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09.23 Uhr | 23. Februar 2021

Anwohner rund um die Poststraße fühlen sich im Stich gelassen 

POSTSTRASSE: „Schmuckstück” soll Mehrfamilienhaus weichen / Appell an Stadtverordnete, Lebensqualität für Bürger zu erhalten

Viel Wirbel in der Poststraße: Hier soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Die Anwohner wehren sich gegen die aus ihrer Sicht übergroße Bebauung – und fühlen sich seitens der Stadt im Stich gelassen. Foto: Benjamin Kloos

LAMPERTHEIM – Die Anwohner der Stein-, Karl- sowie der Poststraße sind fassungslos: Ein privater Vorhabenträger beabsichtigt den Neubau eines Mehrfamilienhauses in der Poststraße Nr. 2 in Lampertheim. Das gegenwärtige Bestandsgebäude soll im Zuge des Mehrfamilienneubaus abgebrochen werden. Durch das geplante Bauvorhaben sollen 14 neue Wohnungen bereitgestellt werden. „Diese Haus dient jedoch nicht der Entwicklung von Wohnungen für Familien und Alleinstehende und hilft damit nicht gegen die Wohnungsnot. Was hier entstehen soll sind 14 Zwei-Zimmer-Wohnungen und ein Penthouse in der gehobenen Preisklasse“, sind sich die Anwohner sicher – und fühlen sich seitens der Stadt im Stich gelassen.

„Alle Anwohner sind angesichts der schieren Größe des geplanten Baus entsetzt”, erläuterten die Anwohner im Gespräch mit dem TIP vor Ort. „Das Gebiet ist vor circa 100 Jahren bebaut worden – mit 1- bis 2-Familien-Häusern, deren Gärten zueinander zeigen. Das derzeitige Haus im Bestand ist ein Schmuckstück und soll nun weichen – und zwar einem wahren Koloss. In 4,50 Meter Entfernung von unseren Grundstücken soll eine zwölf Meter hohe Wand errichtet werden, genau auf der Sonnenseite unserer Häuser.” Betroffen wären dadurch nicht nur die Gärten, die größtenteils nur noch im Schatten liegen würden, sondern auch der Wintergarten eines Anwohners, der als zweites Wohnzimmer dient. „Nach dem Bau hätten wir immer den Blick auf dieses riesige Gebäude und keine Sonneneinstrahlung mehr”. Dafür könnte jeder aus dem neuen Mehrfamilienhaus in den Wintergarten und auch in die benachbarten Gärten schauen, Privatsphäre auf dem eigenen Grundstück wäre nicht mehr gegeben. 

Eines ist den Anwohnern wichtig klarzustellen: „Wir sind nicht generell gegen den Bau von neuen Wohnungen und eine Verdichtung, aber eben nicht in diesem Ausmaß. Möglich wäre eine Reihenbebauung, mit der ebenso viele Wohnungen erbaut werden könnten. Aber dieses riesige Gebäude inmitten von 1- bis 2-Familienhäusern ist unverhältnismäßig.”

Die Kritik der Anwohner richtet sich auch an die Schnelligkeit, mit der der vorhabensbezogene Bebauungsplan beschlossen werden soll: „Dieser soll im Eiltempo durch die Stadtverordnetenversammlung gepeitscht werden – und dass, nachdem das Projekt bereits zweimal durch das Kreisbauamt abgelehnt wurde.” Zudem wurde suggeriert, dass die Anwohner mit dem Bauprojekt einverstanden seien – dies ist aber definitiv nicht der Fall. „Dies zeigt ebenfalls, dass dieses Projekt auf Biegen und Brechen durchgesetzt werden soll.”

Ein weiterer Aspekt gegen das neue Gebäude sei die bereits jetzt schon schwierige Parksituation – denn nicht nur die Bewohner des geplanten Mehrfamilienhauses benötigen Parkraum, sondern auch deren Besucher. Und: Auch in der ehemaligen Post entstehen Wohnungen, was ebenfalls zu diese Problematik beiträgt.

Mit Blick auf die Umwelt und den Naturschutz kritisieren die Anwohner, dass die Stadtverwaltung immer dazu auffordert, Gärten zu begrünen und Steinwüsten zu vermeiden – hier soll aber ohne Not eine Grünfläche zunichte gemacht und andere durch Schattenfall eingeschränkt werden.

Der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss hat dem vorgezogenen Bebauungsplan in seiner Sitzung vom 9. Februar bereits zugestimmt – wenn auch nach intensiver Diskussion. Nun appellieren die Anwohner an die Stadtverordneten aller Parteien, in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag gegen den vorhabensbezogenen Bebauungsplan zu stimmen – zum Wohle der Anwohner und eines einheitlichen Stadtbildes. Benjamin Kloos

 

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