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08.49 Uhr | 4. Oktober 2022
INTERKULTURELLE WOCHEN: Vielfältiges Angebot zum „Tag des Flüchtlings” auf dem Europaplatz / „Run against racism” als Abschluss

Einbürgerungstest, Rikschafahrt, afghanische Klänge und läuferisches Engagement

Auch der aus Afghanistan stammende Musiker Sharif (r.) und Rita Lüling (l.) nutzten die Gelegenheit, am „Tag des Flüchtling” mit der E-Rkscha eine kurze Tour zu unternehmen – als Fahrerin fungierte Ute Striebinger. Foto: Benjamin Kloos

LAMPERTHEIM – Viel los war am Freitag auf dem Europaplatz in Lampertheim: Anlässlich des „Tag des Flüchtlings” und im Rahmen der interkulturellen Wochen wurde ein vielfältiges Programm geboten. Ein Höhepunkt war dabei die Möglichkeit, sich von Ute Striebinger mit der E-Rikscha durch Lampertheim fahren zu lassen und so die schönsten Seiten der Spargelstadt zu entdecken. Für musikalische Unterhaltung sorgte der aus Afghanistan stammende Musiker Sheraf mit afghanischen Klängen, die über den Europaplatz und die benachbarte Domwiese schallten und viele Interessierte anzogen. Bei Brezeln, Kuchen und Kaffee, die gegen eine kleine Spende für die Organisation „Helping Hands” genossen werden konnten, bestand die Gelegenheit, sich mit den Integrationslotsen auszutauschen und deren wichtige Arbeit zu informieren. Und auch das Lernmobil Viernheim war mit einem besonderen Angebot vor Ort: Alle, auch deutsche Bürgerinnen und Bürger, konnten sich am Einbürgerungstest versuchen – ein Angebot, welches auch ein Sprachkurs mit Ukrainerinnen und Ukrainern gerne nutzte, um zu sehen, auf welchem Sprach- und Wissenstand diese bereits sind. Dabei waren einige der 33 – von insgesamt 300 für den Test zu lernenden – ausgewählten Fragen gar nicht so einfach zu beantworten. So wurde beispielsweise gefragt, ob in der DDR vor allem Migranten aus a) Vietnam, Polen, Mosambik oder b) Frankreich, Rumänien, Somalia oder c) Chile, Ungarn, Simbabwe oder d) Nordkorea, Mexiko, Ägypten lebten – richtig ist übrigens Antwort a). 

Den Abschluss der interkulturellen Wochen in Lampertheim bildete am Samstag der durch den Jugendbeirat und die Integrationskommission initiierte „Run against racism” im Stadtpark. Mit einem gemeinsamen Lauf durch den Stadtpark sollte auf die Ungleichbehandlung von geflüchteten Menschen aufmerksam gemacht und ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden. An zahlreichen Ständen setzten sich verschiedene Einrichtungen und Institutionen mit dem Thema auseinandersetzen und informierten über ihre Arbeit und Angebote – so unter anderem die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, Amnesty International, die Black Academy sowie das Litauische Gymnasium Hüttenfeld, das als „Schule für Courage” vertreten war. 

Heimat. Für uns ist das Lampertheim. Ein Ort, in dem wir wohnen, arbeiten, leben, die Kinder zur Schule schicken und in den nächsten Supermarkt zum Einkaufen gehen”, betonte Serkan Öztas, Co-Vorsitzender der Integrationskommission Lampertheim im Rahmen der Begrüßung. Stellen sie sich jetzt vor, sie hören in der Ferne Bombenanschläge, sehen russische Kampfflugzeuge am Himmel, nehmen ihre Kinder, gehen nach Hause, packen das Nötigste zusammen und verlassen Lampertheim. So geht es nicht nur Menschen in der Ukraine, sondern auch in Syrien, Jemen, Äthiopien, Libyen. Krieg gibt es überall auf der Welt, Menschen sterben minütlich, egal ob naher Ostern, Afrika oder Europa. Millionen Menschen sind auf der Flucht, ein Teil davon kommt nach Deutschland. Jeder Mensch, der vor Krieg flieht, sollte entscheiden dürfen, in welchem Land der EU er bleiben will und nicht zurück nach Ungarn abgeschoben werden, weil das sein erstes EU-Land war.  Wir dürfen nicht differenzieren, wer sofort eine Arbeitserlaubnis bekommt, oder zwei Jahre in einem Flüchtlingsheim leben soll, welches davor eine Produktionsfabrik war. Mein Appell an euch ist, setzt euch für mehr Frieden ein und behandelt alle Menschen gleich. Liebe Lampertheimer, ihr nehmt euch die Zeit, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen und zeigt damit, dass Lampertheim eine offene Stadt ist und Menschen, die vor Krieg fliehen, willkommen heißt.  Deswegen, im Namen der Integrationskommission, vielen Dank an alle, die heute hier sind.”

Lampertheim ist bunt – dies wurde im Rahmen des „Run against racism” im Stadtpark deutlich. Foto: oh

Und auch die Kinder waren gefragt: Unter dem Motto „Kinder haben ein Recht auf Frieden” hatte das katholische Familienzentrum St. Michael Hofheim zudem zu einer besonderen Aktion eingeladen: So konnten Friedenstauben aus Papier bemalt werden, die später überall in Lampertheim als weithin sichtbares Zeichen für den Frieden in die Bäume gehängt werden. Damit setzten die ersten interkulturellen Wochen in Lampertheim vielfältige Zeichen für Integration, Zusammenhalt, Frieden und Freundschaft. Benjamin Kloos

 

 

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