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08.17 Uhr | 4. April 2021

Als Bürgermeister für die Bürger da sein

BIBLIS: Volker Scheib nach einem Jahr im Amt / Von Verkehrskonzept bis zur medizinischen Versorgung

Bürgermeister Volker Scheib – seit einem Jahr im Amt. Foto: Hannelore Nowacki

Bürgermeister Volker Scheib – seit einem Jahr im Amt. Foto: Hannelore Nowacki

BIBLIS – „Ein Jahr ist schon rum“, stellte Bürgermeister Volker Scheib bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz fest, es sei viel passiert. Im weiteren Verlauf der anderthalbstündigen Pressekonferenz am Gründonnerstag ging Scheib auf das große Thema Verkehr ein und viele  zukünftige Projekte. „Das wird extrem“, meinte Scheib zum Kreiselumbau Richtung Groß-Rohrheim nach Ostern, umständliche Umleitungen werden den Bürgern einiges abverlangen und für Ärger sorgen, das sieht Scheib kommen – mindestens ein halbes Jahr lang. Nur Anlieger-LKW und Anlieferer dürften durch den Ort fahren, allerdings befürchtet Scheib, dass auch andere unerlaubt diesen kürzeren Weg nehmen anstatt über Lampertheim-Rosengarten zu fahren. Diese Straßenbaumaßnahme habe noch sein Amtsvorgänger auf den Weg gebracht. Das hätte man besser machen können, ist sich Scheib sicher. Aber: „Die größte Herausforderung ist und bleibt Corona“, sagte Scheib sowohl rückblickend, wie auch mit Blick auf Ostern und die weitere Zukunft. Fast täglich habe er Anpassungen mit dem Kreis und Land durch wöchentliche Änderungen der Verordnungen abzustimmen. „Was geht und was nicht geht“, das sei schwierig, den Menschen vor Ort zu vermitteln. Die Gemeinde müsse die Corona-Vorschriften kontrollieren. Nicht nur verbieten will Scheib, immer auch aufklären.  Für die Menschen nicht mehr nachvollziehbar sei, wenn sie über die  Rheinbrücke kommen und dort eine ganz andere Gesetzeslage vorfinden. Wenn an den beliebten Treffpunkten über Ostern zu viele Menschen zusammenkommen, gebe es viel zu tun. Der fließende und ruhende Verkehr sorgt immer wieder für Ärger. Wegen fehlender Vernunft, wenn nämlich für Rettungsfahrzeuge und Müllentsorger in engen, zugeparkten Straßen kein Durchkommen sei und das Ordnungsamt eingreifen müsse. 

Da der ZAKB die Anschaffung schmalerer Müllwagen ablehne, bleibe es bei der Einrichtung von Parkverboten, wenn 3,55 Meter Straßenbreite sonst nicht einzuhalten wären. Den Schulweg sicherer machen, das werde in Zusammenarbeit mit der übergeordneten Verkehrsbehörde umgesetzt – nach einer Feinabstimmung soll es in der Wattenheimer Straße und Darmstädter Straße einen oder zwei Zebrastreifen und eine Fußgängerbedarfsampel geben. Für die kindliche Entwicklung findet Scheib es besser, mit anderen Kindern zu Fuß zur Schule zu gehen als von den Eltern gefahren zu werden. Beim Dauerthema Bahnunterführung am Bahnhof wurde einiges verbessert – es gebe ein neues Beleuchtungssystem gegen die bemängelten dunklen Ecken und vier Mal in der Woche werde gereinigt. Doch die Treppenaufgänge seien Bahngelände. „Der Bahnhof muss schön aussehen“, findet Scheib. Dafür und für das Umfeld wird einiges getan. Zudem ist Vandalismus ein kostenträchtiges Problem – an den Aufzügen zu den Bahnsteigen entstand der Bahn allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein Schaden von 80.000 Euro. Als Mittel dagegen nennt Scheib die aufsuchende Jugendarbeit, wie sie von der Sozialagentur Fortuna im Auftrag der Gemeinde geleistet werde, das Ordnungsamt mache Runden, ebenso die freiwilligen Polizeistreifen. Auch die Bauhofmitarbeiter schauen genauer hin und die Polizei fährt öfter vorbei. Zudem soll mit der Polizei in der Prävention zusammengearbeitet werden. Mehr aufmerksame Blicke erwartet Scheib durch mehr Licht auf dem Bahnhofsvorplatz und das neue Baugebiet Am Rübgarten mit P+R-Ausbau als Doppeldecker-Parkhaus und Fahrrad-Elektrostation. 

