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11.07 Uhr | 8. April 2019

„Aache zu un dorsch!“ 

„Die Sainäwwel“ präsentieren Lustspiel / Karl-Hans Reischert für 325 Bühnenauftritte geehrt

Dieses Fenster der Hotelsuite des Ministers im vierten Stock hat es in sich. Der Zimmerservice, Karl-Hans Reischert (Mitte) in der Rolle des Emil Schiller, schaut nach dem Rechten. Was treibt der Sekretär Robert Ofenloch hier mit der Ministergattin? Foto: Hannelore Nowacki

RIEDRODE – Augen auf! Das neue Lustspiel der Bürstädter Theatergruppe „Die Sainäwwel“ empfiehlt zwar „Aache zu un dorsch!“, aber auf der Bühne im Bürgerhaus Riedrode geht es rund, das Stück in Bäschdädder Mundart ist spannend und lustig inszeniert. Am glücklichen Ende dieses abendfüllenden Lustspiels in zwei Akten wissen die Zuschauer auch, wer Eva ist. Mitten in der Landeshauptstadt befinden sich die Zuschauer und Minister Axel B. Auer (Norbert Gebhardt). Der will nicht nur an einer wichtigen Debatte im hessischen Landtag teilnehmen. Vorrangig hat er sich der Aufgabe verschrieben, in einer Hotelsuite einen lustvollen Abend mit der aufgeweckten Babs Brenner (Simone Kipfstuhl) zu verbringen, die als Sekretärin des Oppositionsführers Schäfer-Gümbel diese  Affäre geheim halten möchte. Ihren eifersüchtigen Mann Boris (Thomas Hayer) weiß sie sicher allein zu Haus, doch die temperamentvolle Ministergattin Pia S. Auer (Gabi Schäfer-Bauer) rauscht voller Vorfreude an. Diese Freude fehlt dem Boris als er schließlich aufkreuzt. Was die Ministergattin im Hotelzimmer antrifft, überrascht nicht nur sie und die rührige Hotelmanagerin Marie Berg (Doris Tannenberger), die mit den tollsten Geschichten zurechtkommen muss, die ihr der Minister auftischt. Ob die Polizei hier Ordnung schaffen könnte? Doch soweit kommt es nicht. Während den Zuschauern mitunter vor Lachen die Tränen kommen und jede dramatische Wendung ein erheiternder Hochgenuss ist, treibt es dem Minister die Schweißperlen auf die Stirn. Sein unendlicher Erfindungsreichtum in Sachen Verwandschaftsverbindungen im Minutentakt stellt besondere Anforderungen ans Gedächtnis, eine bewundernswürdige Leistung des Hauptdarstellers Norbert Gebhardt. Erstaunlich tot wirkte Karl Heinz Dosch in seiner Rolle als Privatdetektiv Armin Schleicher – der Mime ließ als Leiche kein Mienenspiel erkennen, eine besondere Leistung auch angesichts des lauthals lachenden Publikums, das mit Applaus nicht spart. Schon im ersten Akt entwickelte sich ein rhythmischer Beifallssturm.

Bei den Sainäwwel gibt es immer etwas zu lachen – lustig gestaltete sich auch die Ehrung für Karl-Hans Reischert zum 325-maligen Bühnenauftritt. Foto: Hannelore Nowacki

Karl-Hans Reischert in seiner Rolle als Zimmerservicemitarbeiter Emil Schiller, mit wachen Augen und offener Hand, begleitete die Handlung wie ein roter Faden, der immer wieder in eine neue Richtung rollt. Sein stets gestreckter Rücken und geschulter Gesichtsausdruck wiesen ihn als ziemlich perfekten Mitarbeiter eines gehobenen Hotels aus. Auf seinen Sekretär Robert Ofenloch (Markus Winkler) kann der Minister in allen Lagen zählen. Dessen Idee als Plan B für die missliche Lage einfach die Wahrheit zu sagen, findet der Minister allerdings nicht hilfreich: „Ich bin Politiker“, sagt er. Ein Knaller, das Publikum lacht. Was den Sekretär jedenfalls nicht beglückt, in all das hineingezogen zu werden, zumal sich seine Mama wünscht, dass der Sohn noch am Abend nach Hause kommt. Zum Glück ist Schwester Gerda (Annkathrin Morweiser) bei ihr, bis sie beschließt, der merkwürdigen Angelegenheit in Wiesbaden auf den Grund zu gehen. Eine weitere Gelegenheit für den Sekretär sein verborgenes Talent als Charmeur zu entfalten. Manfred Winkler als treuer Ministersekretär Ofenloch bescherte dem Publikum ungezählte witzige Momente bis zum Schluss. Am Ende der Premierenvorstellung übernahm Winkler die Rolle des Laudators, der die Verdienste des geehrten Karl-Hans Reischert, jetzt als Eva im Brautkleid, stilsicher und hochvergnüglich für den Geehrten, die Mitspieler und das Publikum in den Blick rückte. An den allermeisten Auftritten in der Geschichte der Theatergruppe hat  Karl-Hans Reischert auf der Bühne mitgewirkt – ganze 325 Mal von gut 400. Bei der Premiere am Freitagabend waren Lokal- und Kreispolitik stark vertreten. Im Anschluss wurde noch mit der Theatergruppe im Foyer gefeiert. Katharina Schweinenabel, die Sainawwels-Kett, hatte ihren Auftritt zu Beginn der Vorstellung, jedoch nur als Kopf auf Kunststoff, den die Figur auch beim Fastnachtsumzug trägt. Matthias Brenner, der das Publikum heiter und humorvoll mundartlich begrüßte, zeigte wie man sich in diesen Kopf hineinzwängt: „Aache zu un dorsch“.  Das Originalstück „Out of order“ von Ray Cooney wurde mit Bürstädter Mundart und Lokalkolorit witzig angereichert. Hannelore Nowacki

 

 

 

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