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10.26 Uhr | 27. März 2014

67. Kraftwerksgespräch mit Informationen zu Rückbau und Arbeitsplätzen

Grüne Wiese nicht in Sicht / Noch keine Genehmigungen für Rückbau

Kraftwerksleiter Horst Kemmeter informierte die 130 eingeladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über die Herausforderungen des Unternehmens in den nächsten Jahren. Fotos: Hannelore Nowacki

Kraftwerksleiter Horst Kemmeter informierte die 130 eingeladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über die Herausforderungen des Unternehmens in den nächsten Jahren. Fotos: Hannelore Nowacki

BIBLIS – Die bekannte Silhouette des Kraftwerks wird sich so bald nicht verändern, auch das gehörte zu den Informationen, die Kraftwerksleiter Horst Kemmeter den etwa 130 eingeladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Konferenzsaal des Informationszentrum beim 67. Kraftwerksgespräch mitteilte. Auch bei der bisherigen  Führungsmannschaft gibt es keine Veränderungen. Kemmeter, der in Personalunion auch für die Produktion zuständig ist, teilte mit, dass die Sicherheitssysteme beim Block B in sehr guten Zustand seien. Im erfolgreichen Dauereinsatz laufe der Generator in Block A seit Oktober störungsfrei. Diese Netzunterstützung im Rhein-Main-Gebiet werde bis 2018 geleistet. Allerdings müsse der Betriebsstrom aus dem Netz bezogen werden. Acht meldepflichtige Ereignisse habe es im vergangenen Jahr gegeben, in diesem Jahr sei es zum Bruch eines Kühlwasserschlauches gekommen – auf der internationalen Skala werde dies mit Null bewertet. In die Luft seien keine radioaktiven Stoffe emittiert worden, im Abwasser blieb die Emission weit unter den genehmigten Grenzwerten. Die Arbeitssicherheit habe einen hohen Stellenwert: 588 Tage waren unfallfrei. Dann kam ein Bänderriss beim Übersteigen einer Antriebswelle. Hinzu kommen Wege- und Betriebssportunfälle.

Der Weg zur Genehmigung von Stilllegung und Rückbau

Kemmeter erläuterte detailliert wie es um die Stilllegung und den Rückbau des Kraftwerks steht und wies darauf hin, dass alle Unterlagen im Internet öffentlich zugänglich seien. „Wir waren immer transparent, während des Leistungsbetriebes und werden es auch zukünftig so halten“, betonte Kemmeter. Bereits im August 2012 habe das Unternehmen die Anträge zu Stilllegung und Abbau der Blöcke A und B bei der Genehmigungsbehörde vorgelegt, Ende 2013 wurden alle notwendigen Antragsunterlagen eingereicht. Die vom hessischen Umweltministerium beauftragten TÜV-Gutachter haben Anfang des Jahres mit der Bewertung der Unterlagen begonnen. Nach dem vorgeschlagenen Terminplan des Ministeriums werden die Antragsunterlagen im 1. Halbjahr 2014 öffentlich ausgelegt, der Erörterungstermin im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung soll noch in diesem Jahr stattfinden. Bis Januar 2015 werden 49 neue Castoren mit Bahn und Straßenschwertransport  angeliefert, ab Mitte 2014 sind die technischen und personellen Voraussetzungen für das Entladen von Block A erfüllt. Die umfangreiche Ertüchtigung der Krananlagen ist bereits umgesetzt. „Es fehlen nur noch die Genehmigungen“, erklärte Kemmeter. Für das Standortzwischenlager (SZL) wird eine freistehende 210 Meter lange Stahlbetonwand erbaut, für die 3.250 Kubikmeter Baumaterial, 300 Tonnen Betonstahl und 8 Kilometer Kabel benötigt werden. Die Mauer wird auf 78 Pfähle gegründet. Für den Restbetrieb nach der Stilllegung müssen Ersatzsysteme aufgebaut werden, die Wasserversorgung werde durch eine neue Anlage „von der Stange“ ersetzt, erläuterte Kemmeter, die sich innerhalb eines Jahres amortisiere. „Eine abschließende Entscheidung über die tatsächliche Durchführung der Stilllegung kann erst nach Vorliegen einer Genehmigung erfolgen“, stellte Kemmeter fest.

