Mo., 27. März 2017
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Gute Stimmung bei unfreundlichem Wetter

Gemeinsamer Stadtspaziergang zum Stadtumbau mit kontroversen Anregungen

Wetterfest ausgerüstet hatten sich die Teilnehmer des zweistündigen Stadtspaziergangs gut vorbereitet. Sogar Leihregenschirme waren bei Stefan Groß vom Bauamt erhältlich. Am Bahnhof war der Treffpunkt, ein Ort, der zurzeit viele Wünsche offen lässt. Foto: Hannelore NowackiLAMPERTHEIM – Wind und Regen am Samstagvormittag wirkten nicht gerade einladend, um sich in der Innenstadt auf einen zweistündigen Stadtspaziergang zu freuen. Dennoch versammelten sich auf Einladung der „Lokalen Partnerschaft“ am Treffpunkt Bahnhof etwa fünfzig interessierte Bürger, um gemeinsam mit den beiden Projektverantwortlichen der NH ProjektStadt, Marius Becker und Christian Schwarzer, Bürgermeister Gottfried Störmer,  Erstem Stadtrat Jens Klingler und Stefan Groß vom Bauamt die geplante Strecke mit Diskussionsrunden am Bahnhof, im Stadtpark, an der Sedanhalle Ecke Eleonorenstraße/Sedanstraße, auf dem Schillerplatz  und am Parkhaus in der Domgasse abzulaufen. Zur Abschlussbesprechung in der Zehntscheune mit der Stadtverwaltung und den Projektleitern waren alle Teilnehmer zu einem Imbiss eingeladen. Hier zog Bürgermeister Störmer eine positive Bilanz des Stadtspaziergangs, auf weiteres Interesse der Bürger hoffend. Nicht alle Anregungen und Wünsche könnten umgesetzt werden – „aber wir diskutieren darüber“. Ansprechpartner seien der Bürgermeister selbst, Erster Stadtrat Klingler sowie der Hauptansprechpartner Stefan Groß, der sich in den nächsten Jahren vonseiten der Stadtverwaltung mit dem Stadtumbau beschäftigt. Für alle, die gerne online sind, wird in Kürze eine interaktive Internetseite aktiv sein, bei der unter www.sags-doch-mol.de ebenfalls Vorschläge und Anregungen willkommen sind. Der Stadtumbau in Bereichen der Kernstadt mit Fördermitteln des Landes Hessen wird innerhalb der nächsten zehn Jahre von den Spezialisten der Firma NH Projektstadt begleitet, die zur Wohnungsgesellschaft der Naussauischen Heimstätte/Wohnstadt gehört und Kommunen als Dienstleister unterstützt. Im Herbst werden Becker und Schwarzer das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“  (ISEK) vorlegen, um es nach Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung dem Land Hessen zur Verfügung zu stellen. Becker erläuterte die weiteren Maßnahmen bis dahin, zu denen auch eine „Bürgerwerkstatt“ am 14. Mai gehört. Beim Stadtspaziergang sollten nicht nur Problemzonen und Schmuddelecken angesteuert werden, den Projektleitern kam es auch darauf an, Wohlfühlorte zu erkunden, an denen sich die Bürger gerne aufhalten wie beispielsweise den Stadtpark als innerörtliches Naherholungsgebiet.

Viel Potenzial als innerörtliches Naherholungsgebiet hat der Stadtpark, der in den nicht mehr voll belegten Friedhof übergeht. Foto: Hannelore Nowacki

Ein eigenes Kamerateam der NH ProjektStadt begleitete den Stadtspaziergang, um an den Haltepunkten alle Diskussionsbeiträge aufzunehmen. Auf die detaillierten Fragen und Denkanstöße der Projektleiter entwickelten sich lebhafte Gespräche, in denen vielfach gegensätzliche Wünsche der Bürger zum Ausdruck kamen – mehr Ruhe oder mehr los in der Innenstadt, mehr Grünflächen auf dem Schillerplatz oder Pflasterflächen für Markt und Veranstaltungen, die Kaiserstraße als verkehrsberuhigte Aufenthaltszone oder Durchfahrt in einer Richtung mit Kurzparkplätzen zur Belebung des Einzelhandels. Wie beim Bahnhofsgebäude und anderen  Stellen sind private Eigentümer gefragt, wenn es um die Stadtentwicklung geht. Hier werde man Gespräche führen um einen Einklang zu finden, teilte Bürgermeister Störmer mit. Hannelore Nowacki 

