Sa., 18. November 2017
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Margit Selb auf der Leiter

Lampertheimer Kerwe am Montag mit knackigen Mundartreden

Margit Selb hatte mit ihrer mundartlichen Kerwerede die Lacher auf ihrer Seite. Foto: Hannelore Nowacki


LAMPERTHEIM – Kerwe in Lampertheim hat Tradition, gar nicht denkbar ohne Kerwereden und Kranzaufhängen. Am Kerwemontag ging es hoch her, denn hoch oben auf der Leiter stehend brachten die Kerweredner ihre Botschaft unter das Volk. Wo einst das „Weiße Ross“ in der Wilhelmstraße seine Gäste bewirtete und das Brauchtum der Kerwerede hochhielt, führt heute Wirt Antonio Carucci die Vereinsgaststätte der Azzurri. Margit Selb, viele Jahre Vorsitzende des 1. Carneval-Clubs Rot-Weiß und stets aktiv, wenn es um wertvolles Brauchtum, Humor und Witz geht, hat sich am Kerwemontag bei trüben Wetteraussichten an die Wiederbelebung der Kerwerede und des Kranzaufhängens an historischer Stelle gemacht. Damals, vor acht Jahren, stand hier Stefan Diesterweg. Wenige Minuten vor der Aktion waren die Zuschauer noch rar, doch das änderte sich schnell – aus allen Richtungen eilten sie zum Ort des Geschehens. Tische und Stühle standen auf dem Gehweg bereit, die Leiter lehnte an der Mauer. Der Verkehr rauschte in beiden Richtungen, manchmal schoben sich lange Autoschlangen vorbei und hohe Lastwagen versperrten Margit Selb kurzfristig den Blick nach drüben. Sie kommentierte dies mit Humor, zum Vergnügen ihres Publikums. Vielleicht gibt es nächstes Jahr eine Absperrung wie damals, hofften einige Zuschauer. Bürgermeister Gottfried Störmer, Erster Stadtrat Jens Klingler, Spargelkönigin Nadine II., Kulturfachbereichsleiter Rolf Hecher und viele weitere Zuschauer drängten sich auf dem schmalen Gehweg, eine Menschenmenge spitzte auf der gegenüberliegenden Seite die Ohren. Mehrere Kerweborscht an Selbs Seite, Wolf Weber mit seiner „Quetschkommod“ und Wirtssohn Nico Carucci als Mundschenk komplettierten das gut gelaunte Kerweteam. Trittsicher auf der Leiter stehend, schwenkte Margit Selb übermütig ihren italienischen Hut als sie zum „Prost uff die Kerwe mit de Italiena“ aufrief. „Wolf, schmeiß de Rieme druff“ rief Margit Selb dem Musikanten zu. Den Azzurri-Boys sprach sie Mut zu: „Macht weira so mit eire Balle, s’iss noch kein Meister vom Himmel g’falle“. „Üweral, wohin man schaut, in Lombade wird veel gebaut“, stellte Margit Selb fest. Den Kerwekranz taufte sie gerechterweise mit rotem und weißem Wein. Wirt Carucci freute sich über das Geburtstagsständchen. Wenig später fanden sich viele Kerwebesucher zum nächsten Ereignis am Gasthaus „Zur Krone“ ein, wo Steffen Götz auf ganz hoher Leiter mundartlich mit voller stimmlicher Kraft seine Kerweredd anfänglich bei Regen hielt. Mundschenk Ralf Eichenauer reichte ihm das notwendige Bier. Auch hier war klar: „Wemm g’heert die Kerwe? – Unser!“ Unter den regensicheren Sonnenschirmen wurde viel gelacht, denn Steffen Götz servierte seine Sicht auf die Weltpolitik treffsicher und mundartlich angereichert. Sein Lösungsansatz: „Schießt die A… aoaofach all uff die Mond, daonn bleib ma zukinfdisch vun denne verschont“. Doch auch Lokales aus Lampertheim und Denkwürdiges aus dem ganzen Land boten ihm viel Stoff. Die Kerweborscht und Spargelkönigin Nadine II. brachen dann zum nächsten Auftritt auf – Christoph Oberfeld stieg beim Kreuzhofbauern Karb in der Biedensandstraße auf die Leiter, wo Haxen und Grillsteaks über der Glut lagen und die Gäste aufmerksam lauschten.

Im Lampertheimer Wind und bei Regen erheiterte Steffen Götz die große Zuschauerrunde am Gasthaus „Zur Krone“. Foto: Hannelore Nowacki


Ob Spargelwanderung, Frischling, Dieselskandal oder die Kerwe selbst, „nirgends kann es schöner sein als bei uns in Lampertheim“, meinte Oberfeld in seiner Rede an die applaudierenden Kerwe- und „Dieselstrunzer“. Hannelore Nowacki

Kerweredner Christoph Oberfeld stieg beim Kreuzhofbauern Karb auf die Leiter. Foto: Hannelore Nowacki

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