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13.14 Uhr | 22. Juli 2021

Die Botschaft: Geld nötig und die Barriere wegschieben

GUNTER LUTZI: Besuchstour über 800 Kilometer in drei Wochen zu allen 23 hessischen Hospizen  

Gunter Lutzi hat mit seiner Reise viel bewegt. Auch in seiner Heimatgemeinde Biblis kann er auf Unterstützer zählen. Im Bild (von links) mit Bürgermeister Volker Scheib, Wilhelm Neumann von der TG Biblis und Ehefrau Roswitha. Foto: Hannelore Nowacki

BIBLIS – Gunter Lutzi hatte am Dienstagmorgen einen Pressetermin mit Bürgermeister Volker Scheib im Rathaussaal, am vorherigen Samstag erst war er von seiner dreiwöchigen Besuchstour zurück, die ihn vorwiegend zu Fuß wandernd zu allen 23 hessischen Hospizen von Kassel über Frankfurt zurück nach Bensheim geführt hatte. „Die letzten Tage war ich platt“, sagte er. Kein Wunder, wenn man von morgens bis abends für Presse, Radio und Fernsehen für unzählige Interviews bereit steht und viele Kilometer gewandert ist. Einmal waren es fast 32 Kilometer an einem Tag. An einigen Tagen fuhr er mit dem Rad, er konnte in Oldtimern und im Beiwagen eines Motorrades mitfahren, einmal bestieg er eine Pferdekutsche und fuhr im Motorboot mit. Auch eine Fahrt im „Wünschewagen“ und im „Herzenswunsch-Mobil“ war ihm vergönnt. Meistens hatte er Weggefährten an seiner Seite, aus Biblis, Künstler, Musiker, Sportler, Stifter und auch Politiker, die er von ihrer privaten Seite kennenlernte. Bei der letzten Etappe schlossen sich ihm Landrat Christian Engelhardt und die Bensheimer Stadtverordnetenvorsteherin an. Sogar ein Hospizgast kam mit. Manchmal waren es bis zu 20 Mitläufer und –fahrer. Abends schrieb er das Erlebte in sein neu angelegtes Tagebuch. Wenn seine Frau Roswitha ihn abends um elf Uhr anrief, habe er oft noch über den Einträgen gesessen. Auf ihren telefonischen Weckruf morgens um sechs Uhr konnte er sich verlassen. Zweimal hatte sie ihn unterwegs für eine Etappe besucht. Beim Gespräch im Rathaus vier Tage nach dieser ungewöhnlichen Reise war ihm von diesen Anstrengungen äußerlich nichts anzumerken, aber sichtlich erfüllt von guten Eindrücken. Warum sollte man sich als Pensionär im Ruhestand drei Wochen lang so anstrengen, die meisten Etappen zu Fuß zurücklegen, um alle 23 Hospize im Land zu besuchen und ganz ungewohnt im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen? Die Antwort auch liegt im ehrenamtlichen Engagement für das Bensheimer Hospiz, denn Gunter Lutzi hat dort schon viele Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Gäste werden sie im Hospiz genannt und Gunter Lutzi weiß aus Erfahrung, dass diese Gäste häufig starke Menschen sind. Auch während seiner Wanderschaft war dieses Band der gegenseitigen Wertschätzung fühlbar und sichtbar. Lutzis Pfarrer, den er „seinen Pfarrer“ nennt, hatte ihm Herzensbotschaften aus dem Bensheimer Hospiz übermittelt. Sterbenskranke Menschen sendeten ihre guten Wünsche in Sprech- und Videonachrichten. Bürgermeister Scheib hatte das Gespräch mit einem Dank eingeleitet: „Wichtig war für uns, danke zu sagen, dass du dich auf den Weg gemacht hast, für etwas, was zum Leben dazugehört“. Die letzte Lebensphase habe sich mittlerweile in das System integriert, aber nicht ins Bewusstsein. Und immer noch müssten sich die Hospize zum Teil privat finanzieren. Und das ist ein Problem. Gunter Lutzi wollte daher mit seiner Besuchstour ins Bewusstsein rücken, dass die Hospize neben der menschlichen Zuwendung auch Geldmittel brauchen. Seine klare Botschaft: Der Tod gehört zum Leben. Die Hospize brauchen Geld. Wichtig ist ihm, dass das Thema in der Öffentlichkeit präsent wird, die Barriere in den Köpfen wegzuschieben. Bürgermeister Scheib hatte einen Scheck über 200 Euro für das Hospiz in Bensheim vorbereitet, Geld aus dem Budget für repräsentative Aufgaben. Was war für Gunter Lutzi am eindrucksvollsten? Seine Antwort darauf ist eine ganze Erzählung, weil das Erlebte nicht in wenige Worte passt, aber zu allererst: „Die Begegnung mit den Menschen war das Eindrucksvollste“. Bewegt hatten ihn die Menschen, die mitlaufen wollten, die ihm erzählten, dass sie austherapiert seien und sterben werden. Dankbar ist er Anika Frickel, die im Hospiz Bensheim die Ehrenamtsarbeit koordiniert und die bei seiner Reise alles im Hintergrund organisiert hat. In jedem Hospiz war der Empfang einzigartig, immer eine gute Stimmung. Manchmal war er allein unterwegs, dann habe er seine Gedanken bereinigt. Ein Tütchen mit einem Samen-Mix aus dem Hospizgarten hatte Gunter Lutzi für die Teilnehmer am Pressegespräch mitgebracht. Bei der TG Biblis ist seine Botschaft angekommen – beim Kindersommerfest hatte der Abteilungsleiter Handball Wilhelm Neumann das Spendenhaus des Hospizes Bergstraße aufgestellt. In täglichen Blogs, Bildern und Videos ist die Reise dokumentiert. Informationen unter www.hospiz-bergstrasse.de/de/aktuelles/hospiz-lauf.php Hannelore Nowacki

Gunter Lutzi, nach drei erlebnisreichen, anstrengenden Wochen voller Elan. Foto: Hannelore Nowacki

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Geschrieben in Biblis und Ortsteile, Lokal

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