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10.42 Uhr | 30. Dezember 2020 | PR-Anzeige

„Corona – auch für uns die Situation neu”

Markus Kern kritisiert Umgang mit Bestattern / Würdevolles Begräbnis sollte im Vordergrund stehen

Wirbt um mehr Verständnis für Bestatter in Corona-Zeiten: Markus Kern. Foto: Benjamin Kloos

BÜRSTADT/LAMPERTHEIM – „Das Telefon klingelt, die Mitteilung eines Mitarbeiters lautet: Schon wieder ein Corona-Toter – und da spielt es für uns keine Rolle, ob ein alter oder ein junger Mensch verstorben ist”, weiß Markus Kern vom Lampertheimer und Bürstädter Bestattungshaus Kern. Fakt ist: Die Menschen müssen, wie auch schon zuvor andere Verstorbene, würdevoll zu Grabe getragen werden. Das ist derzeit nicht einfach, denn die Einschränkungen sind enorm und oftmals für Angehörige nicht zu verstehen. Man stelle sich vor, die Familien können nicht einmal im Heim oder im Krankenhaus Abschied nehmen, können die Hand des Sterbenden nicht halten oder begleitende Worte mit auf den Weg geben… Das ist furchtbar und das Schlimmste überhaupt.

Damit müssen Markus Kern und seine Mitarbeiter umgehen, Tag für „Quälende Masken, die während der Trauerfeier aufgesetzt werden müssen, keine Umarmungen – stattdessen fragen wir nach Namen und Adressen der Trauergäste. Wer entscheidet, wer mit darf zur Beerdigung, oder soll die Trauerfeier als Video aufgezeichnet werden, damit Angehörige wenigstens hier etwas Abschied nehmen können? All das sind Fragen, die uns derzeit stark treffen und alles irgendwie schrecklich machen. Dabei ist Abschied nehmen so wichtig”, betont Markus Kern. „Man macht sich schon seine Gedanken darüber, wann dies alles endlich einigermaßen wieder geregelt ablaufen wird.” Doch Markus Kern und seine Mitarbeiter wissen auch, dass uns diese Zeit noch lange begleiten wird. Da kommen die Mitarbeiter des Bestattungshauses oft an ihre Grenzen, denn es sind Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten – eine Infektion der Mitarbeiter wäre hier katastrophal. „Wir schützen uns, so weit es geht und gehen kein Risiko ein. Und doch hat der würdevolle Umgang mit Verstorbenen höchste Priorität. 

„Schwer fällt oft, wie wir den Angehörigen dies alles vermitteln wollen. Viele haben dafür oft kein Verständnis – doch wir haben die Vorschriften doch auch nicht gemacht. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen”, so Markus Kern, der wie seine Mitarbeiter auch schon oft angepöbelt und beschimpft wurde. „Und es ist uns nicht daran gelegen, eine Trauerfeier abbrechen zu müssen, wenn die Trauergäste keine Maske aufziehen oder zu viele Menschen in der Trauerhalle sind.”

Häufige Sorgen bereitet das Parkproblem am Bürstädter Friedhof. Da wird die Einfahrt zugeparkt, „so dass wir mit dem Leichenwagen oft nur schwer den Friedhof passieren können. Als wir die betreffende Person darauf ansprachen kam die Antwort ‚Dann fahrt halt nochmal außen rum, bis dahin bin ich weg.‘ Das sind Dinge, die können wir nur schwer nachvollziehen. Oder bei der Trauerfeier, wo die Anzahl der Sitzplätze begrenzt ist und den Angehörigen vorbehalten bleibt – auch hier kommt öfter Unverständnis auf”, ergänzt Markus Kern. 

„Alles in allem ist dies eine noch nie dagewesene Situation, und doch haben wir alles bislang immer gut meistern können, solange die Trauergäste mitspielen. Für uns hat die Bestattung im würdevollen Rahmen ein ganz wichtiges Augenmerk und das wollen wir allen Menschen, die das Liebste verloren haben, zu jeder Zeit ermöglichen. Doch dazu braucht es das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger. Schlimm genug, wenn die Todeszahlen weiter in die Höhe gehen und man Angst haben muss, wie man Abschied nehmen darf, wenn überhaupt”, so Markus Kern weiter. Er fordert für die Branche und seine Mitarbeiter großes, gesundes Verständnis, „damit wir zufrieden durch eine ganz schlimme Zeit kommen werden. Auch wir sind nur Menschen, die sich Tag für Tag dafür einsetzen, dass Menschen, und um die geht es, würdevoll bestattet werden. Wir versehen unseren Dienst mit Respekt, sind weder kühl noch gleichgültig und somit haben wir auch das Recht, fair behandelt und respektiert zu werden. Denn die Mitarbeiter leisten derzeit Großartiges und dafür habe ich Hochachtung auf der ganzen Linie.” zg

 

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Geschrieben in Aus der Geschäftswelt

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