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18.52 Uhr | 15. Oktober 2020

Besuchseinschränkungen in Krankenhäusern und neue Maßnahmen an Schulen

CORONA: Allgemeinverfügung des Kreis Bergstraße tritt am Samstag in Kraft / Appell an Bürgerinnen und Bürge

Damit das Virus keine Chance hat: In Krankenhäusern gilt aufgrund einer Allgemeinverfügung des Kreis Bergstraße ab Samstag eine strengere Besuchsordnung. Foto: www.pixabay.com

KREIS BERGSTRASSE – Es ist eine ernste Situation: Die Anzahl der aktuell an Corona Infizierten steigt derzeit sprunghaft an, am Donnerstag lag der Wert bei mehr als 35 Infizierten pro 100.000 Einwohnern. Diese Entwicklung bereitet auch der Kreisspitze zunehmen Sorgen, die an alle Bürgerinnen und Bürger appelliert, ihr persönliches Verhalten an die derzeitige Entwicklung anzupassen. Darüber hinaus gilt ab Samstag eine neue Allgemeinverfügung, die Landrat Christian Engelhardt erläuterte.

„Wir haben derzeit die höchste Inzidenzzahl im Kreis Bergstraße, die wir in der gesamten Corona-Pandemie hatten. Dies ist die Situation im Kreis Bergstraße, aber auch in ganz Deutschland, wir sind noch immer unter dem hessischen Durchschnitt”, betonte Landrat Christian Engelhardt zu Beginn. „Und wir haben im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarländern noch immer eine sehr gute Position, gleichwohl haben wir ein starkes Wachstum, und dies hat Konsequenzen für das öffentliche Leben. Wenn man jetzige Situation bewertet, sollte man aber auch bedenken, dass im Vergleich zum Beginn der Pandemie die Fallzahlen jetzt so hoch sind, weil viel mehr getestet wird. So wird der Virus auch bei Personen nachgewiesen, die keine oder nur leichte Symptome zeigen.” Gleichwohl blickt der Landrat mit Sorge auf die Quote der positiven Tests. Bei 1,1 Millionen Tests in Deutschland pro Woche liegt diese derzeit bei 2,48 – und damit viermal so hoch wie noch im August. „Daraus lässt sich ableiten, das sich Anzahl der Infizierten in der Bevölkerung stark gesteigert hat und dies führt dazu, dass seitens des Bundes und der Länder, aber auch des Kreises gehandelt wird. Das Anliegen ist dabei nicht, jede einzelne Infektion zu verhindern, dies ist nicht machbar. Vielmehr geht es darum, die Funktionsfähigkeit des öffentliches Gesundheitswesens aufrecht zu erhalten und die Kontaktermittlung weiter zu ermöglich, um Infektionsketten zu unterbrechen”, so der Landrat weiter, der die Weiterführung des Konzeptes des regionalen Handelns, welches vom jeweiligen Infektionsgeschehen vor Ort abhängig ist, begrüßt.

Maßnahmen im Kreis

Für den Kreis Bergstraße gibt es gleich mehrere neue Maßnahmen, einerseits im Rahmen einer Allgemeinverfügung und andererseits auch aufgrund der gemeinsamen Beratung mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die folgende Punkte als Empfehlungen der Städte und Gemeinden beschlossen haben: So führen die Kommunen keine eigenen Veranstaltungen mehr durch, die mehr als 50 Teilnehmer haben. Zudem gilt für Mitarbeiter der Verwaltungen in städtischen Einrichtungen und Gebäuden Maskenpflicht auch auf den Fluren. Und es werden keine Jubilare wie bei runden Geburtstagen oder Goldenen Hochzeiten mehr besucht, aus Rücksicht auf diese Personengruppe.

„Darüber hinaus erlassen wir eine Gemeinverfügung, die ab diesem Samstag für alle Bürgerinnern und Bürger gilt”, so Landrat Engelhardt. In dieser wird eine Maskenpflicht in Gastronomie- und Übernachtungsbetrieben beim Betreten und Verlassen der Einrichtungen festgesetzt, diese gilt nicht für Menschen, die aufgrund von Erkrankungen keine Maske tragen können sowie für Kinder unter sechs Jahren. In Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, in denen eine den Krankenhäusern vergleichbare medizinische Versorgung erfolgt, sollen Besuche stärker gesteuert werden. Das Gleiche gilt für Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter oder pflegebedürftiger Menschen Aufgrund der steigenden Fälle in Flüchtlingsunterkünften wird in den entsprechenden Einrichtungen der Besuch ab sofort untersagt. „Die Bewohner dürfen die Einrichtungen verlassen, aber es wird keine externen Besucher mehr geben”, so Landrat Engelhardt.