Zuschüsse für das Parkraumkonzept gebe es im Rahmen von ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept). Die Digitalisierung der Verwaltung war das zweite große Thema. Von einer riesigen Aufgabe sprach Scheib, denn das Onlinezugangsgesetz verlange bis Herbst 2022 die Umsetzung. 300 bis 700 Leistungen müssen online abrufbar sein. In Biblis übernehme ohne Verstärkung von außen eine Projektgruppe aus eigenem Personal diese Aufgabe. Neue und junge Menschen in der Verwaltung brächten neue Sichtweisen mit, aber Scheib möchte auch die wertvolle Verwaltungserfahrung der langjährigen Mitarbeiter einfangen, bevor diese in den Ruhestand gehen. Eine Auszubildende mit dem Ziel Verwaltungsfachfrau komme ab August. Was anderswo Homeoffice heißt, nennt Scheib in seiner Verwaltung „flexibles Arbeiten“, von der Gemeinde mit der Anschaffung von Laptops und weiteren Geräten unterstützt. Das Diensttelefon könne einfach mitgenommen genommen werden und funktioniere wie im Büro. 

Projekte und Bürgernähe
Vom Sportstättenkonzept über das Verkehrskonzept mit Parkraum und Sicherheit, das Radwegekonzept und runde Tische spannte Scheib einen großen Bogen bis zur besseren medizinischen Versorgung, dem Photovoltaik-Ausbau und den Bauprojekten Am Rübgarten und Helfrichsgärtel. Wegen Corona ruhe im Präsenzbereich alles – die Bürgerversammlungen, runde Tische und auch die Lokale Partnerschaft (LoPA) für die Stadtentwicklung. Hingegen könnten politische Veranstaltungen stattfinden und Gremien wie der Bauausschuss tagen. Gut fürs Klima und die Tierwelt sind die 100 Bäume und Büsche, die in Absprache mit Landwirten und Jägern außerhalb gepflanzt werden. Im Haushalt sei eine Summe dafür vorgesehen, auch innerstädtisch soll es eine finanzielle Unterstützung geben. Auf Gemeindegrund sollen Spritzmittel und Düngen reduziert, Blühwiesen angelegt werden. Eine weitere Arztpraxis soll im Neubaugebiet Am Rübgarten eröffnen, es sei gelungen einen Interessenten zu finden. Scheibs Botschaft an die Politik: „Alles richtig gemacht“. 

Bauprojekte verbinden
Arbeiten im flexiblen Büro und Wohnen verbinden, das ist bei den Bauprojekten in der Goethestraße und am Weichweg geplant. Räume für eine Kita sollten flexibel sein – über eine Zeitachse von Jahrzehnten über den Hort bis zur Sozialstation. Beim Helfrichsgärtel III weiß Scheib von einem enormen Andrang Bauwilliger. Im Helfrichsgärtel IV und V soll es weniger Landverbrauch geben und nachfolgend weniger Ausgleichsmaßnahmen. Verdichten gehe vor Bebauung außerhalb wie es beispielsweise in Nordheim möglich wäre. Interessenten sollen beraten werden. Auch mehr Gewerbe will Scheib ansiedeln. Sozialer Wohnungsbau und bezahlbarer Wohnraum sollen entstehen. Der Politik stelle er viele Konzepte zur Auswahl. Den neuen Verhältnisse in der Politik nach der Kommunalwahl sieht Scheib sichtlich gelassen entgegen. Sein Ziel: „Den Bürgerwillen in die Politik einfließen lassen“. In diesem Sinne wünscht er sich, dass viele Menschen zur Sitzung der Gemeindevertretung am 21. April um 19 Uhr in die Riedhalle kommen und zugleich das System der Mitteilungsvorlagen zuschauerfreundlich geändert werde. Bei den Ausschüssen stellt sich Scheib für mehr Bürgerbeteiligung neue Instrumente der Fragekultur vor. Hannelore Nowacki

 

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Geschrieben in Biblis und Ortsteile, Lokal

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