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Berührender Verabschiedungsgottesdienst und offene Worte

Pfarrer Erhard Schmitt feierlich in Pfarrei Mariä Verkündigung verabschiedet

In der katholischen Pfarrkirche Mariä Verkündigung fand der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Erhard Schmitt statt. Am Altar Pfarrer Angelo Stipinovich, Pfarrer Erhard Schmitt, Pfarrer Patrick Fleckenstein und Pfarrvikar Virginijus Grigutis. Foto: Hannelore Nowacki


LAMPERTHEIM – Pfarrer Erhard Schmitt hat sich am Samstagabend in der Pfarrkirche Mariä Verkündigung von seiner Gemeinde und allen Lampertheimern verabschiedet, die ihm in den fast zehn Jahren seines Wirkens begegneten und begleiteten. Die zahlreichen Gottesdienstbesucher, unter ihnen auch Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft sowie evangelische Amtskollegen, erlebten einen Gottesdienst, der in seiner menschlichen Offenheit sowohl berührte wie auch erklärte und aufrütteln sollte. Mit Pfarrer Erhard Schmitt, der seit 1. Februar dieses Jahres in der Viernheimer Pfarrei St. Hildegard und St. Michael als Pfarrvikar tätig ist, zelebrierten Pfarrer Patrick Fleckenstein von der Lampertheimer St.-Andreas-Gemeinde, Pfarrvikar Virginijus Grigutis von der Hüttenfelder Herz-Jesu-Gemeinde und der Viernheimer Pfarrer Angelo Stipinovich den Gottesdienst, der die Gläubigen auch zur Eucharistiefeier einlud. Gleich zu Beginn sprach Pfarrer Erhard Schmitt aus, was ihn sichtlich zutiefst bewegt: „Wenn ich ehrlich bin, ist mir alles andere zumute als zu jauchzen und zu singen“, so wie es die aktuelle Losung nahelege. Zum ersten Mal seit Oktober stehe er hier vorne – „von heute auf morgen war ich hier weg“. Wichtig sei Dynamik in der Pfarrei, aber das habe er nicht leisten können. Doch viel Positives habe er in den letzten Monaten erfahren. „Wir als Priester brauchen Menschen, die uns zur Seite stehen“, appellierte er an die Zuhörer, „es war schwer“. In Viernheim sei er herzlich aufgenommen worden, aber der Lampertheimer Kirchenmusik werde er als Vereinsmitglied treu bleiben. Viel Gutes habe er im Miteinander erfahren. „Ich bitte um Verzeihung, wenn ich jemandem auf die Füße getreten habe, ihn verletzt habe“. Eine fast atemlose Stille war zu hören, bevor das nächste Lied, das „Kyrie, eleison“ erklang. Nach der Lesung zur Apostelgeschichte und Liedern ergriff Pfarrer Stipinovich das Mikrofon, ging mitten unter die Gottesdienstbesucher und hielt eine außergewöhnliche Predigt mit Bezug zu Papst Franziskus, eine eindringliche Ansprache mit einem leidenschaftlichen Appell für den guten Umgang, für Verständnis, auch wenn der Priester perfekten Ansprüchen nicht genüge. Dabei sprach er die älteren Gemeindemitglieder an, von denen wohl niemand geahnt habe, dass eines Tages in Lampertheim nur noch ein Pfarrer da sein würde, in einer Kirche, die mit so viel Herzblut gebaut worden sei. „Früher hat es das auch nicht gegeben, dass ein Pfarrer vor euch steht und um Vergebung fleht, dass ein Pfarrer unter einer Depression leidet, das passt nicht zum Priesterbild, das wir im Herzen tragen – und es ist längst überfällig, dass wir uns von einem solchen Priesterbild verabschieden“. Pfarrer Stipinovich machte darüber hinaus mit Nachdruck deutlich: „Euch ist ein großer Dienst erwiesen worden durch die Ehrlichkeit eures Gemeindepfarrers“. Was macht einen Priester heute und zukünftig aus, wie geht die Gemeinde mit ihm um? Fragen, die Pfarrer Stipinovich für sich menschlich wie auch theologisch begründet beantwortet. Kleine Dinge in großartiger Weise zu erledigen, so könne jeder ein Heiliger werden. „Nein, perfekt war er nicht, ich auch nicht“, räumte Pfarrer Stipinovich ein, „aber manchmal spüren wir, dass eine Gemeinde es von uns erwartet“. Es sei aber auch nicht Gottes Anforderung perfekt zu sein. Den bekannten Theologen Karl Rahner zitierte er mit den Worten: Der Priester sei kein Engel, der vom Himmel geschickt ist, er ist ein Mensch, er bleibt ein Mensch“. Sein Wunsch: Mit Pfarrer Fleckenstein gut umgehen, sonst werde auch er krank. Seinem Amtsbruder Erhard Schmitt sagte er Dankeschön für seinen Dienst und für alles Gute, was er dieser Stadt und der Gemeinde getan habe. „Ich bin heilfroh, dass du bei uns in Viernheim einen Platz gefunden hast“. Ergriffener Applaus folgte. Das Orchester der Katholischen Kirchenmusik, dirigiert von Markus Niebler, spielte einige Stücke mit einem besonderen Bezug zu Pfarrer Schmitt wie den Choral „Eventide Fall“, den dieser immer gerne gehört habe, wie Niebler im Gespräch mit dem TIP erklärte. Hermann Wunderle, Organist in Viernheim und Kirchenchorleiter in Hüttenfeld, schuf als Gesangssolist bewegende Klangbilder, wofür ihm Pfarrer Schmitt dankte. Hannelore Nowacki

Pfarrer Erhard Schmitt sprach zum Abschied beim Empfang im Jugendheim. Foto: Hannelore Nowacki


Information

Der Einladung zum anschließenden öffentlichen Empfang zur Verabschiedung von Pfarrer Schmitt im Jugendheim waren zahlreiche Gäste gefolgt. Mehrere offizielle Grußworte richteten sich an Pfarrer Erhard Schmitt beim Empfang im Jugendheim, nachdem die Gäste Gelegenheit hatten, sich am Büffet zu stärken und bei einem Glas Sekt miteinander ins Gespräch zu kommen. Unter dem Eindruck des Gottesdienstes hatte Bürgermeister Störmer nach eigenem Bekunden seine Grußworte geändert. Es zeuge von großer innerer Stärke, meinte Störmer, wenn sich der Pfarrer so vor die Gemeinde stellt, wie Pfarrer Schmitt es im Gottesdienst getan habe. Als Geschenk überreichte er den „Lampertheimer Korb“ mit allem, was gut schmeckt. Eine humorvolle Rede hielt der evangelische Amtskollege Pfarrer Ralf Kröger von der Martin-Luther-Gemeinde, der von der guten Zusammenarbeit und der Seelenverwandschaft berichtete und einige Abschiedsgeschenke überreichte. Pfarrer Sven Behnke von der Lukasgemeinde hatte den „Lukastropfen“ mitgebracht. Im Rückblick auf die lange Zusammenarbeit in der Gemeinde fasste Margareta Hofmann, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, viele schöne Momente und prägende Ereignisse zusammen. Auch die Ministranten verabschiedeten sich mit einem Geschenk. Pfarrer Schmitt sagte rückblickend, er habe nicht alles verwirklichen können, was er bei seiner Amtseinführung im August 2008 plante. Viernheim sei nicht weit, so dass sich die Wege kreuzen können. Hannelore Nowacki

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Geschrieben in Lampertheim und Stadtteile, Lokal am 17. April 2018

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