie sich jetzt schon bei der Stadt Lampertheim“. Die zukünftigen ehrenamtlichen Seniorenberater werden fachlich gründlich vorbereitet.  Hannelore Nowacki

Im Haus der Caritas in der neuen Schulstraße hat Seniorenberaterin Silvia Rhiem ihr Büro für Beratungsgespräche, doch oft ist sie zu Hausbesuchen unterwegs. Foto: Hannelore Nowacki

 

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