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14.28 Uhr | 13. Februar 2020

650 Millionen Euro kosten Sanierung und Modernisierung der Schulen

Schulentwicklungsplan 2020 bis 2025 - steigende Schülerzahlen erfordern mehr Raum

Mit Freude am Lernen die Welt entdecken – an gut ausgestatteten und ausgebauten Schulen im Kreis Bergstraße. Dies ist Ziel des Schulentwicklungsplanes 2020 bis 2025. Foto: pixaybay.com

HEPPENHEIM – Der neue Schulentwicklungsplan des Kreises Bergstraße hat ein Plus im Titel bekommen. Landrat Christian Engelhardt erklärte beim Pressegespräch am Mittwoch im Landratsamt, dass es um mehr als nur Gebäude gehe, die räumliche Gestaltung solle zusätzlich für neue pädagogische Konzepte offen sein. Einen Paradigmenwechsel nannte Engelhardt diese Weiterentwicklung der Schulen, die ganz entscheidende Maßstäbe setze: „Wir planen ein Stück weit die Verbindung von Pädagogik und Schulsozialarbeit“. Dass die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans 2016 bis 2021 schon jetzt in die entscheidende Runde geht, liege an den kreisweit seit 2015 gestiegenen Schülerzahlen, die in absehbarer Zeit noch weiter anwachsen werden. Besonders betroffen sind zunächst die Grundschulen, wie die Geburtenzahlen aus den Melderegistern zeigen. Für die Sanierung und Modernisierung der Schulgebäude im Kreis Bergstraße werden 650 Millionen Euro ausgegeben. Dazu kommen noch die Ausgaben für Neubau und Erweiterungen von Schulen. Eine deutliche Erweiterung will Engelhardt in Lampertheim vor allem an der Schillerschule umsetzen. Sein Vorschlag, die zusätzlich benötigte Fläche durch Flächentausch zu erreichen, wird aktuell in den politischen Gremien in Lampertheim diskutiert. Demnach könnte das Parkhaus abgerissen werden und auf dieser Fläche der Erweiterungsbau für die Schillerschule entstehen. Die Stadt Lampertheim erhielte die Sedanhalle für eigene Pläne. Engelhardt sieht in dieser Lösung „einen Gewinn für den Städtebau und die Schule“. Der Bau einer neuen Grundschule kostet den Kreis je nach Größe zwischen 15 und 20 Millionen Euro, ergänzte Andreas Kaldschmidt vom Eigenbetrieb des Kreises Bergstraße Schule und Gebäudewirtschaft. Eine neue vierzügige Grundschule ist in Lorsch und Viernheim geplant. „Wir haben noch viel vor uns“, fasste Engelhardt die Pläne zusammen, „wir machen das gerne solange wir das Geld dafür haben“. Daniela Vogel vom Staatlichen Schulamt meinte zum Thema Lehrkräfte, es könne in den nächsten Jahren eng werden, doch dank der attraktiven Bedingungen im Kreis Bergstraße könnte es Lehrer hierher ziehen. Allerdings sei der Kreis nicht für die Lehrerversorgung zuständig, sondern das Land Hessen, betonte Engelhardt. So breit wie noch nie sei diesmal die Beteiligung mit vielen Akteuren in diesem Prozess gewesen, jetzt folge der formelle Teil. Im eng getakteten Terminplan stand nach dem Pressegespräch ein Treffen unter anderem mit dem Kreiselternbeirat und Kreisschülerrat an. Am 17. Februar wird sich der Kreistag mit der Vorlage zu den Gymnasialkapazitäten Bergstraße befassen und am 27. April wird der Schulentwicklungsplan im Kreistag verabschiedet. Bei den vier Regionalkonferenzen seit September 2019 hatten Bürger Gelegenheit mit Fachleuten und Politikern zu sprechen. In den Arbeitsgruppen Inklusion, berufliche Bildung und Sozialindex waren die Fachleute unter sich. Wegen der Grundschulen fanden Treffen mit den Kommunen statt. Die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans Plus begleitet Dr. Anja Reinermann-Matatko, Diplom-Geographin mit den Schwerpunkten Bevölkerungs-/Sozialgeographie und Kartographie aus Bonn, die in ihrem Vortrag beim Pressegespräch die Historie und das Beteiligungsverfahren, die Bevölkerungsentwicklung und die Einschulungsdaten sowie die daraus folgenden Ergebnisse erläuterte. 

