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„Algen auf Altrhein keine Gefahr für Wassersportler”

TIP sprach mit Stephan Frech vom Fachbereich Bauen und Umwelt über Situation an Altrhein und Hegwasser

Während der heißen Wochen des Sommers bildeten sich auf dem Lampertheimer Altrhein immer wieder dichte Algenteppiche – eine Gefahr für die Gesundheit der Wassersportler bestand nach Angaben der Stadtverwaltung nicht. Foto: oh

LAMPERTHEIM – Die lang anhaltende Trockenheit, verbunden mit  den hochsommerlichen Temperaturen, hatte auch negative Auswirkungen auf den Lampertheimer Altrhein. An einigen Tagen der letzten Wochen und Monate war beispielsweise die Algenbildung auf der Wasseroberfläche so stark, dass die darunter schwimmenden Fische sichtlich Probleme mit der Atmung hatten. Besorgte Nutzer des Altrheins hatten sich an den TIP gewandt, da sie eine Gefahr für die Lebewesen in Wasser und besonders auch für die Sportler des WSV und des Kanu-Club befürchteten – angesichts des Bildes vor Ort überaus verständlich.

Aus diesem Grund sprach der TIP mit Stephan Frech vom Fachbereich Bauen und Umwelt. Dieser stellte klar, dass die Bildung von Algen und Blauaugen ein natürlicher Vorgang sei, insbesondere bei bestimmten Witterungserscheinungen, wie sie in den vergangenen Monaten herrschten. Dies sei allerdings ein Problem bei allen Gewässern der Art des Altrheins. „Im Vergleich zu anderen Jahren war die Belastung mit Algen sogar sehr gering”, verwies Stephan Frech auf Beispiele der jüngeren Vergangenheit, als einmal der Altrhein komplett mit Wasserlilien zugewachsen war. Und auch in Bezug auf ähnliche Gewässer sei die Situation in diesem Jahr noch sehr gut.

„Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder mithilfe der Feuerwehr Wasser und somit Sauerstoff in den Althein gepumpt, wenn solche Situationen aufgetreten waren. Dies war in diesem Jahr zum Glück nicht nötig. Im angrenzenden Hegwasser seien zudem für diesen Bereich zwei Teichbelüfter eingesetzt worden. „Wir haben zweimal wöchentlich kontrolliert und hätten im Bereich des Altrhein rechtzeitig Maßnahmen ergreifen können. Allerdings handelt es sich um eine sehr große Fläche, so dass die Unterstützung der Feuerwehr nur punktuell möglich ist. Wir können das Grundproblem an sich nicht beheben sondern nur abmildern.”

Eine Gefahr durch die Algen für den traditionsreichen Lampertheimer Wassersport schloss Frech  aus. In der derzeitigen Situation – und auch während der Hitzephase – habe es keine gesundheitliche Gefahr für die Wassersportler gegeben. „Wir haben mit den wassersporttreibenden Vereinen über die Situation gesprochen und entsprechende Hinweisschilder aufgestellt. Die einzige Beeinträchtigung – außer der Optik – war die reduzierte Wassertiefe und -breite, die das Training erschwert haben könnte.” Von Wasserlilien geht keine Gefahr aus, problematisch seinen hingegen Cyanobakterien, wie Stephan Frech erläuterte. „Wenn diese überhand nehmen, kann es zum Problem werden, da diese toxisch sein können. Dies kann zu einem Fisch- und Vogelsterben führen, muss es aber nicht.” Damit wirklich keine Gefahr sowohl für die Tier- und Pflanzenwelt als auch die Wassersportler bestand, wurde und wird die Situation mit Proben überwacht. Dabei seien zwar Cyanobakterien aufgetreten, allerdings nur in einer ungefährlichen Konzentration. „Wenn die Zahl der Bakterien gestiegen wäre, hätten wir selbstverständlich sofort Maßnahmen ergriffen, um die Nutzung des Altrheins zu unterbinden”, betonte der Verwaltungsfachmann.

