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07.02 Uhr | 8. April 2020

Die Tafeln kommen zu den Menschen  

Lions initiieren ein Gemeinschaftsprojekt zu Gunsten älterer Tafelkunden

BÜRSTADT/LAMPERTHEIM – Aufgrund der Corona Krise musste auch die Tafel Lampertheim mit den drei Ausgabestellen in Lampertheim, Rimbach und Bürstadt bis auf weiteres ihre Türen schließen. 

Bei der Entscheidung zur Schließung hatte die Gesundheitsvorsorge für die meist über 65 -jährigen ehrenamtlichen Mitarbeitenden die höchste Priorität.

Circa 1.500 Kundinnen und Kunden nutzen das Angebot frischer und gesunder Lebensmittel, die ehrenamtliche Mitarbeitende der Tafel seit mittlerweile über zehn Jahren einsammeln, aufbereiten und verteilen. 

Nun erleben diese ohnehin schon belasteten Menschen noch stärkere Einschränkungen.    

Insbesondere für die älteren Kundinnen und Kunden, die derzeit zur gesundheitlichen Hauptrisikogruppe gezählt werden und deshalb überwiegend zu Hause bleiben sollen, bedeutet die Einstellung des Tafelangebots nicht nur eine finanzielle Einbuße, sondern auch eine Verminderung ihrer sozialen Kontakte.   

Für Irene Finger, Leiterin des Diakonischen Werkes Bergstraße, in dessen Trägerschaft sich die Tafel befindet, stand deshalb schnell fest:  

„Als Diakonisches Werk Bergstraße stehen wir in diesen Zeiten vor vielen neuen Herausforderungen. Unsere originäre Aufgabe ist es zielgerichtet, schnell und unbürokratische Hilfe und Nächstenliebe zu leisten. So haben wir ein Hilfetelefon für Bürger eingerichtet, die aufgrund der Corona Krise in existentielle Not geraten (siehe Infobox). Gleichzeitig wollen wir auch die Menschen, die sich uns über viele Jahre hinweg anvertraut haben, jetzt nicht im Stich lassen. Eine Aufgabe sehen wir darin, ein bedarfsgerechtes Hilfsangebot für unsere älteren und wenig mobilen Tafelkunden bereitzustellen.“ 

Ein erfolgreiches Vorlaufprojekt konnte bereits in der Tafel Rimbach im Odenwald durchgeführt werden. In Zusammenarbeit mit freiwilligen jüngeren Helferinnen und Helfern des FC Fürth wurde das Projekt eines Notlieferdienstes ins Leben gerufen, der älteren Kundinnen und Kunden Lebensmittel kontaktlos nach Hause liefert.                

Einen solchen Notlieferdienst sollen es nun auch für die Kunden der Tafeln Lampertheim und Bürstadt im Ried geben. 

Da war das Angebot des Lions Club in Lampertheim sehr willkommen. Dem Lions Club Lampertheim ist die Unterstützung der Tafel Lampertheim in diesen schwierigen Zeiten ein besonderes Anliegen. Nachdem wegen der Corona Krise auch die regelmäßigen Aktivitäten des Lions Clubs vorerst eingestellt werden mussten, entschied sich der Vorstand im Rahmen einer Videokonferenz dazu, …“  eine Bewegung in Gang bringen zu wollen, mit der die geschlossenen Tafeln in Lampertheim und Bürstadt wieder angeschoben werden können. „, wie Frau Karin Salber, Präsidentin des Lions Clubs berichtet.

Nach der Absprache mit der Tafelkoordinatorin des Diakonischen Werkes Bergstraße, Dr. Ute Weber Schäfer wurde deutlich, dass das geplante Projekt eines Notlieferdienstes nur gemeinsam umgesetzt werden kann. Eine grundsätzliche Herausforderung bestand darin, eine ausreichende Zahl von jüngeren Helferinnen und Helfern zu finden, die für den Lieferdienst auch während normaler Arbeitszeiten zur Verfügung stehen können. Diese wichtige Voraussetzung war schnell gegeben.  Die Mitglieder des Lions Clubs zeigten sich begeistert von der Welle der Hilfsbereitschaft. Überwältigend viele Menschen haben ihre Mithilfe am geplanten Projekt eines Notlieferdienstes der Tafel Lampertheim und der Tafel Bürstadt angeboten.    

Gemeinsam mit den freiwilligen Helferinnen und Helfern aus den eigenen Reihen des Lions Clubs, des Rotary Clubs, des TV Lampertheim, des VFB Lampertheim, des Chores Ephata, des Boxclubs „Punching“ und des FC Olympia Lampertheim wurde in kurzer Zeit eine motivierte Unterstützergruppe zusammengestellt, die in Kooperation mit der Tafelkoordination des Diakonischen Werkes Bergstraße den Notlieferdienst an den Start bringen will.   

60 freiwillige Helferinnen und Helfer, die im Durchschnitt 45 Jahre alt sind, warten nun darauf einen solidarischen Beitrag in der Corona Krise zu leisten. Ausgangspunkt der Aktion sind die Räumlichkeiten der Tafel Lampertheim. 

Bei der Aktion wird der persönlichen Sicherheit der Helferinnen und Helfer immer der Vorrang gegeben. Die Lebensmittel werden von maximal vier Helferinnen und Helfern mit einem Sicherheitsabstand in Kisten verpackt. Die Teams sind mit Schutzmasken und Handschuhen ausgestattet. Anschließend werden die gepackten Kisten an die Fahrerteams übergeben, die ebenfalls mit Schutzmasken und Handschuhen ausgestattet sind.  

Die gefüllten Kisten werden den über 63-jährigen Tafelkundinnen und Tafelkunden aus Lampertheim und Bürstadt vor die Tür gestellt, die nach telefonischer Rückfrage durch ehrenamtliche Tafelmitarbeitende Ihren Bedarf nach Unterstützung erklärt hatten. Danach werden sie durch Klingeln und Telefonanrufe über die Warenlieferung informiert. Die Helferinnen und Helfer warten in einem Sicherheitsabstand von 2-3 Metern, bis die Waren von den Kundinnen und Kunden aus der Kiste entnommen worden sind. Anschließend werden die Kisten zur Tafel Lampertheim zurückgebracht und dort desinfiziert.

Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Tafeln in Lampertheim und Bürstadt haben eine Tafel-Hotline eingerichtet, bei der sich Tafelkundinnen und Tafelkunden für Fragen rund um die Tafel und den Not-Lieferdienst melden können (siehe Infobox). 

Alle am Aufbau des Notlieferdienstes Beteiligten freuen sich auf die Zusammenarbeit in dem Gemeinschaftsprojekt und hoffen, dass sie den älteren Tafelkunden eine Freude bereiten und ihnen hilfreich zur Seite stehen. zg

   

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