Sie sind hier: Home » Hofheim » „Die Kerb konn ma aach subba dahoam verbringe”
09.23 Uhr | 15. September 2020

„Die Kerb konn ma aach subba dahoam verbringe”

HOWWEMER KERB: Kerberedd digital zur Verfügung gestellt / Ökumenischer Gottesdienst auf dem Vorplatz der Balthasar-Neumann-Kirche

Der ökumenische Kerbegottesdienst in Howwe erfreute sich großer Beliebtheit. Foto: Petra Gahabka

HOFHEIM – Corona hat uns fest im Griff: Die Kerberedd nur online, wenn feiern, dann am besten daheim und in kleiner Runde. Geht alles, aber trotzdem wurden am vergangenen Wochenende das Kerbedorf, die Stände der Vereine mit dem vielfältigen Speisenangebot und Livemusik, der Rummelplatz sowie das Schubkarrenrennen von vielen sehr vermisst. 

In der Hauptstraße und an zahlreichen Häusern wehten die Fahnen mit dem Hofheimer Wappen, die Kerberedd und das Aufhängen des Kerbekranzes am Historischen Rathaus unter Mitwirkung des Evangelischen Posaunenchors war zuvor gefilmt worden und ist seit Samstagnachmittag im Internet abrufbar unter „Howwemer Kerb 2020“. Aufgrund der sehr dynamischen Corona-Situation habe der Arbeitskreis der Hofheimer Vereine die Entscheidung getroffen, die höchsten Feiertage im Ort dieses Mal anders zu feiern, sagt dessen Vorsitzender Jürgen Rettig im Video. Sein Dank galt allen Unterstützern der digitalen Variante. Auch Bürgermeister Gottfried Störmer zeigte sich erfreut, dass die Kerbeborsch und –mädels sich für diese Möglichkeit entschieden hatten. Er wünschte allen Hofheimern eine schöne Kerb, „aber bitte im privaten Bereich und mit Abstand und Maske“.

„In diesem Jahr ist alles anders, wir befinden uns in herausfordernden Zeiten“, so Ortsvorsteher Alexander Scholl in seinem Grußwort. Symbolische Aktionen wie das Fahnenhissen oder der ökumenische Gottesdienst sorgten dafür, dass die Kirchweih nicht ganz geräuschlos verlaufe. Ein großes Lob gebührt dem Verein Howwemer Kerbeborsch und –mädels, die auch in diesem Jahr wieder eine 60-seitige Kerbezeitung herausgebracht und an alle Haushalte verteilt haben. Die Kerb hatte eine kleine Gruppe um den Vorsitzenden Marco Knecht ohne großes Aufsehen ausgegraben, und auch die Rollenfahrt durch den Ort fand in abgespeckter Form statt. Gelegentlich stoppte der Traktor und die Anwohner kamen in den Genuss einer musikalischen Einlage. Die Hofheimer hielten es am Wochenende mit Kerbevadder Robin Vollhardt, der in seiner Kerberedd meint: „Die Kerb konn ma aach subba dahoam verbringe, ma muss blooß viel trinke, lache unn singe“. 

„Des dabbisch Virus hot a uns in Howwe getroffe“, doch langsam komme wieder Leben ins Dorf, so Vollhardt. Der Posaunenchor habe den Probebetrieb wieder aufgenommen und sei „Vorbild über die Stadtgrenzen hinaus“. Über die Übungsstunde auf der Wiese hinter der Kirche habe sogar Radio FFH berichtet. Auch „de Bauer Back“ habe, als die letzte Metzgerei in Hofheim dichtmachte, eine gute Idee gehabt. Er veranstaltet nun in seinem Hof einen Markt. „Fer Genießer soll der soi, newer Worscht und Brot gab´s fer die Besucher ach Woi“. Leider musste der Ausschank eingestellt werden, wenn es diesen wieder gebe, empfehle sich der Einkauf zu Fuß. Die Schließung der Sparkassenfiliale bezeichnete er als eine Riesensauerei. „Dene geht es net um uns Kunde, sondern nur ums Geld.“ Aber da sei ja noch eine weitere Bank im Ort. „Wer die hässliche Seite vun Howwe will sehe, der braucht bloß zum Bahnhof gehe.“ Kaum sei entschieden gewesen, dass der Vorplatz neu gemacht wird, hätten die Lampertheimer die gleiche Idee gehabt. „Do hab ich dann erscht e mol gelacht, dass Lambade de Howwemer was nochmacht.“  

Live war dann der ökumenische Gottesdienst am Samstagabend auf dem Vorplatz der Balthasar-Neumann-Kirche, der sich großer Beliebtheit erfreute. Um die Hygienevorschriften einhalten zu können, war die Besucherzahl auf  200 begrenzt. Der katholische Pfarrer Adam Malczyk dankte allen, „die gekommen sind und dazu beigetragen haben, dass wir die Tradition der Kirchweih aufrecht erhalten können“. Sein evangelischer Kollege, Pfarrer Holger Mett, machte seine Predigt am Thema Corona fest. Die Pandemie habe raue und laute Töne hervorgebracht, „aber wie gut, dass es auch die sanften gibt“. In der Krise seien viele Zeichen der Hoffnung sichtbar geworden, auch in Hofheim. So bot die Pfarrgemeinde St. Michael Weihwasser to go an, Mitglieder des Posaunenchors spielten vom Balkon aus, und Pastor Matthias Luz von der Liebenzeller Gemeinde stellte Gottesdienste ins Internet. „Obwohl wir Abstand halten mussten, sind wir uns näher gekommen“, so Mett. Zum Abschluss erklang der „Howwemer Kerbemarsch“, eine Premiere beim ökumenischen Gottesdienst. Mitsingen war den Besuchern nicht erlaubt, dafür gab es begeisterten Applaus und Standing Ovations für den Evangelischen Posaunenchor unter der Leitung von Dirk Hindel. Petra Gahabka

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Schreiben Sie einen Kommentar

5 + 3 =
7 + 6 =
5 + 5 =