Durchbruch zu Hegwasser 

Zudem wurde von Nutzern des Altrheins beobachtet, dass es am Durchbruch zwischen Altrhein und Hegwasser immer wieder zu Aufschüttungen kommt, damit das Wasser nicht abfließen kann. Dies hat zur Folge, dass das Wasser im Bereich des Hegwassers einen Meter höher steht als im Altrhein und die Fische so nicht zwischen den beiden Gewässern hin und her schwimmen können.

Ursprünglich habe es eine Schließe zum „Bau“ gegeben, wie Stephan Frech in diesem Zusammenhang erläuterte – ein Metallwehr, welches das Wasser des Hegwasser komplett abgeriegelt habe.

Laut Stephan Frech gäbe es hier zwei Meinungen: Einerseits die Befürworter eines Durchbruchs, der den Wasserausgleich zwischen beiden Gewässern befürworten und somit auch den Fischen die Möglichkeit geben, bei Niedrigwasser in Richtung Neurhein zu schwimmen, und andererseits die Befürworter der kompletten Abgrenzung der beiden Gewässer. Diese berufen sich unter anderem darauf, dass durch den Durchbruch so viel Wasser abfließe, dass das Wasser sowohl im Hegwasser selbst als auch in den angrenzenden Gräben im Biedensand wie dem Rallengraben absinken würde. Dies hat zur Folge, dass die Gräben auszutrocknen drohen und so eine Gefahr für das gesamte Ökosystem Biedensand entstehen könnte.

Im Bereich des Hegwassers sei übrigens die komplette Abschottung zum Altrhein die ursprüngliche Situation gewesen. Mittlerweile wurden hier auch zwei Belüftungsanlagen eingerichtet, die für ausreichend Sauerstoff für die Tier- und Pflanzenwelt des Hegwassers sorgen sollen. Von der Situation vor Ort am Hegwasser mit den Aufschüttungen habe Stephan Frech ebenfalls bereits gehört, allerdings liegen das Hegwasser als auch der Altrhein nicht direkt im Zuständigkeitsbereich der Stadt Lampertheim.

Der Blick auf den „Bau” verdeutlicht die Situation rund um die Verbindung zwischen Hegwasser und Altrhein: Es gibt einen engen Durchfluss, der immer wieder durch Aufschüttungen gestört wird. Foto: oh

Frisches Wasser aus dem Rhein?

Eine mögliche Vertiefung des bestehenden Durchstich zum Neurhein oder einen zweiten, komplett neuen Durchstich, sieht Stephan Frech als äußerst schwierig an. Hierzu würde ein komplett neues Planfeststellungsverfahren benötigt werden. Generell müssten vorher alle Eventualitäten betrachtet werden, die mit einem solchen Durchstich verbunden wären –auch das in Verbindung mit der Deichrückverlegung nahe Kirschgartshausen entstandene Schlutensystem. „Durch eine solche Maßnahme verändert sich das gesamte System, auch das Naturschutzgebiet. Gerade im Bereich des Welsch Loch oder des Rallengrabens käme man bei einer tieferen Ausgrabung der bestehenden Gräben zu nah an das Grundwasser – auch hier sind die Ausmaße zu berücksichtigen.” Alles in allem sei ein neues Planfeststellungsverfahren eine langwierige und sehr komplizierte Angelegenheit.

„Altrhein liegt uns am Herzen”

Generell sei die Stadtverwaltung Lampertheim für beide Gewässer nicht zuständig. Der Altrhein als Wasserstraße entfalle in den Zuständigkeitsbereich des Bundes, das Hegwasser in den Bereich des Landes Hessen. „Auch wenn wir nicht zuständig sind, führen wir umfassende Kontrollen und Maßnahmen, beispielsweise mit der Feuerwehr, durch, um die Wasserqualität zu erhalten”, warb Stephan Frech um Verständnis bei den Nutzern des Altrheins. „Denn der Altrhein, unser Bürger, die sich hier erholfen und die Wassersportler liegen uns sehr am Herzen.” Benjamin Kloos

 

 

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