Abbau von Arbeitsplätzen  – zukünftige Mitarbeiterzahl noch unklar

Mit Blick auf  eine „zukunftsfähige Mitarbeiterstruktur“ sagte Kemmeter, dass der Personalabbau weiterhin sozialverträglich erfolgen soll. So werde ein Drittel der Mitarbeiter im Konzern weiterbeschäftigt, andere gehen in Rente, Altersteilzeit oder scheiden mit  Abfindung aus. Derzeit sind von den ursprünglich rund 700 RWE-Mitarbeitern noch etwa 450 am Standort beschäftigt, bis Ende 2015 wird mit unter 400 Mitarbeitern gerechnet. Damit jeder für sich planen könne, solle frühzeitig Klarheit über die Perspektiven beim Restbetrieb geschaffen werden, unterstrich Kemmeter. Auch zukünftig werde hochqualifiziertes, motiviertes und betriebserfahrenes Personal unverzichtbar sein.

Kraftwerksleiter Horst Kemmeter überreichte Bürgermeisterin Dr. Hildegard Cornelius-Gaus als Abschiedsgeschenk einen Bildband mit den deutschen Atomkraftwerken. Felix Kusicka, der am 1. April die Nachfolge als Bibliser Bürgermeister  antritt, erhielt diesen Bildband mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen. Fotos: Hannelore Nowacki

Kraftwerksleiter Horst Kemmeter überreichte Bürgermeisterin Dr. Hildegard Cornelius-Gaus als Abschiedsgeschenk einen Bildband mit den deutschen Atomkraftwerken. Felix Kusicka, der am 1. April die Nachfolge als Bibliser Bürgermeister antritt, erhielt diesen Bildband mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen. Fotos: Hannelore Nowacki

Kraftwerksleiter Horst Kemmeter beantwortete Fragen

In der anschließenden Diskussion beantwortete Kraftwerksleiter Kemmeter zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Für den Rückbau ab 2016 rechne er 16 Jahre, eine Verkürzung sei eine wirtschaftliche Frage und betreffe Arbeitsplätze. „Die Kraftwerksilhouette wird noch viele Jahre zu sehen sein“, antwortete Kemmeter auf die Frage nach der erwarteten „grünen Wiese“ – „eine anderweitige Nutzung sei in weiter Ferne“. Die Ertüchtigung des SZL mit Wänden sei ein zusätzlicher Schutz wegen neuer Szenarien, habe aber nichts mit der Castorenlagerung zu tun. Das Überflugverbot bestehe immer noch. Die Castoren-Einlagerung aus dem Ausland zu verhindern sei eine politische Frage, auf Basis der bestehenden Genehmigung sei dies nicht möglich.

Energiewende – Verluste der Stromkonzerne, höhere Verbraucherpreise

Dr. Frank Weigand, Finanzvorstand der RWE Power AG, zeigte in seinem Referat zum Thema „Energiewende und wie sich das Modell der Stromversorgung verändert“ auf, dass die erneuerbaren Energien durch Leistungsschwankungen durch konventionelle Kraftwerke ergänzt werden müssen, diese in Zeiten des Energieüberflusses jedoch stillstehen und den Energieunternehmen hohe Verluste bescheren. Sein Lösungsansatz: Diese „Feuerwehrfunktion“ sollte auch bei Stillstand bezahlt werden. Andererseits führe der Energieüberfluss zu niedrigen Preisen an den Strombörsen, die gesetzlichen Umlagen und Steuern wiederum führen bei den Endverbrauchern zu höheren Stromrechnungen. Hannelore Nowacki

 

 

 

 

 

 

 

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