Landrat Christian Engelhardt (im Bild) hatte zum Pressegespräch über den Schulentwicklungsplan 2020 bis 2025 ins Landratsamt eingeladen, bei dem Dr. Anja Reinermann-Matatko (links) referierte. Weitere Teilnehmer waren Claudia Blume (rechts), Leiterin der Stabsstelle Schulplanung und Entwicklung, Johannes Kühn und Andreas Kaldschmidt vom Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft sowie Daniela Vogel vom Staatlichen Schulamt. Foto: Hannelore Nowacki

Das ist für die Schulen geplant

War wegen zu geringer Schülerzahlen 2015 noch die Schließung kleiner Grundschulen und Hauptschulen im Gespräch, stiegen die Einschulungen seit 2018/19 rapide, schon jetzt leben laut Melderegister 250 Kinder mehr im Kreis vor Ort, die Zuzüge nicht mitgerechnet. Kleine Standorte müssen sich also keine Sorgen mehr machen, kleine Hauptschulen haben die Talsohle erreicht. Jetzt gehe es um den Neubau zweier Grundschulen, die Erweiterung zahlreicher Grundschulen und die bauliche Ertüchtigung für den Ganztagsbetrieb. „In den nächsten Jahren wird es sehr viele Baustellen geben“, kündigte Engelhardt an. Die Gymnasialkapazitäten an der Bergstraße in Heppenheim und Bensheim seien bereits stark ausgelastet. Erweiterungspläne sind im Gespräch. Wie es mit einem neuen Gymnasium in Lorsch oder der Erweiterung der Erich-Kästner-Schule in Bürstadt mit Oberstufe bis zum Abitur steht, wird im Kreistag demnächst diskutiert. Wie Landrat Engelhardt mitteilte, werde die Schillerschule in Bürstadt sechszügig ausgebaut, weitere Grundschüler werden nach Bobstadt in die Astrid-Lindgren-Schule verlegt. Diese Änderungen sind bei den Förderschulen geplant: Die Sprachheilschule am Standort Schillerschule in Bürstadt wird geschlossen, sobald die letzten Schüler dort an eine Regelschule wechseln oder keinen Förderbedarf mehr haben. Denn die Datenauswertung habe ergeben, dass die Kinder vorwiegend aus anderen Wohnorten kommen und die Lage nicht zentral genug sei. An der Siegfriedschule Heppenheim wird zukünftig der Schwerpunkt Sprachentwicklung angesiedelt. Der Schwerpunkt Lernen für Kinder, die zum Beispiel unter  Konzentrations- und Verhaltensproblemen leiden, wird von dort zur Kirchbergschule Bensheim verlagert, die keine Grundschule mehr ist. Der Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung wurde bislang nur für die Jüngeren in der Primarstufe angeboten. Für den Bedarf der älteren Jahrgänge gibt es ein neues Konzept in der Sekundarstufe I als Zweig der Kirchbergschule Bensheim. An den beruflichen Schulen soll die Einführung neuer Bildungsgänge erleichtert, Pilotprojekte verstetigt werden. Ein regionales Fachklassenkonzept wird entwickelt. Hannelore Nowacki

Information

Mit dem Schulentwicklungsplan will der verantwortliche Kreis Bergstraße erreichen, dass für jedes Kind ein wohnortnahes und bedarfsgerechtes Schulangebot bereitsteht und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den neuen pädagogischen Anforderungen entsprechen. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, im Rahmen seiner Fähigkeiten, unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft, einen bestmöglichen Bildungsabschluss zu erreichen. Der aktuelle Schulentwicklungsplan basiert auf den Planungsdaten von 2008 bis 2015. Die Geburten sind bis 30. Juni 2014 erfasst. Die Bevölkerung wächst durch Zuzug und starken Anstieg der Geburtenrate. Auch die Anforderungen an den Lern- und Lebensraum Schule verändern sich, wie es auf der Homepage des Kreises Bergstraße heißt. Neben den vorhandenen Geburtenzahlen und der demografischen Entwicklung werden die Wanderungsbewegungen der Bevölkerung als strategische Entscheidungshilfe analysiert, heißt es auf der Homepage des Kreises Bergstraße. Für das Lehrpersonal und die pädagogischen Inhalte der Lehrpläne ist das hessische Kultusministerium zuständig. 

 

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