Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Bunter Protest von Eltern, Lehrkräften und Kindern 
10.30 Uhr | 30. Juni 2020

Bunter Protest von Eltern, Lehrkräften und Kindern 

SPRACHHEILABTEILUNG: Demonstration für Verbleib in Bürstadt / Kreistag hat Verlagerung nach Heppenheim beschlossen

Alle gemeinsam, Eltern, Kinder und Lehrkräfte, machten vor der Kreistagssitzung am Montag klar, dass die Sprachheilabteilung in der Bürstädter Schillerschule bleiben soll. Foto: Hannelore Nowacki

BENSHEIM – Ein Regenguss hatte auf dem Parkplatz einige Pfützen hinterlassen, aber rechtzeitig zur Protest-Kundgebung gegen die Verlagerung der Sprachheilabteilung von Bürstadt nach Heppenheim sorgte die Sonne für eine heitere Grundstimmung. Zuversicht war zu spüren, dass die Bemühungen der letzten Wochen doch noch Erfolg haben werden und die Politiker in der Kreistagssitzung der Verlagerung nicht zustimmen oder zumindest die Entscheidung noch einmal vertagt wird. Gut eine Stunde vor der entscheidenden Kreistagssitzung in der Weststadthalle hatten sich Eltern mit ihren Kindern, Lehrkräfte der Sprachheilabteilung in der Schillerschule und ihre Kollegen der Grundschule auf dem Parkplatz gegenüber der Weststadthalle verabredet, um dann mit ihren Plakaten, großen Transparenten und vielen bunten Luftballons über die Brücke zu laufen und an den Eingängen der Weststadthalle Position zu beziehen. „Der Landrat fällt den Baum, der über 25 Jahre gewachsen ist“, war auf weißem Tuch groß geschrieben. Ein gemaltes Plakat mit Baum und Säge verkündete „Wir werden abgesägt“. Zu lesen war „Wir leben Inklusion“ und „Hier soll getrennt werden, was zusammengehört!!“ Ins Herz geschlossen haben Kinder und Eltern den Standort Bürstadt, wie die prall gefüllten Herzluftballons zeigten. Sprachheillehrerin Katja Iacubino und Grundschullehrerin Sina Konradt berichteten im Gespräch mit dem TIP begeistert vom neuen Pilotprojekt mit dem Namen „Koonklusion“, das im neuen Schuljahr ab August mit einer gemeinsamen 1. Klasse startet und Kooperation mit Inklusion verbinde. Zwei Klassensäle nebeneinander, Kinder mit und ohne Förderbedarf lernen gemeinsam, bleiben jedoch als zwei eigene Klassen erhalten. Ein „Teamteaching“, das im Kreis Bergstraße einmalig sei. Das gesamte Kollegium der Schillerschule trage dieses Pilotprojekt mit und die Eltern begrüßten es sehr. „Kinder gehen mit Kindern ganz natürlich um“, wissen die beiden Pädagoginnen aus Erfahrung. Gemeinsam werden die Pausen, Ausflüge und vieles mehr erlebt. Als Erfolg der Zusammenarbeit sehen die beiden auch, dass es Kindern gelinge von der Förderschule auf die Realschule und das Gymnasium zu wechseln. Zudem seien Netzwerke für die Inklusion in Bürstadt über die Jahre aufgebaut worden. 

Der Kreistag hat für Heppenheim entschieden

Mit 70 Teilnehmern einschließlich der Kinder hatten die Organisatorinnen vom Elternbeirat, Kirsten Bayer und Melanie Waaga, gerechnet und diese bei der Polizei angemeldet, aber auch die etwa 40 anwesenden Teilnehmer werteten sie als Erfolg. Absagen hatten sie vor allem erhalten, weil die Eltern arbeiten mussten. Die beiden Elternvertreterinnen haben anschließend die öffentliche Kreistagssitzung besucht und das Ergebnis hautnah erlebt. Kirsten Bayer teilte dem TIP später mit, dass nach über zwei Stunden Debatte alle Änderungsanträge abgelehnt wurden und der Schulentwicklungsplan beschlossen ist. In den Wochen zuvor hatten die Elternbeirätinnen Kontakt zu den Parteien aufgenommen und auf positive Resonanz gehofft. In einem kurzen Gespräch mit Landrat Christian Engelhardt am Montag habe sie ihm gesagt, dass eine solche Inklusion wie sie derzeit in Bürstadt gelebt wird, am neuen Standort Heppenheim nicht geben werde. Die FDP habe die Entscheidung vertagen wollen. Die Grünen hatten den Antrag auf Erhalt der Sprachheilabteilung in Bürstadt gestellt, dem aber nur 16 Abgeordnete zustimmten, die anderen stimmten dagegen, wie Kreistagsmitglied Marius Schmidt (SPD) dem TIP auf Anfrage noch am Montagabend mitteilte. Dem Schulentwicklungsplan haben demnach 34 Abgeordnete zugestimmt, bei zwei Gegenstimmen und elf Enthaltungen wurde der Schulentwicklungsplan beschlossen. Schmidt spricht von einer schwierigen Entscheidung und langer Diskussion. „Was aber wichtig ist: die Garantie wurde gegeben, dass alle derzeitigen Schüler ihre Schullaufbahn dort bis zum Ende führen können“. Damit könnte zumindest eine Sorge der Kundgebungsteilnehmer genommen sein, die sie zuvor dem TIP gegenüber geäußert hatten, dass es diese Garantie bislang nicht gegeben habe. Hannelore Nowacki

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen