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16.21 Uhr | 17. März 2022
HILFE FÜR DIE UKRAINE: Kreisspitze informiert über vorbereitenden Maßnahmen und zur Aufnahme der bereits eingetroffenen Menschen

Alte Forstschule wird übergangsweise neue Heimat für Menschen aus Ukraine

Ukrainische Flüchtlinge, die wie hier am polnisch-ukrainischen Grenzübergang Medyka ankommen, finden in ganz Europa Zuflucht – so auch im Kreis Bergstraße, unter anderem in der ehemaligen Forstschule zwischen Neuschloß und Hüttenfeld. Foto: Frank Schultze / Diakonie Katastrophenhilfe

KREIS BERGSTRASSE – Der Krieg in der Ukraine nimmt kein Ende und immer mehr Menschen sind auf der Flucht vor den Angriffen der russischen Armee. Der Kreis Bergstraße richtet sich darauf ein, sehr vielen weiteren geflüchteten Menschen aus der Ukraine auch für einen längeren Zeitraum Zuflucht zu gewähren und bereitet sich entsprechend darauf vor. Am Donnerstag informierten Landrat Christian Engelhardt und der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Karsten Krug in einer Video-Pressekonferenz über die vorbereitenden Maßnahmen, die der Kreis aktuell umsetzt sowie die erfolgten Aktivitäten zur Aufnahme der bereits eingetroffenen Menschen aus der Ukraine. Hierbei spielt auch die alte Forstschule zwischen Neuschloß und Hüttenfeld eine Rolle – noch am Donnerstag wurden hier 33 Menschen aus der Ukraine erwartet.

Landrat Christian Engelhardt betonte zu Beginn der Videokonferenz, dass die „Flüchtlingskrise uns als Verwaltung sehr fordert. Heute kommen die ersten zugewiesenen Flüchtlinge aus der Flüchtlingserstunterkunft in Gießen an.” Gleichzeitig appellierte er an alle, die aus der Ukraine in den Kreis kommen, sich bei den zuständigen Ämtern zu melden: „Bisher haben sich circa 500 Flüchtlinge beim Ausländeramt angemeldet, ich bin mir aber sicher, es sind weitaus mehr im Kreis. Es ist ein großes Anliegen, dass sich alle Flüchtlinge beim Einwohnermeldeamt der Stadt oder der Gemeinde, in der sie sind, melden. Dies ist deshalb wichtig, weil es den Prozess startet, die Flüchtlinge von seitens des Kreises zu unterstützen. Zudem wollen wir Sprach- und Integrationskurse anbieten, auch dafür ist es wichtig zu wissen, wer bei uns ist.” Darüber hinaus sei die Registrierung auch für denKrankenversicherungsschutz wichtig, aber auch aufgrund der Verteilung der Geflüchteten, die proportional zur Bevölkerung erfolgt. Um es den Menschen aus der Ukraine einfacher zu machen, werden viele Information auf www.kreis-bergstrasse.de mittlerweile auch auf kyrillisch angeboten.

„Benötigen weiterhin Wohnraum”

Ein großes Dankeschön richtete die Kreisspitze an die zahlreichen Menschen, die Wohnungen zur Verfügung gestellt haben und stellen. Dabei sei es wichtig, weiterhin Wohnraum unter ukrainehilfe@kreis-bergstrasse.de zu melden. Ein ebenso großer Dank ging an alle Menschen, die sich hier im Kreis in der Hilfe für Menschen aus der Ukraine engagieren.

„Es ist eine Katastrophe dass wir Krieg in Europa haben und es freut mich sehr, dass die Hilfsbereitschaft im Kreis so groß ist. Wir haben aber eine große Herausforderung, da die Menschen, die herkommen, sicher nicht nur ein paar Tage hier sind. Wir brauchen in den nächsten Monaten einen langen Atem”, so Landrat Engelhardt weiter. Hierzu habe die Verwaltung eine Krisenstruktur geschaffen, in die auch der künftige Kreisdezernent Matthias Schimpf als Ehrenbeamter mit eingebunden sei. „Vermutlich werden mehr als 4.000 Geflüchtete in den Kreis kommen, diese können wir schlichtweg nicht unterbringen. ohne dass wir Massenunterkünfte haben. Deshalb sind wir gerade dabei, mit den Mitteln des Katastrophenschutzes wie etwa Feldbetten Massenunterkünfte zu planen”, ergänzte Landrat Engelhardt. „Wünschenswert wäre es daher, wenn wir neben Hotels und auch Turnhallen, die wir möglicherweise belegen werden, viele Ferien- oder Einliegerwohnungen zur Verfügung gestellt bekommen können.” 

