Mo., 11. Dezember 2017
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Von: 7. Dezember 2017 weiterlesen →

Bilder und Geschichten, die man nicht so schnell vergisst

Präventionsprojekt „SchleuderDrama“ für 11. Klassen der Elisabeth-Selbert-Schule

Mit wenigen Vorkehrungen lässt sich das Unfall-Risiko im Straßenverkehr deutlich verringern – dies verdeutlichen Rettungskräfte am Mittwoch im Rahmen des Präventionsprojekt „SchleuderDrama“ für 11. Klassen der Elisabeth-Selbert-Schule. Foto: pixabay.com

LAMPERTHEIM – „SchleuderDrama” lautete der Titel der Präsentation, die den Projekttag für die 11, Klassen der Berufsfachschule sowie der Stufe 11 der HBF in der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) am Donnerstag eröffnete. Aufklärung und Prävention durch Abschreckung könnte man meinen, aber den Veranstaltern ist vor allem eines wichtig: „Wir wollen euch keine Angst machen, wir wollen euch hier klar machen, dass ihr nicht unverletzlich seid und in gewissen Situationen euren Verstand einsetzt und bessere Entscheidungen trefft“ – und dass wir euch nicht immer retten können, auch wenn wir alles menschenmögliche dafür tun”, brachte es der Gemeindebrandinspektor der Gemeinde Mörlenbach, Reiner Agostin, auf den Punkt. Gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr, der Rettungsdienste und der Notfallseelsorge schilderte er den Schülern persönlich Erlebtes – Bilder und Geschichten, die die Schüler sicher nicht so schnell vergessen.

„Eines Abends wurde wir zu einem Hilfeeinsatz mit Rettungsschere gerufen”, schilderte Reiner Agostin ein besonders persönliches Erlebnis, das ihn seither nicht mehr loslässt. „Gemeinsam mit dem Notarzt war ich als erstes an der Unfallstelle und er meinte zu mir, dass eine besonders rasche Rettung nötig sei, um dem jungen Mann, der im Auto eingeklemmt war, das Leben zu retten. Mitten in der Arbeit sagte der Notarzt auf einmal, wir könnten langsam machen – eine Rettung sei nicht mehr möglich. Da ging ein Ruck durch das Team, alle stellten sich die Frage: Haben wir etwas falsch gemacht, waren wir zu langsam? Aber manchmal können wir einfach nichts mehr machen, wenn der Unfall zu schwer war, egal was wir versuchen.” Dies habe er auch dem Vater des jungen Mannes gesagt, als dieser an der Unfallstelle eintraf. „Die Mutter ist sofort kollabiert, der Vater hat mir alles erzählt, was sein Sohn, der kurz vor dem Abitur stand, im Leben erreichen wollte. An diesem Abend hatte er einen kleinen Fehler gemacht und alle Träume und Ziel, sein ganzes Leben war dahin. Es liegt an euch: Ihr haltet eurer Leben in der Hand. Macht keine Dummheiten und passt auf euch auf“

Ebenso beeindruckend waren kurze Filmsequenzen, die von Unfallopfern berichteten. „Haltet die Geschwindigkeit ein, die Schilder stehen aus gutem Grund. Und pimpt eure Autos nicht auf, das bringt nichts – nicht bei den Mädchen und nur falsche Anerkennung bei euren Freunden”, appellierten in einem der Videos zwei junge Männer, die bei einem Unfall fünf Freunde verloren und selbst verletzt überlebt haben. „Unser Auto war zu voll besetzt, wir saßen zu fünft auf der Rückbank – fahrt lieber vorsichtig und mit weniger Insassen, damit euch nichts passiert.”

Vor allem sollen sie die jugendlichen Fahrer und Mitfahrer aber sensibilisieren, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn mit wenigen Vorkehrungen lässt sich das Unfall-Risiko im Straßenverkehr deutlich verringern. „Wenn ihr euch an Regeln haltet, schützt ihr euer Leben und das Leben anderer“, betonten die Einsatzkräfte und appellierten an die Vernunft der jungen Menschen. Auch Anschnallen ist Pflicht und schützt das Leben, wie eine weitere emotionale Film-Präsentation sehr deutlich machten. Nicht zu unterschätzen sind kurze Ablenkungen, sei es durch das Handy oder andere Mitfahrer, denn nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit bedeuten 15 Meter auf der Straße. Alkohol und andere illegale Drogen schränken nicht nur das Fahrvermögen im Straßenverkehr drastisch ein, sondern erhöhen auch die Risikobereitschaft. Besonders oft sind junge Menschen betroffen, sie schätzen das Risiko falsch ein oder wollen an falscher Stelle Mut beweisen – deshalb gilt: Kein Alkohol am Steuer – nie! In Workshops wurde die Botschaft anschließend vertieft. Benjamin Kloos

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