Fr., 22. September 2017
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Von: 17. Juli 2017 weiterlesen →

Wo Wasserkäfer und Mondjungfern zu Hause sind

Naturbegeisterte Kinder bei der Kescher-Aktion am NABU-Tümpel

Was ist da wohl ins Netz gegangen? NABU-Experte Ralf Gerlach erklärte den Kindern, was er sah. Foto: Hannelore Nowacki


LAMPERTHEIM – „Wir haben was!“ Ein Ausruf voller Begeisterung am gegenüber liegenden Ufer. Marvin, der mit Schwesterchen Lara gekommen war, kannte den Ort des Geschehens schon, doch was ihm ins Keschernetz gegangen war, würde sich später bei der exakten Bestimmung zeigen. Das NABU-Paradies der Frösche und Kröten, Goldrandkäfer, Rückenschwimmer, Mondjungfern und vieler anderer Tierchen erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär, doch beim Keschern kommt die im Tümpel verborgene Lebenswelt zutage. Dreizehn Kinder erlebten am Samstagvormittag mit Anke Diehlmann, Gaby Pietraß und Ralf Gerlach als fachkundige NABU-Betreuer auf dem Naturgelände der früheren Storchenstation des NABU Lampertheim zwei abenteuerliche Stunden mit Gummistiefeln und Keschern. Vor zwei Jahren hatte der NABU das fast verlandete Gewässer ausbaggern lassen – seitdem entfaltet sich hier wieder das pralle Unterwasserleben. Einmal im Jahr haben Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren beim NABU Lampertheim die Möglichkeit, die Geheimnisse dieser Unterwasserwelt zu lüften und zu erfahren, wer den Tümpel bewohnt und dort seine Kinderstube eingerichtet hat. Die Eltern kamen später wieder, um ihre Sprösslinge abzuholen. Auch sie erhielten interessante Einblicke, wenn sie das Wimmeln in der Lupendose anschauten. Die jungen Naturforscher hatten der Empfehlung folgend Gummistiefel mitgebracht, auch Kescher und Lupendosen besaßen einige Kinder. Nach einer ersten Einweisung und Begrüßung im großen Kreis begann die Entdeckungstour an den schlammigen Ufern des Tümpels. Wer seinen Kescher ganz langsam durchs Wasser zog, wie die NABU-Experten geraten hatten, konnte mit ordentlichem Fang rechnen. Zwischen den dunklen Algen, die sich in den Keschern verfangen hatten, krabbelten meist unbekannte Tiere, die mit zarter Hand in die mitgebrachten Eimer befördert wurden, wo sie sich im gewohnten Tümpelwasser wiederfanden. Für die meisten Kinder war es Neuland und wer schon einmal beim NABU zu Besuch war, entdeckte dennoch viel Neues. Wie sich Natur erfahren lässt, erfuhren die Kinder zu Beginn. „Naturforscher brauchen ganz wache Sinne“, erklärte Anke, „mit denen du die Welt fühlst und begreifst“. Wie fühlt sich die Luft an? Lara fand die Luft stark, Anke angenehm. Ganz wach müssten heute die Augen sein, ebenso die Ohren. Was war zu riechen? „Grünzeug“ meinte ein Kind. Anke entschied sich für „feucht und frisch“. Der Sommer zeigte sich von seiner angenehmen Seite, ein wenig frisch im Schatten und warm in der Sonne. Was schwimmt denn da? Was krabbelt im Kescher? Fragen, die die NABU-Experten häufig gleich nach dem Fang beantworten konnten, wenn sie die Tierchen vorsichtig auf die Hand und dann in den Eimer setzten. Leon hatte einen Frosch gefangen, wunderte sich aber: „Er hat noch einen Schwanz“. „Ich hab hier ganz komische Tiere“, sagte Leon zu Ralf, der sich den Fang ansah und erklärte. Was als Larve so gar nicht attraktiv aussah, wird einmal eine schöne Libelle. Mondjungfern lieben das Biotop, wusste Anke. Ruderwanzen und einen Gelbrandkäfer hatte Ryan aus dem Wasser gekeschert. Nachdem alle Kinder mit zunehmender Begeisterung ihre Eimer mit Leben gefüllt hatten, war es an der Zeit, den Fang zu besprechen. Mit sanfter Hand übersiedelten die Tierchen kurzfristig in Aquarien, um sie besser sehen zu können. Eine nie zuvor gesehene Tierwelt schwamm im grünlichen Tümpelwasser. Bestimmungsbücher und Blätter halfen bei der Erkundung. Ein winziger junger Teichfrosch setzte sich sogleich auf ein Schilfrohrstück und schaute interessiert, während im Nachbarbecken ein Gelbrandkäfer emsig seine Runden drehte. Sogar eine Gelbrandkäferlarve war einem Kind ins Netz gegangen, beide, der Käfer und die Larve räubern im Teich, erläuterte Anke, die selbst zuvor noch nie eine solche Larve gesehen hatte. Rein vegetarisch lebe hingegen der Wasserskorpion, der gerne an Algen knabbere und selbst wie ein welkes Blatt aussehe. Anschließend kamen alle Tiere unbeschadet wieder in ihr natürliches Refugium zurück. Nach Vereinbarung können auch Kindergartengruppen und Schulklassen bei einer Kescher-Aktion die Natur erkunden, wie Anke Diehlmann mitteilte. Die NABU-Experten übernehmen diese Aufgabe ehrenamtlich und kostenlos und seien zeitlich flexibel. Zwei Klassen der Goetheschule seien bereits dagewesen. „Uns ist es wichtig, dass wir auch vielen Neulingen die Natur zeigen können“. Die Fledermausnacht am Altrhein ist die nächste Aktion im August. Weitere Informationen unter www.nabu-lampertheim.de Hannelore Nowacki

Was schwimmt denn da? Viele kleine Lebewesen gaben zunächst Rätsel auf, andere wie Frösche und Kaulquappen waren den Kindern bekannt. Foto: Hannelore Nowacki

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