„Darüber hinaus wird zum jetzigen Sachstand die Anzahl von zulässigen Besuchern bei Veranstaltungen nicht eingrenzt. Derzeit sind 250 Personen möglich und wir wollen denjenigen, die ein gutes Hygienekonzept haben ermöglichen, diese Veranstaltung durchführen zu können. Veranstaltung ab 100 Personen müssen aber nun angemeldet werden.“

Veränderungen gibt es auch im Bereich der Schulen: So wird verfügt, dass in Grundschulen der Unterricht nur noch im Klassenverband stattfindet. In Berufsschulen und Oberstufen der Gymnasien muss im Unterricht ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Und in der Mittelstufe ist ein Mund-Nasen-Schutz dann Pflicht, wenn in gemischten Klassen unterrichtet wird, dies soll aber unterbunden werden. Zudem wird den Schulen dringend geraten, Lehrer nur in sogenannten entsprechenden Kohorten einzusetzen, um eine Durchmischung in den Schulen zu verhindern.

Infektionszahlen steigen stark

Obwohl eigentlich derzeit im Urlaub steht auch die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz in engem Austausch mit dem Landrat sowie dem Gesundheitsamt und nahm ebenfalls an der Videokonferenz teil. Bezüglich der Infektionszahlen erläuterte sie, dass diese weiter ansteigen – wobei es auch wieder schwere und schwerste Verläufe

gibt. „Leider sind wieder zunehmend ältere Personen und Pflegeeinrichtungen betroffen, so liegt der Anteil bei den über 80-Jährigen bei den aktuellen Fällen bei vier Prozent und bei den 60- bis 80-Jährigen bei gut 11 Prozent – leider steigen die Zahlen hier stark an”, so Diana Stolz. Bezüglich der Infektionsorte ergänzte sie: „Wir haben kein Großereignis oder den einen Ort, an dem sich Menschen infizieren, sondern ganz unterschiedliche Infektionsereignisse überall im Kreis. Was wir aber auch haben und was neu ist: Zu Beginn der Ermittlungen ist jetzt bei vielen Fällen nicht bekannt, wo genau sich die Menschen angesteckt haben, dies ist besorgniserregend. Das hat nichts mit der Kontaktnachverfolgung zu tun, das Gesundheitsamt ermittelt weiterhin, mit wem die Infizierten selbst Kontakt hatten.”

Derzeit sind vier Flüchtlingsunterkünfte, eine Kita und vier Pflegeeinrichtungen betroffen – darunter eine in Biblis – sowie die Reha-Klinik Schloss Falkenhof in Bensheim, in der sechs Personen infiziert sind. 

Aufgrund der aktuellen Entwicklung gelten auch an Schulen strengere Regeln: Oberstufen- und Berufsschüler müssen im Klassenraum eine Mund-Nasen-Maske tragen. Foto: www.pixabay.com

Appell an Bürgerinnen und Bürger

Mittlerweile gibt es nur noch wenige Infizierte, die sich im Ausland und in innerdeutschen Gebieten anstecken, dafür viele, die sich bei Kontaktpersonen im Kreis anstecken. „Es ist ein buntes und vielschichtiges Geschehen, dass uns dazu führt, dass wir schauen müssen, mit unseren Maßnahmen in die Fläche zu gehen”, betonte die Erste Kreisbeigeordnete, die einen großen Appell an die Bürgerinnen und Bürger richtete: „Keiner von uns möchte einen Lockdown und wir wollen auch nicht nur mit Verboten arbeiten. Daher sollte jeder für sich überlegen, was für ihn persönlich sinnvoll ist und jeder sollte eigenverantwortlich handeln – es müssen ja nicht immer alle Grenzen des Erlaubten ausgereizt werden.” Mit Blick auf mögliche weitere Einschränkungen ergänzte sie: „Sollten Verbote nötig werden, werden wir diese erlassen, aber wir können dies verhindern, wenn jeder seinen Beitag dazu leistet, dass das Infektionsgeschehen eingeschränkt wird. Wir wollen keinen Lockdown und auch, dass die Schulen geöffnet bleiben. Bitte halten Sie sich an die noch milden Maßnahmen, überlegen Sie, was in Ihrem persönlichen Umfeld wichtig ist und auf was sie verzichten können, damit es zu keinen weiteren Einschränkungen gibt.” Benjamin Kloos

Info

Die genauen Regelungstatbestände und Ausnahmen können in der Allgemeinverfügung nachgelesen werden. Die Allgemeinverfügung wird am Samstag, den 17.10.2020 in den Bekanntmachungsorganen des Kreises Bergstraße veröffentlicht. Außerdem wird sie auf der Homepage des Kreises Bergstraße unter www.kreis-bergstrasse.de abrufbar sein.

 

 

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