Information

Im Bahnhofsgebäude wünschen sich viele Bürger ein Café, Aufenthaltsräume und Angebote im öffentlichen Personennahverkehr im Rahmen einer Mobilitätszentrale, ein Fahrradverleih und  Carsharing wurden vorgeschlagen. Ein Ärgernis sei der Fahrplanaushang, dessen Scheibe entweder beschlagen oder im Winter vereist sei. Wer hält sich regelmäßig im Stadtpark auf? Auf Beckers Frage kamen vielfältige Antworten. Gut findet eine Frau, dass man auf den Grünflächen sitzen darf. Sogar Schulsport findet hier statt, wie Lehrkräfte anmerkten. Das Café kommt gut an, aber es gibt noch zu wenige Sitzgelegenheiten für die ältere Generationen, meinte ein Stadtverordneter, der auch an die Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer dachte, die auf nassen Kieswegen Probleme hätten. Eine Mutter kommt nur mit Kind in den Stadtpark, sie wäre froh, wenn es ein Becken für Kinder gebe. Eine große Kletterwand wünschte sich ein anderer Bürger für die jüngere Generation. Besonders im Bereich des Friedhofs sollten naturnahe Flächen angelegt werden, die Vögel und Bienen anlocken. Naturschutz müsse sich nicht mit Naherholung beißen, meinte der Naturschützer. Bis zum Jahr 2044 werde der Friedhof  jedoch nur eingeschränkt nutzbar sein, erklärte Bürgermeister Störmer. Die noch schmucklose Grünfläche werde im Sommer eine blühende Wiese sein, ein Insektenhotel sei bereits vorhanden. Dass die Polizei hier Präsenz zeigt, kommt bei den Bürgern gut an. Bürgermeister Störmer kann sich eine erhöhte Bühne für die diversen Events vorstellen, die sich optisch in die Natur anpasse. Auf dem Weg zur Sedanhalle wurde vor allem deutlich, dass die engen, schlecht gepflasterten  Gehwege mit hohen Kantsteinen und tonnenförmig gewölbten Straßen für Rollstuhlfahrer problematisch sind. Der Rollstuhlfahrer, unterwegs mit einem elektrischen Rollstuhl, kritisierte, dass er die Randsteine in diesem Bereich nicht einmal umfahren könnte. Auch Senioren hätten damit ihre Schwierigkeiten und müssten auf die Straße ausweichen. Die dem Kreis Bergstraße gehörende Sedanhalle, „ein schrecklicher Koloss“, wie ein Bürger meinte,  könnte neben dem Schulsport für kulturelle Zwecke genutzt werden. Sorge haben vor allem ältere Einwohner wegen der wohnortnahen Versorgung, weil es nur einen Supermarkt gebe, der zudem verkehrliche Probleme bei der Warenanlieferung habe. Ruhe auf dem Schillerplatz oder mehr Leben? Hier gingen die Meinungen auseinander. Die drei Spielgeräte und kleinen Springbrunnen kommen bei Kindern gut an, meinte eine Mutter. Mehr Atmosphäre durch schönere, auch begrünte  Hausfassaden waren weitere Vorschläge. Das leer stehende Schillercafé könnte im Sommer gastronomisch genutzt werden, in der kalten Jahreszeit als Markthalle, unbedingt gehöre hier eine öffentliche Toilette her. Beim Parkhaus in der Domgasse scheiden sich die Geister nach Fahrzeuggröße und Komfortempfinden, die einen finden die Durchfahrten und Stellplätze viel zu eng, die anderen sind damit zufrieden. Allerdings bevorzugen die meisten einen Parkplatz unter freiem Himmel. Ein Mann sieht gute Chancen für mehr Belegung im Parkhaus, wenn außen gut sichtbar dranstehen würde, dass es ein Parkhaus ist – und dazu sogar bei Tag und Nacht kostenlos.  Hannelore Nowacki

 

 

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