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12.22 Uhr | 25. November 2021

Aktiver und lokaler Einsatz gegen Pflegekräftemangel

AUSBILDUNG: Stadt Lampertheim und Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Bergstraße unterzeichnen Kooperationsvertrag / Drei Kinderkrippen bieten Praktika

Unterzeichneten zur Freude der Leiterinnen der Kinderkrippen Zwergenschloß, Kleines Ich und Zauberwald den Kooperationsvertrag: Marlene Didion-Seehaus, Schulleitung des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe Bergstraße, und der Erste Stadtrat Marius Schmidt (vorne v.r.). Foto: Benjamin Kloos

LAMPERTHEIM – Es ist eine Kooperation mit vielen Gewinnern – und ein wichtiger Schritt, um den Fachkräftemangel gerade im Pflegebereich lokal einzudämmen: Mit der Vertragsunterzeichnung zwischen der Stadt Lampertheim und dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Bergstraße soll angehenden Pflegekräften ein Ausbildungsabschnitt in den städtischen Kinderkrippen „Kleines Ich” in Hofheim sowie der Krippe „Zauberwald” in Lampertheim und der Krippe „Zwergenschloß“ in Neuschloß ermöglicht werden. Dabei werden die Auszubildenden von den Einblicken und Erfahrungen sowie der Zusammenarbeit mit den Kindern profitieren, während die Teams der Krippen um jede helfende Hand froh sind – und sich zudem auch neue Impulse von außen für die tägliche Arbeit erhoffen.

Die Ausbildungen im Pflegebereich wurden zum Anfang des Jahres 2020 umstrukturiert. So wurden die drei bisher getrennten Ausbildungen in den Bereichen Kinderkranken-, Alten- sowie Gesundheits- und Krankenpflege in einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. Personen, die sich für die generalistische Pflegeausbildung entscheiden, haben nach zwei Jahren die Möglichkeit, ihren Ausbildungsschwerpunkt auf die Pflege alter Menschen zu legen und so einen Abschluss in der Altenpflege zu absolvieren. Zudem besteht die Möglichkeit, sich zu diesem Zeitpunkt auf die Pflege von Kindern zu spezialisieren. Setzt man die generalistische Pflegeausbildung im dritten Jahr ohne Spezialisierung fort, erhält man am Ende einen Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.

Aufmerksam auf die Möglichkeit der Kooperation wurde die Stadt Lampertheim durch ein bereits durchgeführtes Praktikum in der Krippe „Kleines Ich”. „Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung hat zum Mangel an Pflegerinnen und Pflegern geführt. Durch die Reform der Pflegeausbildung wurde der Beruf der Pflegefachkraft neu geschaffen. Die Ausbildung hierfür beinhaltet auch ein 14-tägiges Praktikum im Bereich der Kinderpflege. Es ist uns als Stadt wichtig, dass die Pflegekräfte wertgeschätzt und deren Ausbildung im besten Rahmen ermöglicht wird. Daher bieten wir in drei Einrichtungen maximal vier Praktikumsplätze pro Einrichtung an”, erläuterte der Erste Stadtrat Marius Schmidt. „Wir freuen uns, wenn wir 14 Tage lang Unterstützung durch emphatische Menschen erhalten. Zudem bekommen wir als Stadt eine Vergütung als Kooperationspartner, dies war jedoch ein untergeordnetes Argument. Wir wollen dem Fachkräftemangel durch dieses Engagement entgegenwirken und unseren Beitrag leisten, auch wenn die Pflegekräfte später nicht im Bereich Kinderpflege tätig sind. Vielen Dank an alle Beteiligten und auch an den Magistrat, der den Kooperationsvertrag einstimmig beschlossen hat.”

Kinderkrankenpflege ist Nadelöhr

Marlene Didion-Seehaus, Schulleitung des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe Bergstraße, betonte, dass „Corona es uns zusätzlich erschwert, Einsatzstellen für unsere Auszubildenden zu finden, die mit uns kooperieren. Wir wollen dem Fachkräftemangel im Kreis aktiv entgegenwirken, auch dank der Unterstützung von Landrat Christian Engelhardt. Mit der neuen genrealistischen Ausbildung müssen natürlich alle Menschen aller Altersgruppen betreut werden. Die Kinderkrankenpflege ist dabei ein Nadelöhr, so haben wir beispielsweise keine Kinderklinik in Südhessen. Daher haben wir als Pflegeschule keine Möglichkeit, hier Kooperationspartner zu finden. In Hessen ist es glücklicherweise auch möglich, Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren mit einzubeziehen. Es ist ein sehr gutes Konzept, mit den Krippen zusammen zu arbeiten und keinesfalls eine Notlösung. Denn hier können unsere Ausbildungen erfahren und lernen, wie eine Beziehung mit jungen Menschen entstehen kann, dadurch gewinnen sie wichtige Kompetenzen.”

Gewinn für alle

Bei den Teams der Kinderkrippen kommt die Kooperation sehr gut an – „es ist immer gut, Menschen die Möglichkeit zu geben, in die Praxis zu gehen und sich auszuprobieren”, betonte Susanne Slany vom „Kleinen Ich”. „Es ist wichtig, dass man den Umgang mit den Kleinsten hat, dazu braucht man Empathie. Und helfende Hände können wir immer gebrauchen.” Auch Carmen Effenberger von der Kinderkrippe „Zwergenschloß” ist vom Konzept überzeugt: „Es ist eine tolle Sache zu wissen, dass später in der Pflege auch kranke Kinder gut versorgt sind. Die Praktikanten haben dem einen anderen Blick auf unsere Arbeit und stellen Fragen, dies hilft uns bei der Selbstreflexion. Daher sind die Praktikantinnen und Praktikanten herzlich willkommen.” Dass die Praktikanten sehr viel erleben und mitmachen können, da ist sich Melanie Reipa vom „Zauberwald” sicher. „Die Praktikanten können lernen, dass es viel mit Vertrauen und Geduld zu tun hat, eine Bindung und Zuneigung zu den Kindern aufzubauen.” Benjamin Kloos

BUZ: Unterzeichneten zur Freude der Leiterinnen der Kinderkrippen Zwergenschloß, Kleines Ich und Zauberwald den Kooperationsvertrag: Marlene Didion-Seehaus, Schulleitung des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe Bergstraße, und der Erste Stadtrat Marius Schmidt (vorne v.r.). Foto: Benjamin Kloos

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