Fr., 22. September 2017
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„Ja, der Douwaggwagg, der Douwaggwagg…“

Lorscher Tabakpflanzer unverdrossen bei der Tabakpflege

Bandeliere am Rand des Tabakfeldes. Foto: Stadt Lorsch


LORSCH – Im fünften Jahr sind sie zurück an der Tabakscheune: Die Lorscher Tabakpflanzerinnen und –pflanzer pflegen den „Douwagg“ 2017 wieder an der Tabakscheune im Welterbe Areal. Damit bepflanzt man nun wieder die Ausgangfläche, wo man 2013 mit dem Projekt startete. „Der Tabak ist ein richtiger Stickstoffräuber, er laugt den Boden aus“, weiß Bernhard Stroick, der das Projekt leitet. „Deshalb muss man eine sogenannte Fruchtfolge einhalten.“ Das bedeutet, dass der Acker nur zwei Jahren hintereinander für Tabakanbau genutzt werden kann. Danach muss etwas anderes angepflanzt werden. Deshalb war man 2015 und 2016 auf ein Feld nahe des Besucherinformationszentrums ausgewichen. „Aber hier, an der Tabakscheune, da fühlen wir uns natürlich noch mehr zuhause“, schmunzeln die emsigen Freiwilligen. Nicht zuletzt steht dort eine schöne Bank, auf der man nach getaner Arbeit seinen „Lewwerworschdewegg“ (Leberwurstbrötchen) oder ähnliches verschnabulieren kann.
Auch der Tabak scheint sich hier wohl zu fühlen. „Das Feld liegt prächtig da“, sagen die Tabak-Laien mit einem gewissen Bauernstolz. Und das, obwohl das Unkraut in der feucht-heißen Witterung geradezu in die Höhe schoss. Doch ebenso der Tabak: Schon jetzt hat man die Grumpen geerntet und mit dem Ausgeizen begonnen. In diesem Jahr wird die Gruppe auch erstmals die ganze Pflanze abernten. Bislang hatte man lediglich die Sandblätter gebrochen. „Mehr konnten wir gar nicht verarbeite“, sind sie sich einig. Das betrifft sowohl den Arbeitsschritt des Tabaknähens, was die Voraussetzung zum Trocknen ist. Aber auch für die Produktion von etwa 10 000 Zigarren benötigte man keine größeren Tabakmengen. „Natürlich eigentlich ein Frevel, in den Wickel eines Shortfillers ausschließlich Sandblätter, das kostbarste Blatt der Pflanze, einzubringen“, ist sich Gabi Dewald vom initiierenden Kulturamt im Klaren.
Doch in diesem Jahr ist sowieso einiges anders. Zum einen soll bei der Eröffnung der Tabakscheune als Museum rund um den Tabakanbau möglichst viel Tabak im ersten Stock des etwa 30 Meter hohen Gebäudes hängen. Diese Eröffnung ist für die diesjährige Kerb mit Tabakfest geplant. „Deshalb werden wir erstmals die ganze Pflanze abernten. Denn dazu benötigen wir natürlich möglichst viele Bandeliere“, so Stroick. Und da sich die Tabakpflanzer – etwa 20 – 25 aktive Feierabend-Pflanzer an der Zahl – außer Stande sehen, die Ernte des ganzen Feldes (ca. 1000 qm) mit der Hand aufzufädeln, wurde jetzt eine alte Tabaknähmaschine ertüchtigt. Sie ist Teil des neuen Museums rund um den Tabakanbau. Gleichzeitig aber wird sie von dem Lorscher Tabakprojekt genutzt werden. Auch die Arbeitsgeräte der Projektgruppe werden weiterhin in der Scheune aufbewahrt. „Das gibt dem Museum natürlich einen ganz besonders lebendigen Charakter“, wird diese Nutzung willkommen geheißen. – Die Tabakpflanzer sind auf das Experiment mit der Maschine gespannt: „So ergibt sich für uns wieder etwas ganz Neues, was wir so noch nie ausprobiert haben. Wir sind gespannt“, ist Bernhard Stroick zufrieden. Auch, dass die Gruppe für das neue Museum verschiedene Volks- und „Douwagg“-Lieder einspielte, die dann beim Museumsbesuch zu hören sein werden, gehört zu der Art Abenteuer, die man in der begeisterten Gruppe schätzt. Und nachdem auch das Fermentieren im Frühjahr zur großen Zufriedenheit angeschlossen werden konnte ist man sich einig: „Ein gutes, spannendes Jahr“, ist man sich einig. zg

Geschrieben in: Aus dem Nibelungenland

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