Viele Menschen im Kreis Bergstraße zeigen ein Herz für die Menschen in und aus der Ukraine – dennoch wird dringend weiterer Wohnraum benötigt. Foto: www.pixabay.com

Der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Karsten Krug ergänzte, dass mittlerweile über 400 Wohnraumangebote vorliegen, die derzeit geprüft werden. Am Mittwoch sei von der Flüchtlingserstunterkunft in Gießen die Information bekommen, dass die meisten Kinder, die ankommen, bereits Teenager sind. Wöchentliche werde es nun Zuweisungen geben, man reden damit, dass in zwei Wochen Notunterkünfte eingerichtet werden müssen. „Wir haben es geschafft, dass die Ukrainer, die heute noch aus Gießen kommen, auch heute noch in privaten Wohnungen im Kreis untergebracht werden können oder aber in einer Pension in Fürth. 33 Menschen finden zudem in der ehemaligen Forstschule zwischen Neuschloß und Hüttenfeld eine vorübergehende Unterkunft. Danke an die Stadt Lampertheim und die Unterstützung vor Ort, dass Flüchtlinge hier untergebracht werden können”, so Karsten Krug, der klar stellte, dass es für diejenigen, die Wohnraum zur Verfügung stellen, keinesfalls Nachteile gäbe.

Akt der Solidarität 

Bezüglich der Unterbringung von Geflüchteten in der ehemaligen Forstschule stellte Landrat Engelhardt klar: „Wir wollen diese Unterkunft nicht lange belegen, sie soll nur vorübergehend genutzt werden weil beispielsweise das Luisenkrankenhaus in Lindenfels vorerst noch nicht belegt werden kann. Idealerweise möchten wir die Geflüchteten in Wohnungen unterbringen.” Bisher sei zudem nicht geplant, die Forstschule als Durchlaufstation für neu ankommende Geflüchtete zu nutzen – dies könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Klar sei, dass die Einrichtung recht voll sei, auch wenn sie über einen schönen Außenbereich verfüge.

Der TIP sprach auch mit Lampertheims Erstem Stadtrat Marius Schmidt über die Unterbringung von Flüchtlingen in der ehemaligen Forstschule. Dieser ist stolz darauf, dass die Unterkunft für die ukrainischen Geflüchteten innerhalb von nur 48 Stunden vorbereitet wurde – inklusive Betten, Nahrungsmitteln und auch einer Kinderbetreuung, sogar Waschmaschinen konnten kurzfristig organisiert werden. Viele Helfer hätten sich hier außerordentlich engagiert, sei es von Helping Hands, dem Kanu Club, Edeka Krebs, dem Familienzentrum Bensheim oder zahlreiche weitere Menschen und Organisationen, denen Marius Schmidt von Herzen dankt. „Es war eine große Kraftanstrengung und es ist toll, was hier so schnell umgesetzt wurde, jetzt sind aber sowohl die Schlafplätze als auch die Verpflegung für die kommenden Tage gesichert. Nur gemeinsam und solidarisch war dies möglich, und nur gemeinsam und solidarisch können wir diese große Aufgabe der Unterbringung der Menschen, die aufgrund von Krieg ihre Heimat verlassen haben, meistern”, so Marius Schmidt im Gespräch mit dem TIP. Dabei sei nicht nur die Unterbringung und die Versorgung der Geflüchteten mit Lebensmitteln wichtig, sondern auch die psychologische Betreuung. Denn vor allem Frauen und Kinder sind unter den Geflüchteten, die voller Angst und Sorge um die in der Ukraine gebliebenen Männer und Väter sind. Benjamin Kloos

 

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