Sie sind hier: Home » Bürstadt und Stadtteile » 10 Jahre Tafel in Bürstadt – nicht alle stehen auf der Sonnenseite des Lebens
10.25 Uhr | 9. Oktober 2020

10 Jahre Tafel in Bürstadt – nicht alle stehen auf der Sonnenseite des Lebens

Silbernes Kronenkreuz für 14 Helfer und 3.000-Euro-Spende der Pfarrgruppe Bürstadt

Die geehrten freiwilligen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Bürstädter Tafel engagieren sich seit der Tafel-Eröffnung vor zehn Jahren für bedürftige Menschen. Im Bild: Zwölf der 14 Ehrenamtlichen und die drei Vertreterinnen des Diakonischen Werks Bergstraße vor der Pfarrkirche St. Michael. Foto: Hannelore Nowacki

BÜRSTADT – „10 Jahre Tafel heißt, 10 Jahre lang engagieren sich Menschen für die Bürstädter Tafel, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, die Not sehen und sie lindern – und in der Nachfolge Jesu nicht vor Not und Elend erschrecken, sondern zum Handeln auffordern“. Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Peter Kern den ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael am Mittwoch zur Feier des Tafel-Jubiläums und um die 14 freiwilligen Helfer und Helferinnen „der ersten Stunde“ zu ehren, die sich seit Beginn  ehrenamtlich bei der Ausgabestelle der Bürstädter Tafel in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Bergstraße engagieren. Drei Pfarrer gestalteten den Gottesdienst, neben Pfarrer Kern die evangelischen Pfarrer Rainer Heymach und Karl Hans Geil. Da das gemeinsame Singen im Gottesdienst Corona bedingt noch immer verboten ist, übernahm Organist Wolfgang Becker neben dem Orgelspiel auch die bewegende gesangliche Begleitung. „Ohne Tafel können wir nicht leben“ ist das Tafellied überschrieben, das in sechs Strophen die alltägliche Arbeit der freiwilligen Helfer beschreibt. Pfarrer Kern las aus der biblischen Apostelgeschichte vom gelähmten Bettler, der am Tempeleingang um Almosen bat und Petrus begegnete, der ihm nicht Silber und Gold geben konnte, aber ihn im Namen von Jesus von Nazareth an seiner Hand aufrichtete und mit ihm in den Tempel ging. In seiner Predigt nahm Pfarrer Geil diese Geschichte auf und wies darauf hin, dass diese Heilungsgeschichte prägend für das diakonische Handeln sie: „Quasi ein Urtext für Caritas und Diakonie“. Vom aktuellen Geschehen bei der Pandemie in diesem Jahr hob Pfarrer Geil zwei Seiten hervor, die gierige Seite des Menschen um die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Produkten, wie in den Supermärkten zu beobachten war, und die mitfühlende Seite. Vom Mitgefühl für die menschliche Not geleitet seien auch die Tafelhelfer seit 10 Jahren, die weder aufgerechnet noch bilanziert hätten. „Dafür bekommen Sie heute zu Recht das Kronenkreuz, kein Orden für Verdienste, sondern ein besonderes Zeichen für menschliche Haltung, für Mitgefühl, Bereitschaft zu helfen – für Nächstenliebe“. Davon könne eine Gesellschaft nie genug haben. Irene Finger, Leiterin des Diakonischen Werks Bergstraße, sagte in ihrer Ansprache zur Auszeichnung der 14 Helfer und Helferinnen der ersten Stunde: „Ohne Sie gebe es die Tafel nicht“. Bürger, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, würden von ihnen mit qualitativ einwandfreien und gesunden Lebensmitteln versorgt – zurzeit 400 Menschen, die Hälfte Kinder. In den Fürbitten wurde um die Kraft gebeten, anderen Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Gemeinsam, jedoch mit dem Corona bedingten Abstand, überreichten Irene Finger, Bereichsleiterin Susanne Hagen und Tafelkoordinatorin Dr. Ute Weber-Schäfer die Urkunden und Silbernen Kronenkreuze. Eine Überraschung erwartete die Vertreterinnen des Diakonischen Werks und die Tafelhelfer beim anschließenden Empfang im Bürgerhaus – Pfarrer Kern hatte einen großen symbolischen Spendenscheck des Caritaskreises in der katholischen Pfarrgruppe von 3.000 Euro für die Bürstädter Tafel mitgebracht, den er der glücklich strahlenden Leiterin des Diakonischen Werks Bergstraße Irene Finger überreichte. Bürgermeisterin Barbara Schader und der Kreisbeigeordnete Karsten Krug richteten Grußworte an die Helferinnen und Helfer, in denen sie deren Engagement als etwas Besonderes  würdigten. Schader bekräftigte, dass die Stadt Bürstadt die Tafel auch weiterhin mit dem Zuschuss zur Miete unterstützen werde. Das Entscheidende sei, dass die „starke Gruppe der Helferinnen und Helfer die Räumlichkeiten mit Leben füllen“. Krug wies darauf hin, dass nicht viele Städte in Deutschland die Tafeln unterstützen. Fünf Tafeln für 2.500 zu versorgende Menschen gebe es im Kreis Bergstraße, erklärte Krug, die über 900 Tafeln in Deutschland versorgen 1,5 Millionen Menschen. Beim gemütlichen Teil des Empfangs waren alle zum „Corona-Büffet“ eingeladen, serviert auf kleinen Tischen mit Abstand zu den anderen Gästen. Großes Lob erhielten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die den Saal dekoriert hatten. Hannelore Nowacki

Information

Ausgezeichnet mit dem Silbernen Kronenkreuz des Diakonischen Werkes wurden Rita Bauer, Alice Elsinger, Jürgen Geschwind, Christa Geschwind, Maria Glaser, Klarissa Humm, Christa Ille, Monika Janson, Bärbel Kilian, Gerda Maier, Josefine Schader, Erna Schöcker, Dagmar Simon und Werner Straus.  

 

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen